Quiet Luxury im Trend

Wie stilvoller Luxus den Konsum beeinflusst

Quiet Luxury

Gedeckte Farben, ein unauffälliger Schnitt und kein Logo in Sicht: Protzen ist in der Mode out, Understatement ist in. Zumindest, wenn es nach dem Trend „Quiet Luxury“ geht. Was steckt dahinter? Und was bedeutet er für den Konsum?

Was ist Quiet Luxury?

Quiet Luxury, auch „leiser“ oder „stiller Luxus“ genannt, ist ein Stil, der auf Unauffälligkeit setzt. Diese Merkmale machen ihn aus:

  • Diskretion: Quiet Luxury verzichtet auf große, laute Logos. Stattdessen werden ruhige Farben und schlichte Designs verwendet.
  • Hochwertig: „Der Fokus liegt auf dem ‚Inneren’ des Produktes, also auf Materialien oder Design”, sagt Fernando Fastoso, Professor für Markenmanagement für Luxus- und High-Class-Marken an der Hochschule Pforzheim. So werden für die Kleidungsstücke zum Beispiel hochpreisige Materialien wie Seide, Kaschmir oder Wolle verwendet.
  • Zeitlose Eleganz: Die Produkte zeichnen sich durch zeitlose Designs aus, die nicht schnell aus der Mode kommen.

Krisen als Auslöser des Modetrends

Quiet Luxury ist seit 2023 immer beliebter geworden. Was hat den Trend vorangetrieben? „Quiet Luxury kommt immer ins Gespräch in Zeiten von Krisen. Das war so nach der Bankenkrise 2009.", erklärt Fastoso. Die Vermutung dahinter: Luxuskonsumentinnen und -konsumenten sind in Zeiten von Krisen zurückhaltender und entscheiden sich für subtilere Stücke.

Dezente Mode hat ihren Preis

Ein Seidentuch für 500 Euro, ein Wollmantel für knapp 3.000 Euro oder Basics wie ein T-Shirt aus Baumwolle für 750 Euro: Unauffälliger Luxus hat seinen Preis. Die aktuelle Studie „Luxury Goods Worldwide Market Study“von Bain & Company und Fondazione Altagamma zeigt, dass der globale Markt für persönliche Luxusgüter auch 2025 weiterhin stabil bleibt. Das Segment erreicht ein erwartetes Volumen von rund 358 Milliarden Euro und zeigt damit eine nur leichte Abschwächung gegenüber den Vorjahren. Der Trend richtet sich vordergründig an eine sehr wohlhabende Klientel und wird oft in Verbindung mit dem „Old Money Style“ gebracht. „Weil es die ‚Altreichen’ sind, die in der Lage sind, auf die offensichtlichen Zeichen des ‚lauten Luxus‘ zu verzichten“, erklärt Markenexperte Fastoso.

Exklusivität durch Unauffälligkeit

Konsumentinnen und Konsumenten setzen zunehmend auf weniger, dafür jedoch bewusst ausgewählte und besonders hochwertige Stücke. Exklusivität spielt dabei eine zentrale Rolle – ganz gleich, ob es sich um auffälligen oder zurückhaltenden Luxus handelt.

Beim sogenannten „leisen Luxus“ tritt jedoch ein spezieller Aspekt hinzu: Das Gefühl erhöhter Exklusivität entsteht gerade dadurch, dass diese Form des Luxus nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Ein Mantel lässt sich äußerlich kaum sofort in eine Preiskategorie einordnen – ob er 200 oder 2.000 Euro kostet, erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Genau dieses subtile Moment macht den Reiz und die besondere Wertigkeit des zurückhaltenden Luxus aus.

Stilvoller Luxus für kleinere Budgets

Aber auch Hersteller im Massenmarkt springen auf den Zug auf und versuchen, den dezenten Stil nachzumachen. Das beobachtet etwa die Fashion-Bloggerin Sabine Kowalski, die sich auf ihrem Blog Sustylery mit nachhaltiger Mode beschäftigt. Sie schreibt: „Gerade im Fast-Fashion Segment wie bei Shein oder Zara werden dafür zwar Kleidungsstücke hergestellt, die den typischen Look dieser Stile imitieren; durch ihre billige Herstellungsart sind sie allerdings nicht für die Ewigkeit gemacht.”

Nachhaltigkeit als Nebeneffekt fraglich

Wenn es beim Quiet Luxury getreu dem Motto „Qualität vor Quantität“ um zeitlose, ausgewählte und langlebige Kleidungsstücke geht, die länger getragen werden, ist „leiser Luxus“ dann auch nachhaltiger? So könne man durchaus argumentieren, sagt Fastoso. Er gibt jedoch zu bedenken: „Das heißt aber nicht unbedingt, dass diese ‘längere Haltbarkeit’ des ‚leisen Luxus‘ eine starke Kaufmotivation ist.” Und Kowalski befürchtet in ihrem Blogbeitrag, „dass diese Stile wieder nur als flüchtige Modebewegungen wahrgenommen werden und sie dadurch nur ein weiterer Trend bleiben, die den Konsum anfeuern.” 

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Illustration eines Smartphones unter der Lupe