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Chart of the Week

Kalendereffekte

Anfang dieser Woche hat das Statistische Bundesamt erste Zahlen zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im Jahre 2018 veröffentlicht. Inflationsbereinigt – also nach dem Herausrechnen des Einflusses (meistens) steigender Preise – lag das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr bei 1,5 %. In der Pressemitteilung aus Wiesbaden findet sich auch der Satz: „Wegen eines nur schwachen Kalendereffekts im abgelaufenen Jahr errechnet sich auch kalenderbereinigt eine BIP-Wachstumsrate von 1,5 %.“ Was hat es damit auf sich?

 

Manche Feiertage fallen jedes Jahr auf denselben Wochentag, beispielsweise Ostern (mit Karfreitag und Ostermontag) oder Christi Himmelfahrt (stets an einem Donnerstag). Andere gesetzliche (wie der 1. und 2. Weihnachtstag) oder branchenspezifische (wie Heiligabend) Feiertage sind nur über ihr Datum festgelegt und fallen manchmal auf ein Wochenende, manchmal nicht. Durch die natürliche Fluktuation des Kalenders hat nicht jedes Jahr gleich viele Sams- und Sonntage; auch Schaltjahre wollen berücksichtigt sein. Somit schwankt die Anzahl der Arbeitstage von Jahr zu Jahr – und damit auch die Zeit, die für die Erwirtschaftung des Bruttoinlandsprodukts zur Verfügung steht.

 

Alle diese Einflüsse bündelt die Bundesbank in ihrer Berechnung des sogenannten Kalenderfaktors, den unser Chart der Woche abbildet. Ein Wert von 100 stellt dabei ein statistisch gesehen neutrales Jahr dar. Niedrigere Werte bezeichnen Jahre mit weniger Arbeitstagen – bei einem hohen Kalenderfaktor hingegen fluchen die Arbeitnehmer, wenn sie bei der Urlaubsplanung feststellen, dass wieder einmal dieser oder jener variable Feiertag auf ein Wochenende fällt. Um nun die Wirtschaftsentwicklung zweier Jahre besser miteinander vergleichen zu können, wird das in jedem Jahr erwirtschaftete BIP durch den zugehörigen Kalenderfaktor dividiert.

Kalenderfaktor und Bereinigung des BIP-Wachstums, 2000-2018

Quelle: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank

Für den Einfluss auf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts ist dabei übrigens nicht der Kalenderfaktor selbst, sondern nur seine Veränderung entscheidend – denn beim Vergleich zweier Jahre mit gleicher Anzahl von Arbeitstagen spielt es logischerweise keine Rolle, ob es sich nun um gleich viele oder gleich wenige Arbeitstage handelt. So lag der Kalenderfaktor 2018 noch einmal geringfügig niedriger als im Vorjahr. Diese minimale Veränderung war aber für das BIP-Wachstum quasi irrelevant, so dass sich der 2017 noch klar negative Kalendereinfluss wieder auf der Nulllinie einpendelte.

 

2019 wird mit einem Kalenderfaktor von 99,84 noch einmal ein arbeitnehmerfreundliches Jahr – im Durchschnitt aller Bundesländer und Branchen bedeutet das 247,9 Arbeitstage. Doch danach heißt es zunächst einmal „stark sein“: Mit Faktoren von 100,19, 100,20 und 100,14 stehen in den folgenden drei Jahren eher arbeitgeberfreundliche Feiertagskalender an. An den Höchstwert der Datenreihe, die bis 1970 zurückreicht, kommen diese Zahlen jedoch nicht heran: Im Jahre 2004 lagen der 1. Mai, der 3. Oktober und beide Weihnachtsfeiertage an Wochenenden, was zu durchschnittlich 252,8 Arbeitstagen und einem Kalenderfaktor von 100,32 führte. Davon sind die Jahre 2020 bis 2022 dann doch noch etwas entfernt – vielleicht ein kleiner Trost.

Autor: Sebastian Franke