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Ökonomische Geschichtsstunde

Chart of the Month

Wer aktuelle ökonomische Sachverhalte untersuchen möchte, der muss in der Regel nicht viel Detektivarbeit betreiben: Datendienste stellen Informationen zu allen nur denkbaren wirtschaftlichen Kennziffern auf Knopfdruck bereit. Diese Zeitreihen reichen aber oft nur einige Jahre, bestenfalls Jahrzehnte zurück – die Suche nach älteren Informationen gestaltet sich oft mühsam. In Zusammenarbeit mit der Bank of England hat sich aber eine Gruppe von Ökonomen und Historikern dieser Aufgabe angenommen: In mühevoller Kleinarbeit werteten sie alte Steuerlisten, Kirchenregister und Grundbesitzverzeichnisse aus und ergänzten sie mit Schätzungen, um unter anderem die Entwicklung des britischen Bruttoinlandsprodukts (beziehungsweise des englischen für die Zeit vor 1700) im Laufe der Geschichte darstellen zu können.

 

Bis ins Jahr 1270 reicht die so erstellte Zeitreihe zurück. Im inflationsbereinigten Ergebnis – unser Chart des Monats zeigt den Verlauf seit 1800 – zeigt sich eine Kurve, die anfangs über Jahrhunderte sehr flach verläuft. Das später über seine Kolonien und Handelsbeziehungen weltweit vernetzte Empire soll hier als Beispiel für die Entwicklung der Weltwirtschaft herhalten (der kritische Leser möge den eurozentrischen Blick verzeihen). Zwar gibt es in einzelnen Jahren deutliche Ausschläge nach oben wie nach unten; diese gleichen sich aber im Zeitverlauf weitgehend aus und dürften vor allem der lückenhaften Datengrundlage zuzuschreiben sein. Von einem längerfristigen Wachstum, wie wir es seit der Mitte des 20 Jahrhunderts kennen, konnten die Menschen des späten Mittelalters hingegen nur träumen: Ausgehend vom Wert des Jahres 1270 dauerte es über 400 Jahre bis zur ersten Verdoppelung des Pro-Kopf-BIP, die im Jahr 1690 erreicht war. Eine weitere Verdoppelung war bereits im Jahre 1854 geschafft, die nächsten entsprechenden Meilensteine lauteten 1940, 1971 und 2003.

Britisches Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt (in Pfund Sterling)

Quelle: Bank of England

Bei der Betrachtung der jüngeren Vergangenheit fällt dabei auf, dass sich die beiden verheerenden Weltkriege des 20. Jahrhunderts zumindest nicht unmittelbar in der Wirtschaftsleistung niederschlugen. Hingegen sorgte die Rüstungsproduktion zunächst sogar für einen Schub, ehe dann einige Jahre später jeweils der wirtschaftliche Einbruch folgte. Ein Blick auf die zivilen Finanz-und Wirtschaftskrisen zeigt außerdem, dass sich der Verlauf einer Krise im 19. Jahrhundert deutlich von dem der Krisen in jüngerer Vergangenheit unterscheidet. So sorgten die erste weltweite Wirtschaftskrise von 1857 oder auch diejenige von 1873, die in Deutschland als Gründerkrise bekannt ist, nicht für einen plötzlichen, drastischen Einbruch, sondern vielmehr für mehrjährige Phasen von schwachem Wachstum oder weitgehender Stagnation.

 

Die vernetzte Wirtschaft des 20. Jahrhunderts hingegen reagiert offenbar deutlich schneller und drastischer auf Krisenauslöser: Vor allem die Krisen ab der Mitte des Jahrhunderts zeichnen sich durch einen deutlichen Abfall der Wirtschaftsleistung, aber anschließend auch eine zügige Erholung aus. Bereits nach wenigen Jahren war jeweils die vorherige Wirtschaftsleistung wieder erreicht und der alte Wachstumspfad wieder aufgenommen. Das lässt im Falle der Corona-Krise auf eine – jedenfalls nach historischen Maßstäben – ähnlich schnelle Erholung zumindest hoffen, auch wenn noch unklar ist, wie tiefgreifend die Veränderungen unserer Lebens- und Wirtschaftsweise auf Dauer sein werden.

 

Die Finanz- und Wirtschaftskrisen der Vergangenheit sind auch Thema in der aktuellen Folge unseres Podcasts „Carsten’s Corner“.

Autor: Sebastian Franke