Wie die Inflation Weihnachten gestohlen hat – oder auch nicht

Chart of the Week

4 min Lesedauer 16.12.2022

Rund um die wundervollste Zeit des Jahres werden in Filmen allerlei Weihnachtsmuffel gezeigt, die mit dem Fest der Liebe so gar nichts anfangen können. In diesem Jahr brauchen wir den Fernseher aber gar nicht einzuschalten, um zu sehen, wie ein Schreckgespenst versucht Weihnachten zu stehlen. Ein Blick auf die liebsten Weihnachtsgeschenke der Deutschen und deren Inflationsrate reicht dafür schon aus.

In etwa einer Woche ist es so weit und Weihnachten steht vor der Tür – das Fest der Liebe. Oder, wie es für rund 50 Prozent der Deutschen auch heißen könnte: das Fest des Verschenkens. Denn neben Zeit mit Familie und Freunden und dem Weihnachtsessen freut sich auch jeder zweite Deutsche darauf, zu Weihnachten etwas zu verschenken. Aufs Geschenke bekommen freuen sich hingegen nur rund 30 Prozent der Deutschen. Das zeigt eine Statista-Umfrage aus dem Jahr 2021. In diesem Jahr dürften die Ergebnisse etwas anders ausfallen. Denn die Lebenshaltungskosten sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Ersparnisse wurden aufgewendet, um für diese gestiegenen Kosten aufzukommen.

Doch nicht nur Lebensmittel und Energie verteuerten sich in diesem Jahr überdurchschnittlich stark. Auch andere Güter aus dem Warenkorb, an dem die Inflation gemessen wird, stiegen ordentlich im Preis. Unser Chart of the Week zeigt, dass auch die Lieblingsgeschenke der Deutschen nicht vom generellen Preisanstieg verschont geblieben sind.

Inflationsrate (%) der Lieblingsgeschenke der Deutschen im November 2022

Quelle: Destatis

Besonders teuer wird es in diesem Jahr für diejenigen, die Lebensmittel unter den Baum legen wollen, denn im Vergleich zum Vorjahr verteuerten diese sich zuletzt um mehr als 21 Prozent. Dennoch, laut dem HDE-Konsumbarometer belegen Lebensmittel in diesem Jahr den 7. Platz unter den beliebtesten Weihnachtsgeschenken der Deutschen. Und auch am Dauerbrenner unter deutschen Weihnachtsbäumen, dem Geschenkgutschein, geht die Inflation nicht spurlos vorüber – auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag. Allerdings wird der Beschenkte beim Einlösen des Gutscheins, Stand November, für die gleiche Summe wie im Vorjahr durchschnittlich 10 Prozent weniger Gegenwert erhalten.

Kein Wunder also, dass das Geschenkebudget in diesem Jahr etwas kleiner ausfällt oder insgesamt weniger Geschenke unter den Baum gelegt werden als in den vergangenen Jahren. Der Weihnachtsumfrage der Wirtschaftsberatungs- und Steuerprüfungsgesellschaft EY zufolge liegt das durchschnittliche Budget für Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr bei 252 Euro – im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 21 Euro. Eine Umfrage des Onlinemarktplatzes Ebay zeigt außerdem, dass der Kreis der Beschenkten in diesem Jahr klein gehalten wird. Mehr als die Hälfte der Befragten, die angaben, Weihnachten zu feiern, planen lediglich der Familie etwas zu schenken. Nur 16 Prozent der Befragten haben vor zudem den Freunden und Bekannten ein Geschenk zu machen.

Doch die Umfrageergebnisse zeigen auch, dass der wahre Wert von Weihnachten nicht unterm Christbaum zu finden ist. Denn nur knapp 10 Prozent der Deutschen wollen an Lebensmitteln oder an den Fahrt- und Reisekosten rund ums Fest der Liebe sparen. Es scheint, als würde dem gemeinsamen Essen oder dem Familienbesuch ein höherer Wert beigemessen werden als den hübsch verpackten Päckchen unterm Baum.

Und damit zeigt sich auch in diesem Jahr, was wir jedes Jahr in Filmen sehen: den wahren Zauber von Weihnachten kann so schnell keiner stehlen. Weder der Grinch noch Mr. Scrooge. Und auch nicht die Inflation. Mit den Liebsten um den Tisch oder unterm Weihnachtsbaum zu sitzen war schon immer unbezahlbar und ist in diesem Jahr vielleicht sogar noch ein klein bisschen mehr wert.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Liebsten erholsame Feiertage und hoffen, dass Sie gut in das Jahr 2023 starten werden. Wir werden die besinnliche Zeit nutzen, um unsere Kristallkugeln zu reinigen, damit wir Ihnen auch im nächsten Jahr wieder mit unseren Analysen zur Seite stehen können. Und wer mit uns schon einmal einen kurzen Blick auf das Jahr 2023 werfen möchte, sollte sich auf keinen Fall die letzte Folge unseres Podcasts Carsten’s Corner für dieses Jahr entgehen lassen, die wir Ihnen nächste Woche noch zur Verfügung stellen werden.

Autor: Franziska Biehl