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Steuererklärung in Zeiten von Corona

Was Sie jetzt wissen müssen

Kurzarbeit, Homeoffice: Die Corona-Krisentage wirken sich auch auf die Steuererklärung von Arbeitnehmern aus – allerdings auf die, die im Jahr 2021 für 2020 zu erstellen ist. Aktuell steht zunächst die Steuererklärung für 2019 an. Was dabei wichtig ist:

Die Steuererklärung machen – nur die wenigsten bezeichnen dies als eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Doch für viele ist es ein Muss - und unter dem Strich lohnt sich der Aufwand. Denn die meisten bekommen Geld vom Finanzamt zurückerstattet. In der Corona-Zeit gelten einige Besonderheiten.

Fristen

Wer zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist, muss die Unterlagen bis zum 31. Juli 2020 abgeben.

  • Diejenigen, die sich beim Ausfüllen der Unterlagen von einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein unterstützen lassen, haben mehr Zeit: In diesen Fällen verlängert sich die Abgabefrist automatisch bis Ende Februar 2021. Weil im Jahr 2021 der letzte Februartag ein Sonntag ist, muss die Erklärung spätestens bis Montag, 1. März 2021, dem zuständigen Finanzamt vorliegen.
  •  Neu in Corona-Krisenzeiten: Wer wegen der Pandemie Probleme hat, seine Steuererklärung fristgerecht abzugeben, sollte sich mit seinem Finanzamt in Verbindung setzen. „Die Finanzämter sind gehalten, großzügig mit Anträgen auf Fristverlängerung zu verfahren“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler in Berlin.

Kontaktaufnahme mit Finanzamt, Steuerberater & Co.

Im Zuge der der Corona-Pandemie sind die Finanzämter, Steuerberater-Kanzleien und Lohnsteuerhilfevereine für den allgemeinen Publikumsverkehr weitgehend geschlossen. Wer Fragen hat oder Hilfe benötigt, sollte den gewünschten Ansprechpartner aber per Telefon, Telefax, Email oder Brief erreichen können. Die Finanzverwaltung empfiehlt derzeit nach Angaben der Bundessteuerberaterkammer, Anträge über das Onlineportal Elster einzureichen. Über Elster können Sie neben der Steuererklärung auch

  • Anträge auf Fristverlängerung für die Abgabe der Steuererklärung stellen,
  • eine Anpassung der Vorauszahlungen beantragen oder
  • einen Einspruch gegen einen Steuerbescheid einreichen.

Übrigens: Ein Steuerberater-Suchdienst auf der Webseite der Bundessteuerberaterkammer hilft dabei, einen Steuerberater in der Nähe zu finden.

Kleiner Exkurs: Bei Kurzarbeit kann sich Steuerklassen-Wechsel lohnen

Das Kurzarbeitergeld wird auf Basis der aktuellen Steuerklasse berechnet. „Unter Umständen kann es sich daher für Ehepaare lohnen, die Steuerklasse zu wechseln, um ein höheres Kurzarbeitergeld zu erhalten“, sagt Klocke. Wer etwa bislang die Steuerklasse V hat und nun Kurzarbeitergeld erhält, sollte ausloten, ob sich ein Wechsel in die Steuerklasse IV oder III lohnt. Die Änderung der Steuerklasse müssen Wechselwillige beim Finanzamt beantragen, sie gilt dann ab dem nächsten Monat.

Beachten Sie, dass der Ehepartner natürlich auch eine andere Steuerklasse erhält. Das wirkt sich auf seinen Nettolohn aus. Prüfen Sie vorab mit Hilfe eines Rechners, welche Folgen der Steuerklassenwechsel auf das Familieneinkommen hat. „Nach Ende der Kurzarbeit kann man problemlos wieder in die früheren Steuerklassen zurück wechseln“, so Klocke. Seit dem Jahr 2020 kann ein Wechsel der Steuerklasse mehrfach im Jahr erfolgen.

Zurück zur Steuererklärung 2019: Worauf Sie achten sollten

Sie fragen sich sicherlich, unter welchen Umständen Sie vom Fiskus Geld zurückbekommen. Das ist bei folgenden Ausgaben der Fall:

  • Werbungskosten: Lagen diese oberhalb des Arbeitnehmerpauschbetrags von 1.000 Euro, können Sie Werbungskosten absetzen. Haben Sie sich etwa ein neues Laptop für die Arbeit zugelegt? Bis zu 952 Euro inklusive Mehrwertsteuer können Sie auf einen Schlag gegenüber dem Fiskus geltend machen. Ein teureres Gerät müssen Sie über mehrere Jahre abschreiben. Arbeiten Sie häufiger von zu Hause aus? In dem Fall können Sie 20%der Telefon- und Internetkosten als Werbungskosten geltend machen – allerdings nicht mehr als 20 Euro im Monat. Ebenfalls zu den Werbungskosten zählen etwa die Kosten für Fachbücher, Fachzeitschriften, Fortbildungskurse – und etwa auch Gewerkschaftsbeiträge.
  • Handwerkerkosten: Haben Sie im Jahr 2019 Handwerker damit beauftragt, in Ihrer Wohnung etwa die Fliesen zu erneuern, die Wände zu streichen oder die Heizung zu warten? Dann können Sie bis zu 6.000 Euro Lohn und Fahrtkosten aus den Rechnungen in Ihrer Steuererklärung angeben. Der Handwerker muss Lohn und Arbeitskosten in der Rechnung getrennt ausgewiesen haben – und Sie müssen das Geld vor dem 31. Dezember 2019 an den Betrieb überwiesen haben. Das Finanzamt erstattet Ihnen dann ein Fünftel der Arbeitskosten.
  • Haushaltsnahe Dienstleistungen: Sie haben 2019 zum Beispiel eine Haushaltshilfe, eine Putzfrau, eine ambulante Pflegekraft oder einen Babysitter beschäftigt? Wenn Ihnen der Auftragnehmer eine Rechnung präsentiert hat und Sie ihm das Geld auf sein Konto überwiesen haben, können Sie in Ihrer Steuererklärung einen Betrag bis zu 20.000 Euro geltend machen. Auch hier bekommen Sie vom Fiskus ein Fünftel zurück.
  • Spenden und Mitgliedsbeiträge: Wer 2019 für wohltätige Zwecke gespendet hat, kann dies ebenfalls absetzen. Das gilt auch für Mitgliedsbeiträge an bestimmte gemeinnützige Vereine oder eine Partei. Mitgliedsbeträge für Parteien können Sie zu 50% direkt von Ihrer Steuerschuld abziehen.
  • Sonderabschreibung bei Vermietung von neuem Wohnraum: Mal angenommen, Sie haben 2019 an Ihrem Haus angebaut und diesen Anbau vermietet. In einem solchen Fall können Sie als Vermieter in den Genuss einer Sonderabschreibung kommen. Zu den regulären 2% der Baukosten haben Sie die Möglichkeit, zusätzlich 5% der Baukosten in Ihrer Steuererklärung geltend zu machen. So bekommen Sie womöglich mehrere hundert Euro erstattet.
  • Beruflich bedingter Umzug: Sind Sie 2019 aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt oder Region gezogen? Die Kosten können Sie bei Ihrer Steuererklärung absetzen. Ihr Kind benötigt an der Schule im neuen Ort Nachhilfeunterricht? Auch das dürfen Sie gegenüber dem Fiskus geltend machen.
  • Doppelte Haushaltsführung: Sie haben einen neuen Job in einer anderen Stadt begonnen, aber Ihre Familie wollte nicht umziehen? Bei einer doppelten Haushaltsführung können Sie bis zu 1.000 Euro im Monat als Unterkunftskosten absetzen. Wenn Sie sich für den zweiten Wohnsitz Bett, Schrank, Hausrat & Co. zulegen mussten, dürfen Sie die Beträge hierfür ebenfalls in Ihrer Steuererklärung angeben.

Wofür Sie keine Steuern zahlen müssen

9.168 Euro Ihres Jahreseinkommens sind steuerfrei. Ebenfalls steuerfrei:

  • Das Jobticket, das Sie 2019 von Ihrem Arbeitgeber bekommen haben.
  • Das Dienst-E-Bike, das Sie von Ihrem Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt erhielten.

Zu guter Letzt: Pauschalierte Herabsetzung bereits geleisteter Vorauszahlungen für 2019

Viele Steuerpflichtige haben in der Corona-Krise deutlich geringere Einkünfte aus Gewinnen, Vermietung und Verpachtung als in den Vorjahren. Wie hoch konkret ihr Verlust für 2020 sein wird, ist derzeit nicht absehbar, da die weitere wirtschaftliche Entwicklung ungewiss ist. Betroffene können beim Finanzamt beantragen, dass ein pauschal ermittelter Verlustrücktrag aus dem Jahr 2020 auf das Vorjahr erfolgt. Dadurch können Finanzämter bereits im Jahr 2019 geleistete Vorauszahlungen erstatten. Sie haben Fragen hierzu? Ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein kann Ihnen helfen.

Wir freuen uns, wenn dieser Artikel zum Thema Steuern hilfreich für Sie war. Wichtig: Es handelt sich hierbei um allgemeine Tipps, die eine Prüfung des Einzelfalls nicht ersetzen können. Haben Sie dazu Fragen? Dann wenden Sie sich einfach an Ihren Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt.

Autor: ING