Liebling, lass uns die Kosten drücken!

Chart of the Week

Drum kalkuliere, wer sich räumlich bindet: Rund 60 Prozent aller deutschen Erwachsenen leben in einer festen Beziehung – und bestreiten den Alltag somit nicht nur Hand in Hand, sondern oft auch kostengünstiger als Alleinlebende. Sich für eine (räumliche) Partnerschaft zu entscheiden, geht im Alltag nämlich mit der Option auf signifikante Ersparnisse einher. Und aufgrund der aktuellen Preissteigerung bei Energie auch mit der Option auf eine geringere persönliche Inflationsrate.

Im Durchschnitt geben, der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2018 zufolge, deutsche Haushalte rund 74 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens für den Konsum aus. Betrachtet man verschiedene Haushaltsgrößen, variiert der Anteil der Konsumausgaben am verfügbaren Einkommen allerdings. Während Paare, bzw. Zwei-Personen-Haushalte, den deutschen Durchschnitt ziemlich genau abbilden, schlagen die Kosten für den Konsum bei Single-Haushalten stärker ins Gewicht. Knapp 80 Prozent des verfügbaren Nettoeinkommens müssen alleinlebende Deutsche aufbringen, um ihren Konsum zu finanzieren. Die größte Kostenkomponente stellt zwar in beiden Fällen die Ausgabe für Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung dar, allerdings mit bemerkenswerter Differenz: Ein Ein-Personen-Haushalt gibt im Monat durchschnittlich knapp 39 Prozent des verfügbaren Einkommens für die Wohnung und Energie aus, beim Zwei-Personen-Haushalt sind es nur rund 33 Prozent.

Andere Komponenten fallen dafür im Zwei-Personen-Haushalt stärker ins Gewicht. Unter anderem für Lebensmittel und Verkehr wird anteilig mehr vom verfügbaren Einkommen ausgegeben, als es in Single-Haushalten der Fall ist. In der Vergangenheit führte das dazu, dass die Inflation für einen Zwei-Personen-Haushalt leicht oberhalb der für einen Ein-Personen-Haushalt lag – in einer Partnerschaft zu leben ging zwar mit Ersparnissen einher, dafür aber auch mit einer leicht stärkeren Belastung durch gestiegene Preise. Unser Chart of the Week zeigt allerdings, dass sich das Leben seit Beginn dieses Jahres für Paare und Singles gleichermaßen verteuerte, zuletzt um 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Inflationsrate nach Haushaltsgröße (% gegenüber Vorjahr)

Quelle: Destatis (EVS 2018); Refinitiv; ING Economic & Financial Analysis

Zwar haben Zwei-Personen-Haushalte für viele Komponenten, die zuletzt starken Preissteigerungen unterlagen, relativ höhere Ausgaben, dennoch liegt die Inflation für Ein- und Zwei-Personen-Haushalte nun gleichermaßen hoch. Das ist vor allem auf die stark gestiegenen Kosten für Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung zurückzuführen. Im Durchschnitt lebt eine alleinlebende Person auf 68 Quadratmetern, ein Zwei-Personen-Haushalt lebt auf 99 Quadratmetern. In vielen Fällen sinkt der Quadratmeterpreis mit zunehmender Wohnungsgröße. Hinzu kommt, dass Kosten für Miete und Nebenkosten im Zwei-Personen-Haushalt geteilt werden können – was die Belastung pro Kopf zusätzlich reduziert.

Dass die Kosten für Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung im März dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 8,8 Prozent gestiegen sind, spüren natürlich Ein- wie Zwei-Personen-Haushalte. Allerdings werden Ein-Personen-Haushalte, die die höheren Kosten allein tragen müssen, durch den hohen Anteil der Kostenkomponente an den gesamten Konsumausgaben stärker belastet. Für die vor uns liegenden Monate ist davon auszugehen, dass die Preise für Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung im jeweiligen Vorjahresvergleich noch weiter steigen werden – und damit die persönliche Inflation der Single-Haushalte.

Sich räumlich binden, um die relative Höhe der Konsumausgaben zu senken und nebenbei die persönliche Inflation zu drücken? Es mag nicht der romantischste Grund sein, um die gemeinsamen vier Wände zu beziehen, sicherlich aber einer, der ein jedes Ökonomen-Herz höherschlagen lässt. 

Autor: Franziska Biehl