Zwei Wege aus den Schulden
Welche Tilgungsstrategie passt zu Ihnen?
Null-Prozent-Kredite von Einzelhändlern, ein Kurzzeit-Darlehen von der Hausbank oder ein auf mehrere Jahre angelegter Kredit für das Auto: Dass man als Privatperson Schulden bei unterschiedlichen Gläubigern hat, ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Solange das Einkommen neben den üblichen Lebenshaltungs- und Vorsorgekosten auch die fälligen Raten abdeckt, ist das in aller Regel auch kein Problem.
Doch was, wenn sich die persönlichen Einkommensverhältnisse plötzlich ändern, etwa durch Krankheit, Unfall oder einen Jobwechsel? Wer schneller aus den Schulden heraus muss als ursprünglich vorgesehen, kann dies mit unterschiedlichen Methoden versuchen. Zu den bekanntesten gehören die Schneeball- und die Lawinenmethode, die sich für unterschiedliche Finanzsituationen eignen.
Beiden Methoden gemein ist die Tatsache, dass mit ihnen jeweils ein Kredit bevorzugt behandelt wird, um diesen möglichst schnell vollständig abzutragen. Dadurch kommen sie jedoch grundsätzlich nur für Menschen in Frage, die sich nicht bereits auf ein Privat- oder Verbraucherinsolvenzverfahren vorbereiten, sagt Kerstin Föller, Leiterin der Abteilung Insolvenz, Kredit, Konto bei der Verbraucherzentrale Hamburg: „In der Privatinsolvenz gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung aller Gläubiger – man darf also nicht die Rückzahlungen des einen Darlehens reduzieren, um die eines anderen zu erhöhen.“
Schneeballmethode: von klein nach groß
Bei der Schneeballmethode geht es darum, seine Schulden in aufsteigender Reihenfolge zu priorisieren. Nachdem man für alle Kredite die fälligen Mindestzahlungen geleistet hat, konzentriert man alle verbleibenden Mittel auf die jeweils kleinste Schuldsumme – ohne Rücksichtnahme auf den Zinssatz. So stellt sich zügig ein spürbarer Effekt ein: Mit jeder Verbindlichkeit, die man komplett begleicht, steht zusätzliches Geld für die nächsthöhere Schuld zur Verfügung. Der Gesamtbetrag, den man für das Begleichen der verbleibenden Schulden hat, wächst also sukzessive, und der Schuldenabbau nimmt mit der Zeit immer mehr Fahrt auf.
Rein rechnerisch ist klar: Wer sich zuerst auf die Schulden mit den höchsten Zinsen konzentriert wie bei der Lawinen-Methode (siehe unten), ist insgesamt schneller schuldenfrei. Doch die Schneeball-Methode hat einen entscheidenden psychologischen Vorteil, wie unter anderem das US-Magazin Harvard Business Review berichtet: „Konzentriert man sich darauf, das Darlehen mit dem kleinsten Schuldenbetrag abzubezahlen, hat das in der Regel den stärksten Effekt auf das Fortschrittsgefühl der Menschen – und damit auf ihre Motivation, ihre Schulden weiter zu tilgen.“
Zu den Vorteilen der Schneeballmethode gehören:
- schnelle Umsetzbarkeit und
- wiederholte kleine Erfolgserlebnisse – und damit Motivationsschübe.
Ein weiterer potenzieller Vorteil: Die Anzahl der unterschiedlichen Gläubiger reduziert sich schneller: „Je mehr Gläubiger man hat, desto schwieriger ist es unserer Erfahrung nach, alles unter einen Hut zu bekommen“, sagt Verbraucherschützerin Föller. „Dazu kommt: Je weniger Gläubiger, desto weniger Probleme, wenn es doch zum Zahlungsverzug kommt.“
Die Schneeballmethode hat aber auch Nachteile:
- Je höher die Zinssätze auf die zunächst benachteiligten höheren Schulden, desto teurer wird es langfristig.
- Die Abzahldauer insgesamt kann sich verlängern, wenn man Schulden mit höheren Zinsen hintenanstellt.
Lawinenmethode: Fokus auf die höchsten Zinssätze
Auch bei der Lawinenmethode nimmt man sich die Schulden nacheinander vor statt gleichzeitig. Allerdings wird nach dem Zinssatz sortiert: der teuerste Kredit – also der mit den höchsten Zinsen, unabhängig von der Kreditsumme – wird zuerst abbezahlt. Natürlich darf man auch hier nicht die monatlichen Mindestzahlungen für seine anderen offenen Kredite vergessen.
Dabei gibt es einen ähnliche Kaskaden-Effekt wie bei der Schneeballmethode: Ist die teuerste Schuld vollständig getilgt, kann der dadurch frei werdende Betrag zur Tilgung der nächstgünstigeren Schuld eingesetzt werden. Der für die Schuldentilgung zur Verfügung stehende Gesamtbetrag wächst also immer weiter.
Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale Hamburg empfiehlt die Lawinenmethode jedoch nur in bestimmten Fällen: „In aller Regel führt sie nur dann zum Erfolg, wenn die Gesamtschulden gering und das verfügbare Einkommen gleichzeitig hoch sind.“ Je höher die geschuldeten Beträge, und je teurer die darauf anfallenden Zinsen, so Föller, desto länger die Abzahldauer. „Vielen Menschen fällt es dann sehr schwer, durchzuhalten.“