Privatkunden

(K)eine gute Zeit für Wagnisse?

Chart of the Week

Haben Sie die Geschäftsidee schlechthin? Vielleicht etwas, das uns durch die Corona-Krise bringt. Die Dienstleistung, das Gerät, die App, die uns das Leben im Lockdown leichter ertragen lässt und die ganz sicher jeder bald haben will. Nur das nötige Kleingeld fehlt, um Ihre Idee in die Tat umzusetzen – und ohne etabliertes Geschäftsmodell ist eine Anschubfinanzierung schwer zu bekommen? Vielleicht finden Sie Ihr Glück in einem Marktsegment, das gerne mit „VC“ abgekürzt wird.

Venture Capital, ins Deutsche üblicherweise als Wagniskapital übersetzt, wird meist jungen, neu gegründeten Unternehmen mit vielversprechenden, aber unsicheren Wachstumsaussichten von Investoren zur Verfügung gestellt, um Produktentwicklung oder Expansion zu finanzieren. Für ihre Investition, von der sie sich meist nach einigen Jahren wieder trennen – z. B. bei einem Börsengang des Unternehmens oder einem Verkauf der Beteiligung an Dritte –, erwarten die Kapitalgeber in der Regel sehr hohe Renditen. Diesen Gewinnen im Erfolgsfall steht aber das hohe Verlustrisiko einer Investition in ein noch nicht erprobtes Geschäftsmodell gegenüber; nicht wenige derartige Beteiligungen enden für den Geldgeber mit einem zumindest annähernden Totalverlust.

German Venture Capital Barometer

Quelle: KfW, BVK

Erfolg oder Misserfolg einer solchen neuen Geschäftsidee sind oft kaum von traditionellen Konjunkturphasen abhängig. Dennoch kennt auch die Stimmung im Venture-Capital-Geschäft ihre Hochs und Tiefs, die beispielsweise durch das regulatorische Umfeld, die Refinanzierungsmöglichkeiten oder die allgemeine wirtschaftliche Zuversicht beeinflusst werden. Unser Chart der Woche zeigt den Verlauf des German Venture Capital Barometer. Dieser Geschäftsklimaindex wird von der bundeseigenen Investitionsbank KfW in einer Umfrage unter Kapitalbeteiligungsgesellschaften ermittelt.

Im vierten Quartal 2020 kletterte dieser Index zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie wieder in den positiven Bereich und lag sogar über dem Wert von Ende 2019. Als Gründe zitiert die KfW unter anderem verbesserte Refinanzierungsmöglichkeiten bei weiterhin günstigen Einstiegspreisen und verweist auf Start-ups, deren Geschäftsideen Bedarfe in der Krise decken. Die lockere Geldpolitik der EZB spielt hier sicherlich auch eine Rolle. Und wenn die traditionelle Kreditvergabe gerade stockt, so scheinen niedrige Zinsen und Liquidität über den Kanal Wagniskapital den Weg in die Wirtschaft zu finden.

Ob allerdings angesichts verlängerter Lockdowns, neuartiger Virusmutationen, einer stockenden Impfkampagne und eines zumindest kurzfristig unsicheren Ausblicks der Wert für das Auftaktquartal des Jahres 2021 ähnlich positiv ausfallen wird, darf bezweifelt werden.

Autor: Sebastian Franke