Wetter ist nicht Klima – aber Klima macht Wetter

Chart of the Week

Die aktuellen Bilder von Rhein, Donau und anderen Flüssen erinnern ans Jahr 2018. Schon damals sorgten hohe Temperaturen und geringe Niederschläge für rekordniedrige Pegel in den Flüssen. Transportschiffe konnten dadurch nur teilweise beladen werden oder gar nicht fahren. Vor vier Jahren kosteten die niedrigen Wasserstände die deutsche Wirtschaft etwa 0,3 Prozentpunkte an Wirtschaftswachstum – in diesem Jahr dürften es mindestens 0,5 sein. Damit nicht genug: Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes befürchtet aufgrund der Trockenheit Ernteausfälle von bis zu 40 Prozent. Und in Frankreich, wo für die Kühlung von Kernkraftwerken überwiegend Flusswasser verwendet wird, können derzeit nur 20 von 56 dieser Anlagen betrieben werden.

Doch die Kosten des Klimawandels entstehen nicht allein daraus, dass es einfach nur wärmer wird. Eine Begleiterscheinung der globalen Erwärmung ist eine Häufung von Extremwetterlagen, vor gut einem Jahr sogar quasi vor der eigenen Haustür bei den Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zu beobachten. Unser Chart der Woche zeigt die Schäden, die in den letzten rund fünf Jahrzehnten aus Naturkatastrophen resultierten. Auch wenn zunächst einzelne Jahre mit extrem hohen Schadenssummen ins Auge fallen, ist doch ein Trend zu immer größeren Schäden deutlich erkennbar.

Versicherungsschäden aus Naturkatastrophen, weltweit 1970-2021 (in Mrd. USD)

Quelle: Swiss Re

Dabei ist einerseits nicht jede Naturkatastrophe auf den Klimawandel zurückzuführen. Auch wenn der Zusammenhang zwischen globaler Erwärmung und Extremwetterlagen inzwischen breit anerkannt ist, folgen beispielsweise Erdbeben oder Tsunamis natürlich ganz anderen Gesetzmäßigkeiten. Andererseits laufen bei den Versicherungen und ihren Rückversicherern naturgemäß nur die Schäden auf, die überhaupt versichert waren – es kann also davon ausgegangen werden, dass die tatsächlichen Kosten noch weit höher liegen.

Und die Dominanz extremer Wetterereignisse zeigt sich deutlich: Unter den zehn Naturkatastrophen mit den größten Schadenssummen befinden sich mit dem Erdbeben von Los Angeles 1994 und dem japanischen Tsunami 2011 nur zwei wetterunabhängige Ereignisse. Bei den anderen acht handelt es sich um Wirbelstürme – an erster Stelle der Hurrikan Katrina, der 2005 im Südosten der USA verheerende Sturmschäden und Überschwemmungen auslöste. Ein weiterer guter Grund, den Klimawandel in Grenzen zu halten – soweit das noch möglich ist.

Autor: Sebastian Franke