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Chart of the Week | 12.04.2019

Inflatiostern

Die Kerninflation in der Eurozone ist im März 2019 auf 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gefallen. Im Februar hingegen hatten wir noch ein ganzes Prozent verzeichnet. Schauen Sie mal genau hin: Sieht die Null in 0,8 nicht aus wie ein Osterei? Steckt am Ende womöglich der Osterhase hinter der Abschwächung der Inflation?

 

Das mit der Null und dem Osterei ist natürlich Quatsch. Aber das bevorstehende Osterfest rund um den 21. April hat tatsächlich mit den niedrigen Inflationszahlen im März zu tun, denn wie alle Ferien sind auch die Osterferien Urlaubssaison – vor allem in Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Eurozone. Hotels und Gastronomie passen ihre Preise nach oben an. Auf eine Kennzahl, die einen Vergleichswert zum jeweiligen Vorjahresmonat darstellt, hätte das natürlich keinen Einfluss, wenn das Osterfest jedes Jahr im gleichen Monat läge. Das ist aber nicht der Fall – meistens fällt es in den April, in manchen Jahren liegt es hingegen schon im März*.

 

In unserem Chart der Woche ist auf den ersten Blick zu erkennen, dass die grau eingezeichnete sogenannte Headline Inflation eine große Schwankungsbreite aufweist. Ökonomen – auch bei der Europäischen Zentralbank – betrachten daher lieber die orange eingezeichnete Kerninflation. Diese ist um Güter wie Lebensmittel und Energie bereinigt, deren Preise oft externen Einflüssen unterliegen und stark schwanken. Die in den Jahren 2015 und 2016 zu verzeichnenden negativen Inflationsraten gingen beispielsweise zu großen Teilen auf das Konto des damals sehr niedrigen Ölpreises. Die Kerninflation hingegen entfernt sich schon seit Jahren kaum von der Ein-Prozent-Marke.

Inflation zum Vorjahresmonat in der Eurozone, 2007-2019 (in Prozent)

Quelle: Eurostat

Um den Ostereffekt auszumachen, muss man etwas genauer hinsehen. Dann stellt man immer dann, wenn die Feiertage in einen anderen Monat als im vorangegangenen Jahr fallen, zwei Auswirkungen fest: Der jeweilige Ostermonat weist im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres eine relativ hohe Inflation auf – der Monat hingegen, dem das Osterfest im Vergleich zum Vorjahr fehlt, eine niedrige.

 

Im diesem Jahr war dieser Effekt teilweise schon zu beobachten: Nach dem März-Ostern im Jahre 2018 zeigte sich der März 2019 aus Sicht der Kerninflation etwas schwach auf der Brust. Ein Jahr zuvor gab es den umgekehrten Effekt, weswegen die Inflationsdaten im April 2017 stärker und im April 2018 schwächer ausgefallen waren. Was uns der Osterhase bringt, wissen wir nicht – mit einer Ausnahme: Er sollte uns im April 2019 wieder einen Anstieg der Inflation bescheren.

 

*In den Jahren 2013 und 2018 erstreckte sich das lange Feiertagswochenende über den Monatswechsel. Da üblicherweise die Osterferien größtenteils vor dem eigentlichen Fest liegen, wurde es für unseren Chart in beiden Fällen dem März zugeschlagen.

Autor: Sebastian Franke