5.785 Tage

Chart of the Week

Während deutsche Arbeitnehmer im Durchschnitt 11 Jahre lang denselben Job ausüben, legt Angela Merkel nun nach rund 16 Jahren das Kanzleramt nieder. Auch im Vergleich mit der Amtsdauer anderer Regierungschefs in der EU liegt die Kanzlerin weit vorne. Wer kann es mit dem Durchhaltevermögen der mächtigsten Frau der Welt aufnehmen?

Wenn am Sonntag die Stimmen ausgezählt sind, wird Angela Merkel 5.785 Tage, beziehungsweise rund 16 Jahre, Bundeskanzlerin Deutschlands gewesen sein. Hierzulande schafft sie es in der Rangliste der am längsten amtierenden Bundeskanzler aktuell auf Platz zwei. Den ersten Bundeskanzler Deutschlands hatte sie diesbezüglich bereits vor rund zwei Jahren überholt – am 22. Dezember 2019 hatte die Kanzlerin 5.143 Tage das Amt inne und war somit mit Konrad Adenauer gleichgezogen. Im Deutschlandvergleich liegt nur noch Helmut Kohl vor ihr. Mit einer Amtszeit, die vom 01. Oktober 1982 bis zum 26. Oktober 1998 anhielt, kommt er auf 5.869 Tage im Amt. Bleibt „Kohl’s Mädchen“ nur der zweite Platz in dieser ewigen Rangliste? Das zu erwartende Wahlergebnis könnte durchaus zu längeren Koalitionsverhandlungen führen. Angela Merkel müsste dabei nicht einmal auf „belgische Verhältnisse“ hoffen, um den aktuellen Spitzenreiter einzuholen. Es reicht schon, wenn sie bis zum 17. Dezember dieses Jahres an der Spitze bleibt. Kein unrealistisches Szenario.

Während die Kanzlerin, was die Dauer der Amtsbekleidung in der deutschen Geschichte betrifft, also noch etwas durchhalten muss für den Spitzenplatz, bleibt sie der Dauerbrenner unter den aktuellen Regierungschefs innerhalb der EU. In ihrer Laufbahn traf sie bereits auf vier verschiedene französische und US-amerikanische Präsidenten sowie auf acht italienische Premierminister. Doch auch wenn unsere amtierende Bundeskanzlerin das Rennen anführt - andere Regierungschefs zeigen ebenfalls Durchhaltevermögen. Das zeigt unser Chart of the Week.

EU-Regierungschefs mit Amtszeiten von aktuell mehr als 1.500 Tagen

Quelle: ING Economic & Financial Analysis

Keiner der aktuellen Regierungschefs in der EU bekleidet das Amt schon so lange wie Angela Merkel. Mit aktuell rund 1.650 Tagen Differenz folgt allerdings der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán auf Platz zwei. Zum heutigen Tage ist er seit etwas mehr als 11 Jahren im Amt. Damit liegt er in etwa mit dem Regierungschef der Niederlande, Mark Rutte, gleichauf. Orbán allerdings sammelte bis zum heutigen Tag rund 136 Tage länger Erfahrung als Regierungschef als Rutte. Wird einer der obenstehenden Herren unserer Kanzlerin das Wasser reichen können, was die Dauer der Amtsbekleidung betrifft? Die besten Chancen dazu hätte aktuell der niederländische Kollege. Allerdings ziehen sich die Koalitionsverhandlungen dort schon seit den Parlamentswahlen im Frühjahr dieses Jahres in die Länge. In Ungarn wird bereits im kommenden Jahr gewählt – aktuell laufen noch bis zum 28. September die Vorwahlen, mit denen ein gemeinsamer Kandidat der Oppositionsparteien für das Amt des Regierungschefs bestimmt werden soll.

Es bleibt abzuwarten, ob einer der Regierungschefs es mit dem Durchhaltevermögen Merkels aufnehmen können wird. In Ihrer rund 16-jährigen Amtszeit führte die Kanzlerin uns unter anderem durch die Finanzkrise, die Euro-Schuldenkrise, die Flüchtlingskrise und, kurz vorm Ende der Laufbahn, die Coronakrise. Und behielt dabei höhere Zustimmungswerte als jeder andere Regierungschef der Welt – sowohl aus dem eigenen als auch aus anderen Ländern. Besonders positiv wurde das wirtschaftliche Management der Kanzlerin bewertet, wie die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov in sechs verschiedenen Ländern zeigt. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass ihre Arbeit die Reputation Deutschlands im Ausland verbessert habe.

In den vergangenen 5.785 Tagen hat Angela Merkel als mächtigste Frau der Welt viel Durchhaltevermögen unter Beweis gestellt. An diesem Sonntag werden wir erfahren, wer in die Fußstapfen der Kanzlerin treten wird. Ob der- oder diejenige das Amt ebenso lange bekleiden wird wie Dauerbrenner Merkel, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass die Kanzlerin die Messlatte sowohl für den Nachfolger, oder die Nachfolgerin, als auch für internationale Kollegen hochgelegt hat.

Autor: Franziska Biehl