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Chart of the Week

Cracking seven

Für Aufruhr an den Finanzmärkten sorgte am Montag eine Entscheidung der chinesischen Zentralbank, der People’s Bank of China (PBoC). Die chinesische Währung, der Renminbi (zu deutsch etwa „Volksgeld“), durchbrach zum ersten Mal seit 2008 die marktpsychologisch wichtige Schwelle von sieben Yuan pro US-Dollar, die die PBoC zuvor entschlossen verteidigt hatte.

 

Für den Devisenhandel legt die Zentralbank täglich gegenüber einem Korb von Fremdwährungen einen Mittelkurs fest, um den herum eine Schwankungsbreite von zwei Prozent toleriert wird. Die Grenzen dieses Korridors verteidigt die PBoC aber notfalls auch unter Aufbietung ihrer immensen Fremdwährungsreserven. An der Hongkonger Börse wird der Yuan freier gehandelt, der Wechselkurs weist dort daher etwas stärkere Schwankungen auf und gilt als Indikator für die künftige Kursentwicklung. Doch da die offizielle Kursfestlegung auch für den sogenannten „Offshore-Yuan“ eine Art Anker darstellt, weicht die Notierung in Hongkong normalerweise nicht deutlich ab.

 

Zum Ende der letzten Woche lag die Offshore-Notierung bei rund 6,97 und damit um 0,03 Yuan über dem Kurs auf dem Festland – die Zeichen standen also in Richtung Abwertung, die Aufgabe der Schwelle durch die PBoC sahen die Händler aber nicht voraus. Doch mit der Kursfestlegung vom Montag waren die Dämme gebrochen: Der offizielle Kurs stieg diese Woche bis auf 7,06 Yuan pro US-Dollar, der „Offshore-Yuan“ schlug am Dienstag sogar fast bis auf 7,13 aus und steht inzwischen bei etwa 7,08.

 

Unser Chart der Woche zeigt die Marktreaktion auf das „Cracking seven“ genannte Ereignis in Form der Wertentwicklung der wichtigsten Aktienindizes vom jeweiligen Schlusskurs am Freitag bis zum Schlusskurs am Montag. Überall sind deutliche Verluste zu sehen. Warum schlug die Entscheidung der PBoC, eine leichte Abwertung des Renminbi hinzunehmen, solche Wellen?

Marktreaktionen auf „Cracking seven“ (Schlusskurs 05.08.2019 gegenüber Schlusskurs 02.08.2019)

Quelle: SIX Financial Information, ING Economic & Financial Analysis

Hintergrund dürfte der Handelsstreit zwischen den USA und China sein, der schon seit geraumer Zeit auf der wirtschaftlichen Stimmung lastet und die Konjunkturaussichten trübt. US-Präsident Trump hatte erst kürzlich angekündigt, chinesische Importe im Wert von 300 Milliarden Dollar mit einer Zollabgabe von 10 Prozent zu belegen. Falls die chinesische Seite in den Verhandlungen um die künftige Ausgestaltung der Handelsbeziehungen nicht einlenken sollte, steht sogar ein Zollsatz von 25 Prozent im Raum. Zwar könnte China im Gegenzug auch mehr amerikanische Waren als bisher mit Zöllen belegen, doch angesichts des Größenunterschieds der Warenströme wären die Wirksamkeit und damit das Abschreckungspotenzial einer solchen Gegenmaßnahme wohl begrenzt. Die USA importierten im Jahr 2018 Waren im Wert von rund 540 Milliarden Dollar aus China; die Exporte nach China beliefen sich nur auf 120 Milliarden. Noch größer ist der Unterschied in der relativen Bedeutung: Exporte nach China machen nur rund 0,6 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts aus; fast 4,5 Prozent des chinesischen BIP hängen hingegen an Exporten in die USA.

 

Angesichts dieser Situation hatten die Marktteilnehmer offenbar erwartet, dass China über kurz oder lang Trump die gewünschten Zugeständnisse machen und sich der Handelsstreit somit entschärfen würde. Aber die Bereitschaft Pekings, den Renminbi die 7-Yuan-Grenze durchbrechen zu lassen, wurde nun anscheinend als Signal interpretiert, die nächste Runde im Handelsstreit mit den USA notfalls auch über die Währung auszutragen, also die heimischen Exporteure durch einen schwachen Yuan zu unterstützen. Sollte das tatsächlich der chinesische Plan sein, könnten sich die Finanzmarktteilnehmer schon einmal warm anziehen: Um eine Zollbelastung von potenziell 25 statt 10 Prozent durch einen niedrigeren Wechselkurs auszugleichen, müsste der Renminbi noch einmal um weitere 12 Prozent gegenüber dem US-Dollar abwerten – statt „Cracking seven“ würde dann „Cracking eight“ in Sichtweite rücken.

Autor: Sebastian Franke