Schuldenreport 2026: Krise verschärft sich
Die Lage – und Lösungsideen
Die weltweite Schuldenkrise spitzt sich immer mehr zu, und das finanzielle Ungleichgewicht zwischen den Ländern wird immer größer. Wie der aktuelle Schuldenreport 2026 zeigt, befindet sich ein großer Teil der Welt weiterhin in einer Schuldenkrise – besonders im Globalen Süden.
Der Schuldenreport wird einmal im Jahr von den beiden gemeinnützigen Vereinen erlassjahr.de und Misereor herausgebracht. Dabei wird neben der Verschuldungssituation von Ländern im Globalen Süden auch die Rolle Deutschlands in der internationalen Entwicklungspolitik untersucht.
Gut zu wissen: Unter dem Begriff „Länder des Globalen Südens“ werden politisch, wirtschaftliche und gesellschaftlich benachteiligte Staaten zusammengefasst. Die Bezeichnung sei dabei nur bedingt geografisch zu verstehen, betont unter anderem das Bundesentwicklungsministerium: „So werden Australien und Neuseeland dem Globalen Norden zugeordnet, während Länder wie Afghanistan und die Mongolei zum Globalen Süden gezählt werden.“
Der aktuelle Bericht zeigt: Noch nie mussten verschuldete Staaten im Globalen Süden so viel Schuldendienst leisten wie aktuell. Bei sehr hoch belasteten Staaten (45 der 198 untersuchten Staaten) liegt die Zahlungsbelastung bei über 15% der Staatseinnahmen. In den hoch belasteten Staaten (25 der 198 untersuchten Staaten) bei über 10%.
Weitere Erkenntnisse aus dem Report sind folgende:
- Die weltweite öffentliche Verschuldung hat den Rekordwert von mehr als 100 Billionen US-Dollar erreicht.
- Gemessen am BIP beträgt die durchschnittliche öffentliche Verschuldung im Globalen Norden rund 72%, im Globalen Süden sind es rund 58%.
- Trotz geringerer Verschuldung ist die Belastung für Länder des Globalen Südens jedoch viel höher: Im Schnitt müssen sie rund 13% ihrer Staatseinnahmen als Schuldendienst an ausländische Gläubiger abführen, während es bei den Ländern des Globalen Nordens nur knapp 6% sind.
- Die hohe Quote an Auslandsschulden in ausländischer Währung bei den Ländern des Globalen Südens (rund 89%), macht diese besonders anfällig für weltwirtschaftliche Verwerfungen, wie sie derzeit etwa infolge von Handelskonflikten und Kriegen entstehen.
Neben der Situation in den überschuldeten Ländern insgesamt untersucht der Report auch, welche Gläubigergruppen welchen Einfluss auf die Verschuldung des Globalen Südens nehmen.
Dabei ergaben sich folgende Erkenntnisse:
- Private Gläubiger sind mit Abstand die wichtigste Gläubigergruppe von Staaten des Globalen Südens, sie halten 60% aller ausstehenden Forderungen gegenüber den 134 untersuchten Ländern des Globalen Südens.
- In Ländern mit niedrigem oder niedrigem-mittlerem Einkommen ist der Anteil der privaten Forderungen dabei deutlich geringer als in Ländern mit hohem und hohem-mittlerem Einkommen.
- Insgesamt konzentriert sich die private Kreditvergabe stark auf vergleichsweise wenige Länder mit hohem und hohem-mittlerem Einkommen.
- Die Hälfte der ausstehenden Gesamtforderungen privater Gläubiger entfallen auf nur fünf Länder – China, Mexiko, Indonesien, Brasilien und Indien.
- Die zweitgrößte Gläubigergruppe bilden multilaterale Finanzinstitutionen wie der IWF, die Weltbank sowie weitere Entwicklungsbanken und -fonds – sie halten rund 28% der gesamten Forderungen gegenüber Ländern des Globalen Südens.
Das sind die Folgen der Schuldenkrise
Die Folgen, die die Schuldenkrise in den betroffenen Staaten hat, sind weitreichend. Der hohe Schuldendienst führt dazu, dass Staaten weniger Geld für öffentliche Aufgaben wie Bildung, Gesundheit oder Infrastruktur haben. Hohe Zins- und Tilgungszahlungen schränken den fiskalpolitischen Handlungsspielraum stark ein.
Zudem nimmt die Armut in Ländern mit sehr hoher Schuldenlast extrem zu: Rund 18% der Bevölkerung leben hier in extremer Armut, dieser Anteil ist rund doppelt so hoch wie im weltweiten Durchschnitt.
Schuldenkrisen sind auch Menschenrechtskrisen. Die hohe Schuldenlast verhindert die Umsetzung grundlegender Rechte, wie das Recht auf Bildung, Recht auf Gesundheit oder menschenwürdige Arbeit.
Die Länder des Globalen Südens tragen trotz geringerer Schulden eine höhere Belastung, wodurch die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Nord und Süd weiter zunehmen. Die Schuldenkrise kann in den besonders stark betroffenen Ländern außerdem zu dauerhaften Entwicklungshemmnissen führen: Fehlende Investitionen führen zu schwachem Wachstum, was wiederrum zu stärkerer Verschuldung führt.
Wie könnte die Krise gelöst werden?
Für die Autorinnen und Autoren der Studie ist klar: Die Krise kann neben verstärkter internationaler Zusammenarbeit nur durch Schuldenerlasse und Schuldnererleichterungen bewältigt werden.
Von der Bundesregierung fordern die Autorinnen und Autoren der Studie:
- Die internationale Schuldenarchitektur zu reformieren: Deutschland soll daran mitwirken, dass eine faire und verbindliche internationale Schuldenordnung geschaffen wird.
- Menschenrechte ins Zentrum der Schuldenpolitik stellen – Schuldenentscheidungen sollen daran gemessen werden, ob sie Grundrechte sichern oder gefährden.
- Schuldenerlasse für nicht tragfähige oder illegitime Schulden ermöglichen und dadurch mehr finanziellen Spielraum für betroffene Länder schaffen.
Die Bundesregierung sollte sich daher aktiv für eine gerechte, inklusive internationale Schuldenordnung einsetzen, insbesondere in Zusammenarbeit mit Ländern des Globalen Südens. Dabei geht es nicht nur um Solidarität, sondern auch um Deutschlands Interesse an einer stabilen, regelbasierten Weltordnung, die durch faire Schuldenerleichterungen gestärkt wird.