Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser

Damit bleibt Ihr Banking sicher und unsere Internetseite wird auch in Zukunft optimal dargestellt.

Mehr Informationen
Bitte installieren und nutzen Sie den aktuellen Chrome Browser

Damit bleibt Ihr Banking sicher und unsere Internetseite wird auch in Zukunft optimal dargestellt.

Mehr Informationen

Chart of the Week

Schwierige Beziehungen

Vor gut einem Jahr fanden in Venezuela vorgezogene Neuwahlen statt, der seit 2013 amtierende Präsident Nicolas Maduro ging als Sieger hervor. Doch statt eines Neuanfangs hat sich seitdem die Situation im damals schon extrem gebeutelten Land noch einmal deutlich verschlechtert. Die tiefgreifenden wirtschaftlichen Probleme, wie die Hyperinflation oder die Miss- und Mangelwirtschaft, die sich über Jahre gebildet haben, sind nach wie vor nicht gelöst und die politische Lage hat sich extrem zugespitzt.

 

Der offene Machtkampf zwischen Präsident Maduro und dem selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaido, den auch Deutschland als Übergangspräsidenten anerkannt hat, begann im Januar dieses Jahres und nimmt seitdem immer größere Ausmaße an. Nicht nur innerhalb des Landes, sondern auch über Ländergrenzen hinweg. Allen voran verfolgen die USA und Russland mit der Unterstützung der Opposition bzw. der Regierung eigene Interessen. Denn die geografische Lage des Landes ist für Russland aufgrund seiner Nähe zu den USA attraktiv. Zudem verfügt Venezuela über die größten bekannten Ölreserven der Welt, und Russland ist ein Kreditgeber und Investor Venezuelas. Für die USA ist daher – neben einer ohnehin schon krisenreichen Beziehung zwischen den USA und Venezuela, die bereits Anfang der 2000er Jahre begann – auch die Nähe Venezuelas zu Russland ein Dorn im Auge. Bereits im Jahr 2006 haben die USA Venezuela mit ersten Sanktionen belegt, erst kürzlich wurden diese auf den staatlichen Ölkonzern PDVSA ausgeweitet.

Venezuelas wichtigste Handelspartner (%-Anteil an den gesamten Güter-Ex- und Importen Venezuelas, 2018)

Quelle: Refinitiv, IMF Direction of Trade Statistics, ING Economic & Financial Analysis

Dabei unterhalten die Länder durchaus Handelsbeziehungen: Für Venezuela sind die USA mit Abstand sowohl der wichtigste Import- als auch Exportpartner für Waren, wie unser Chart der Woche zeigt. 35% aller Exporte gingen 2018 in die USA, aus den USA importiere Venezuela ebenfalls fast ein Drittel aller benötigten Güter. Zwischen 2017 und 2018 stieg die Bedeutung der USA sogar um 0,7 Prozentpunkte. Neben den USA sind Indien und China wichtige Exportdestinationen. Russland spielt beim Warenhandel dagegen keine Rolle. Aber auch für die USA ist Venezuela ein Fliegengewicht, gemessen am Gesamtvolumen: Derzeit rangiert das südamerikanische Land auf Platz 33 der wichtigsten Handelspartner. Das sollte jedoch nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass Venezuelas wichtigstes Exportgut Rohöl auch von US-amerikanischen Unternehmen zur Weiterverarbeitung benötigt wird. Und diese müssen sich jetzt um Ersatzlieferanten kümmern, was aufgrund der Besonderheit des venezolanischen Öls und Produktionsengpässen in Kanada und Mexiko nicht ohne Probleme zu bewerkstelligen ist. Immerhin befanden sich die USA bis zu den Sanktionen im Januar auf Platz 1 von Venezuelas Öl-Abnehmern.

 

Mit den neuen Sanktionen seitens der USA wird die Beziehung zwischen den beiden Ländern nicht einfacher. Und solange sich der Machtkampf innerhalb und außerhalb Venezuelas fortsetzt, bleibt der Beziehungsstatus auf „Es ist kompliziert“.

 

Auch vor einem Jahr sah die wirtschaftliche Lage in Venezuela nicht viel besser aus. Mehr zu den Hintergründen von Venezuelas Abschwung

Autor: Inga Fechner