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Preissteigerung

Weine und Fruchtsäfte könnten (minimal) teurer werden

Die Weinlese in Deutschland ist 2019 magerer als im Vorjahr, aber qualitativ hochwertig ausgefallen. Mit größeren Preissprüngen müssen Verbraucher aber wohl nicht rechnen. Dafür kann es bei den in Deutschland beliebten Fruchtsäften zu Preissteigerungen kommen.

„Vinum bonum deorum donum“, besagt ein altes römisches Sprichwort. Auf Deutsch heißt das: „Ein guter Wein ist ein Geschenk der Götter.“ Keine Frage: Das alkoholische Getränk wird seit eh und je geschätzt und verehrt. Was bei Deutschlands berühmten Dichtern und Denkern nicht anders war. „Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken“, sagte etwa einst Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832). Ihm zufolge liegen „im Wein produktivmachende Kräfte besonderer Art“, weshalb er am Tag bis zu drei Flaschen Wein konsumiert haben soll. Und Heinrich Heine (1797-1856) sagte: „Rheinwein stimmt mich immer weich und löst jedes Zerwürfnis.“

Über 130 Rebsorten werden in Deutschland angebaut

Bis in die heutige Zeit stand und steht Wein hoch im Kurs. In aller Regel wird er aber nicht getrunken, um – wie bei Goethe – Geistesblitze zu bekommen. Einen fruchtigen Weißwein, vollmundigen Rotwein oder spritziger Rosé gibt es zu einem feinen Essen und zu festlichen Anlässen. Mit edlen Tropfen lässt sich auch gemeinsam mit Lieblingsmenschen gemütlich der Tag ausklingen.
 
In Deutschland sorgen Winzer in 13 Anbaugebieten für Wein „made in Germany“. Über 130 Rebsorten werden nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) landauf, landab angebaut. Wie sehr deutsche Weine hierzulande geschätzt werden, zeigt auch die Absatzverteilung im Jahr 2018:

  • Weine aus Deutschland: 45%
  • Weine aus Italien: 15%
  • Weine aus Frankreich: 13%
  • Weine aus Spanien: 9%

Schwierige Wetterbedingungen sorgen für geringere Ernte

In diesem Jahr haben schon frühzeitig Wetterkapriolen den Weinproduzenten Sorgenfalten in die Gesichter getrieben. Es war trocken, es gab teils extreme Hitze im Vegetationsverlauf – und das schon im zweiten Sommer in Folge. Je nach Region entstanden Schäden an den Trauben durch Sonnenbrand, aber auch durch Frost oder Hagelschläge. Das alles ließ eine geringe Weinlese befürchten. Und in der Tat: Unter dem Strich fielen die eingebrachten Mengen nochmals geringer aus als zu Beginn der Weinlese prognostiziert.
 
„Die neueste Schätzung für die bundesweite Weinmosternte liegt bei 8,4 Millionen Hektolitern, zuvor war von 8,6 Millionen Hektorlitern die Rede gewesen“, sagt DWI-Experte Frank Schulz. Damit liegt die Weinmosternte 19% unter der Vorjahresmenge. „2018 war mit 10,4 Millionen Hektolitern die Weinmosterntemenge trotz der trocken-heißen Witterung ungewöhnlich ertragreich“, so Schulz. Für das vergangene Jahr wurde somit ein Plus von 18% gegenüber dem langjährigen Mittel von 8,8 Millionen Hektolitern verbucht.

2019 über Cent-Beträge hinaus keine größeren Preissprünge

In 2018 kam es trotz „Super-Ernte“ zu Preissteigerungen beim Wein. Einige Fakten rund um den Weinpreis:
 
2018 legte der Durchschnittspreis für einen Liter Wein In 2018 kam es trotz „Super-Ernte“ zu Preissteigerungen beim Wein. Einige Fakten rund um den Weinpreis:

  • im Lebensmitteleinzelhandel um 17 Cent auf 3,09 Euro zu.
  • Für deutsche Weine gaben laut Schulz die Verbraucher im Schnitt 3,39 Euro pro Liter aus, was einem Plus von 24 Cent pro Liter entspricht.
  • Der gemittelte Preis für den Einkauf heimischer Weine beim Erzeuger und über den Weinfach- beziehungsweise den Onlinehandel ist moderat um fünf Cent auf 6,80 Euro pro Liter gestiegen.

Doch zurück ins Jahr 2019: Obwohl die Winzer wetterbedingt um ihre Ernte bangten, wird laut DWI die Qualität des neuen Jahrgangs von Erzeugern in den Anbaugebieten mehrheitlich als „sehr gut“ beurteilt. Die Weinmosternte lässt sich also auf die Formel „Geringerer Ertrag, aber hochwertig“ bringen. DWI-Experte Schulz glaubt aber nicht, dass dies über Cent-Beträgen hinaus zu nennenswerten Preiserhöhungen führt. „Dafür ist der Konkurrenzkampf auf dem internationalen Weinmarkt viel zu groß“, betont er.
 
Liebhaber von Wein können also beruhigt weiter die edlen Tropfen genießen. Zumal ihnen Hugh Jackson, der britische „Weinpapst“, bescheinigt: „Weintrinker sehen gut aus, sind intelligent, sexy und gesund.“

Auch Fruchtsäfte sind in Deutschland äußerst beliebt

Apropos „gesund“: Wenn es mal kein Wein sein soll, dann schmecken zum Beispiel Fruchtsäfte. Allerdings gilt auch hier: Die Wetterbedingungen in 2019 haben nicht nur Rebstöcken, sondern auch Obstbäumen zu schaffen gemacht. „In diesem Jahr sind die Erträge bei der Obsternte weitaus geringer als in den Vorjahren“, sagt Klaus Heitlinger vom Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF). Möglicherweise war nach seinen Angaben die Obsternte 2019 die schlechteste seit 1991. Das dürfte auch Auswirkungen auf die Preise für Fruchtsäfte haben. „Die Tendenz geht hier nach oben“, erklärt Heitlinger. Für genaue Angaben ist es ihm zufolge derzeit noch zu früh. Vorerst gibt es auch noch Bestände aus dem Vorjahr.
 
In Deutschland sah der Pro-Kopf-Verbrauch der beliebtesten Fruchtsäfte 2018 laut Heitlinger übrigens so aus:

  • Orangensaft: 7,4 Liter
  • Apfelsaft: 7,0 Liter
  • Apfelsaftschorle: 5,1 Liter
  • Multivitaminsaft: 3,9 Liter
  • Traubensaft: 1,0 Liter

Die Bundesbürger sind in Europa sogar Spitzenreiter, was den Konsum von Fruchtsäften insgesamt angeht. Der Pro-Kopf-Verbrauch betrug 2018 in Deutschland 31,5 Liter. Auf Platz 2 landete mit großem Abstand Norwegen mit 23,1 Litern. Am niedrigsten war der Pro-Kopf-Verbrauch an Fruchtsäften in Italien (10,5 Liter), Griechenland (12,3 Liter) und Portugal (12,7 Liter).
 
Egal, ob Sie nun Fruchtsaft oder Wein trinken: Lassen Sie es sich schmecken. Und um es mit dem Künstler Salvador Dali (1904-1989) zu sagen: „Wer genießen kann, trinkt keinen Wein mehr, sondern kostet Geheimnisse.“

Autor: ING