Wie viele Rücklagen brauchen Selbstständige?
Selbstständigkeit bedeutet Freiheit. Aber auch Verantwortung. Und die zeigt sich manchmal genau dann, wenn plötzlich weniger Aufträge reinkommen, eine größere Rechnung fällig wird oder Kundinnen und Kunden später zahlen als erwartet.
Die gute Nachricht: Auf viele dieser Situationen kann man sich vorbereiten – mit ausreichend Rücklagen.
Warum Rücklagen so wichtig sind
Wer angestellt ist, erhält sein Gehalt meist pünktlich und in gleicher Höhe. Bei Selbstständigen sieht das oft anders aus. Einnahmen schwanken, Projekte verschieben sich und manchmal kommt einfach einiges zusammen.
Rücklagen schaffen in solchen Momenten vor allem eines: Ruhe. Statt unter Druck Entscheidungen treffen zu müssen, bleibt Zeit, die Situation sachlich zu bewerten.
Gute Faustregel: 3 bis 6 Monatsausgaben + Steuern
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Schließlich hat eine freiberufliche Grafikdesignerin andere Kosten als ein Handwerksbetrieb mit mehreren Mitarbeitenden.
Als Orientierung hat sich jedoch bewährt: Mindestens 3 bis 6 Monatsausgaben sollten als Liquiditätsreserve verfügbar sein.
Entscheidend sind dabei die monatlichen Fixkosten, zum Beispiel:
- Miete für Büro oder Geschäftsräume
- Leasingraten
- Software-Abonnements
- Versicherungen
- Personalkosten
- private Lebenshaltungskosten bei Solo-Selbstständigen
Hinzu kommt die Rücklage für die Steuern – Einkommensteuer, ggf. Gewerbesteuer, Umsatzsteuer. Das Geld für die Steuern legen Sie bei jedem Umsatz, der reinkommt, direkt zurück. Rechnen Sie gerne großzügig, 25 bis 30% des Umsatzes können das schon sein.
Zusammen sind das also:
- 25 bis 30% des Umsatzes für die Steuern
- 3 bis 6 Monatsausgaben Notfallreserve
Wenn Ihr Geschäft sehr saisonal ist, sieht Ihr Bedarf an Rücklagen übrigens nochmal anders aus. Das können Sie hier nachlesen: Wie viele Rücklagen brauchen Selbstständige mit saisonalem Geschäft?
Nicht alles gehört in einen Topf
Ein häufiger Fehler: Alle Rücklagen landen auf demselben Konto. Denn es gibt unterschiedliche Arten von Reserven:
- Steuerrücklage: Für Einkommensteuer, Umsatzsteuer oder Gewerbesteuer
- Notfallreserve: Für unerwartete Kosten oder Umsatzrückgänge
- Investitionsrücklage: Für neue Technik, Fahrzeuge oder größere Anschaffungen
Wer diese Beträge trennt, behält leichter den Überblick und vermeidet unangenehme Überraschungen.
Tipp: Bei unserem Geschäftskonto können Sie ohne Extra-Kosten fünf Unterkonten mit jeweils eigener IBAN anlegen.
Fazit: Rücklagen kaufen keine Sicherheit – aber Zeit
Niemand kann wirtschaftliche Entwicklungen, Auftragsverschiebungen oder unerwartete Kosten vollständig verhindern. Mit ausreichend Rücklagen lassen sich solche Phasen aber deutlich entspannter überstehen.
Und genau darum geht es am Ende: nicht darum, jedem Risiko auszuweichen, sondern handlungsfähig zu bleiben. Und natürlich das Finanzamt nicht zu verprellen.