Win-win in Grün

Chart of the Week

Der Trend geht zum Stromkabel – zuletzt waren immer mehr neuzugelassene PKW Elektroautos. Dieser Trend könnte nun aufgrund der gestiegenen Spritpreise verstärkt werden, was nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel schonen würde.

Während im Jahr 2020 lediglich 6,7 Prozent aller neuzugelassenen PKW E-Autos waren, waren es im Jahr 2021 bereits 13,6 Prozent. Im Februar dieses Jahres lag der Anteil bei 14,1 Prozent. Rückläufig war zeitgleich der Anteil der Neuzulassungen von benzin- bzw. dieselbetriebenen PKW. Nachdem im Jahr 2020 noch rund 47 Prozent aller Neuzulassungen Benziner waren, lag der Anteil im Jahr 2021 bei nur noch 37 Prozent. Der Anteil von dieselbetriebenen Fahrzeugen lag im Jahr 2021 bei 20 Prozent, nach noch knapp 28 Prozent im Jahr 2020.

Während die Mobilitätswende und der Trend hin zu emissionsfreiem Fahren insbesondere für die grüne Transformation eine wichtige Rolle spielt, gehen mit dem Umstieg weg von der Zapf- und hin zur Ladesäule allerdings auch positive finanzielle Aspekte einher. Denn das „Tanken“ der Elektroautos an den heimischen Ladesäulen ist günstiger als die Rechnung an der Tankstelle. Mit dem starken Anstieg der Strompreise seit dem vergangenen Jahr wurden allerdings kritische Stimmen laut, dass das Laden des E-Fahrzeugs aufgrund der hohen Strompreise teurer würde als das klassische Tanken. Unser Chart of the Week zeigt, dass das nicht der Fall ist – trotz gestiegener Stromkosten bleibt das Fahren mit dem E-Auto im Durchschnitt preiswerter.

Jährliche durchschnittliche Kosten für das Laden bzw. Tanken des PKW

Quelle: ADAC; BDEW; ING Economic & Financial Analysis; *Berechnung basiert auf den Preisen Stand Februar 2022

Pro 100 gefahrenen Kilometern verbraucht ein Elektroauto durchschnittlich 15,5 kWh Strom. Ein Benziner verbraucht durchschnittlich 7,7 Liter, Fahrer von dieselbetriebenen Autos müssen mit einem durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von 7 Litern rechnen. Im Februar kostete ein Liter Superbenzin durchschnittlich 1,74 Euro, für den Dieselkraftstoff wurden 1,66 Euro fällig. Eine Kilowattstunde Strom floss im Durchschnitt für rund 36 Cent aus den heimischen Ladestationen. Für das Gesamtjahr 2022 ergäben sich bei diesen Preisen, bei einer durchschnittlichen Fahrstrecke von 12.000 Kilometern im Jahr, Gesamtkosten in Höhe von knapp 1.600 Euro für Benziner, 1.395 Euro für Dieselfahrzeuge und 673 Euro für Elektroautos. Zwar können die Kosten für das Laden außerhalb der eigenen vier Wände höher liegen, damit das Fahren mit dem E-Auto durchschnittlich ebenso viel kosten würde wie die Fahrt mit dem Verbrenner, müsste der Strompreis allerdings bei rund 86 Cent pro kWh liegen.

Im März sind die Preise and den Tankstellen noch einmal stark angezogen. Die Preise für Rohöl waren seit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine deutlich gestiegen, was im Vergleich zum Februar zu Preisanstiegen von 30 Prozent für Superbenzin und 40 Prozent für Diesel geführt hat. Auf diesen hohen Niveaus hätten die durchschnittlichen jährlichen Kosten für das Tanken eines Benziners bei mehr als 2.000 Euro gelegen, für das Tanken eines Dieselfahrzeugs nur knapp darunter. Autofahrer hätten im Vergleich zum Jahr 2020 etwa das doppelte für die Tankstellenrechnungen ausgeben müssen. Zuletzt sind die Benzinpreise wieder etwas gesunken, bleiben aber nach wie vor auf hohem Niveau.

Je nachdem wie lange der Preisanstieg an den Tankstellen anhält, bzw. auf welchem Niveau sich die Benzinpreise langfristig einpendeln, könnte die Nachfrage nach Elektroautos nun einen zusätzlichen Schub erhalten. Der Online-Neuwagen-Anbieter MeinAuto.de zeigte zuletzt, dass der Anteil derjenigen, die sich für den Kauf eines Elektroautos interessieren, von 27 Prozent im Februar auf 35 Prozent im März gestiegen ist. Nach Dieselfahrzeugen suchten im März lediglich 12 Prozent der Neuwageninteressenten.

Ein Trend, der wahrscheinlich nicht nur von kurzfristiger Dauer ist – denn langfristig käme die Trendwende in der Mobilität nicht nur dem eigenen Geldbeutel, sondern vor allem dem Kampf gegen den Klimawandel zugute.

Autor: Franziska Biehl