Wie viele Rücklagen brauchen Selbstständige mit saisonalem Geschäft?

Eine professionelle Gärtnerin steht in einem Gewächshaus und hält einige angebaute Blumen in Töpfen in der Hand

Im Juli klingelt das Telefon ununterbrochen. Im November dagegen herrscht Ruhe.

Für viele Selbstständige ist das völlig normal. Ob Garten- und Landschaftsbau, Eventbranche, Tourismus, Hochzeitsdienstleistungen oder Eisdiele – manche Geschäftsmodelle leben von bestimmten Jahreszeiten.

Das macht die Rücklagen-Planung zu einer Herausforderung.

Saisonale Schwankungen sind kein Problem – solange man sie einplant

Viele Selbstständige erleben die gleiche Situation: Nach einer starken Saison fühlt sich das Geschäft erfolgreich an. Es wird investiert, vielleicht auch privat mehr ausgegeben.

Ein paar Monate später sinken die Einnahmen deutlich – die Fixkosten laufen aber weiter. Die Herausforderung ist, die gute Saison für die schlechte richtig zu nutzen.
 

Die Basis: Rücklagen für Steuer und Notfallreserve

Für viele Selbstständige sind drei bis sechs Monatsausgaben als Rücklage für schlechte Zeiten eine gute Orientierung. Hinzu kommt die Rücklage für die Steuern – das Geld dafür legen Sie bei jedem Umsatz, der reinkommt, direkt zurück. 25 bis 30% des Umsatzes können das schon sein.

Wenn Ihr Geschäft saisonal schwankt, kommt die Rücklage für die umsatzschwache Phase dann noch obendrauf. Das ist dann Ihr Rücklagen-Bedarf:

  • 25 bis 30% des Umsatzes für die Steuern
  • 3 bis 6 Monatsausgaben Notfallreserve
  • Rücklage für die umsazuschwache Phase

 

Die wichtigste Frage lautet: Wie lange dauert die Flaute?

Für saisonale Geschäftsmodelle ist nicht die Höhe eines einzelnen Monats entscheidend, sondern die Dauer der umsatzschwachen Phase.

Deshalb kann folgende Rechnung helfen:

  1. Monatliche Fixkosten ermitteln
  2. Dauer der schwachen Saison bestimmen
  3. Zusätzlichen Sicherheitspuffer einplanen

Beispiel:

  • monatliche Kosten: 3.000 Euro
  • ruhige Phase: vier Monate

Benötigte Reserve für die umsatzschwache Phase: mindestens 12.000 Euro plus Sicherheitszuschlag.
 

Rücklagen geben mehr Freiheit bei Investitionen

Saisonale Unternehmerinnen und Unternehmer profitieren noch aus einem zweiten Grund von einem soliden Polster. Wer liquide bleibt, kann Chancen nutzen:

  • Günstigere Einkaufspreise außerhalb der Hochsaison
  • Investitionen in Marketing
  • Modernisierung von Ausstattung
  • Weiterbildung in ruhigeren Monaten

So bringen Rücklagen einerseits Sicherheit und werden andererseits zum Wachstumstreiber.