Feiertage – Grund zum Feiern?

Chart of the Week

Der Sommer steht vor der Tür – und mit ihm die Urlaubszeit. Wer, wie die meisten Beschäftigten, seinen Urlaub mehrere Monate im Voraus plant, dem ist sicher schon aufgefallen, dass im Jahr 2026 einige Feiertage aus Arbeitnehmersicht weniger günstig liegen als im Vorjahr – so fallen zum Beispiel der Tag der Deutschen Einheit und der 2. Weihnachtsfeiertag jeweils auf ein Wochenende. Was den Arbeitnehmer ärgert, lässt auch den Statistiker nicht kalt. Beim Vergleich ökonomischer Daten kommt oft der sogenannte Kalenderfaktor ins Spiel – was hat es damit auf sich?

Manche Feiertage fallen jedes Jahr auf denselben Wochentag, beispielsweise Ostern (mit Karfreitag und Ostermontag) oder Christi Himmelfahrt (stets an einem Donnerstag). Andere gesetzliche (wie der 1. und 2. Weihnachtstag) oder branchenspezifische (wie Heiligabend) Feiertage sind nur über ihr Datum festgelegt und fallen manchmal auf ein Wochenende, manchmal nicht. Hinzu kommen Feiertage, die nicht in allen Bundesländern arbeitsfrei sind, beispielsweise Fronleichnam oder der Reformationstag.

Durch die natürliche Fluktuation des Kalenders hat nicht jedes Jahr gleich viele Sams- und Sonntage; auch Schaltjahre wollen berücksichtigt sein. Somit schwankt die Anzahl der Arbeitstage von Jahr zu Jahr – und damit auch die Zeit, die für die Erwirtschaftung des Bruttoinlandsprodukts zur Verfügung steht.

Alle diese Einflüsse werden in der Berechnung des sogenannten Kalenderfaktors gebündelt, den unser Chart der Woche abbildet. Ein Wert von 100 stellt dabei ein statistisch gesehen neutrales Jahr dar. Niedrigere Werte bezeichnen Jahre mit weniger Arbeitstagen – ein hoher Kalenderfaktor hingegen freut die Arbeitgeber. Beim Vergleich der Wirtschaftsentwicklung zweier Jahre will man aber üblicherweise nicht einfach nur messen, ob es mehr oder weniger Arbeitstage gab. Um den bloßen Kalendereffekt zu eliminieren, wird das in jedem Jahr erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt durch den zugehörigen Kalenderfaktor dividiert – die sogenannte Kalenderbereinigung.

Kalendereffekte

Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt/preis- und kalenderbereinigt

Der Chart zeigt den Kalenderfaktor und seine Auswirkungen auf das BIP-Wachstum im Rahmen der Kalenderbereinigung für die Jahre 2015-2025.
Quelle: Statistisches Bundesamt

Für den Einfluss auf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts ist dabei übrigens nicht der Kalenderfaktor selbst, sondern nur seine Veränderung entscheidend – denn beim Vergleich zweier Jahre mit gleicher Anzahl von Arbeitstagen spielt es logischerweise keine Rolle, ob es sich nun um gleich viele oder gleich wenige Arbeitstage handelt. So lag beispielsweise der Kalenderfaktor 2018 noch einmal geringfügig niedriger als im Vorjahr. Diese minimale Veränderung war aber für das BIP-Wachstum quasi irrelevant, so dass sich der 2017 noch sichtbar negative Kalendereinfluss wieder auf der Nulllinie einpendelte.

Der genaue Kalenderfaktor für 2026 steht übrigens noch nicht fest. Wie kann das sein, wo doch der Kalender mit seinen Feiertagen vorab bekannt ist? Hierfür ist die Funktionsweise der zugrundeliegenden Rechenmodelle verantwortlich. Wie stark sich ein Feiertag auswirkt, hängt beispielsweise nicht nur davon ab, ob er in die klassische Arbeitswoche von Montag bis Freitag fällt, sondern auch von dem konkreten Wochentag. Dass an einem Freitag weniger Arbeitsleistung verloren geht als an einem Donnerstag, klingt intuitiv plausibel. Wie stark derartige Effekte allerdings sind, unterliegt Schwankungen und lässt sich erst im Nachhinein bestimmen. Das für das zurückliegende erste Quartal 2026 gemeldete Wachstum von 0,3 Prozent war laut Statistischem Bundesamt von keinem Kalendereffekt beeinflusst.

Letzten Endes dürfte der Kalenderfaktor in diesem Jahr in der Größenordnung um 100,10 liegen, bei durchschnittlich 250,5 Arbeitstagen nach 248,1 im Vorjahr. Wer mathematisch bewandert ist, kommt an dieser Stelle vielleicht ins Stutzen: Bei einer Größenordnung von etwa 250 Arbeitstagen machen 2,4 zusätzliche Tage fast ein ganzes Prozent aus. Der voraussichtliche Kalenderfaktor liegt aber um weniger als 0,3 Prozent höher als im Vorjahr.

Das hat verschiedene Gründe: Zum einen hängen Teile der Wirtschaftsleistung gar nicht davon ab, ob überhaupt gearbeitet wird – die Miete für eine Wohnung ebenso wenig wie die zeitabhängige Abschreibung einer Investition. Zum anderen gibt es diverse Branchen, in denen weder Wochenenden noch Feiertage ein Grund sind, den Hammer oder den Stift fallen zu lassen: Kraftwerke laufen, Krankenhäuser sind besetzt und auch unsere digitale Infrastruktur wird am Laufen gehalten.

Hinzu kommen ausgleichende Effekte. Sind beispielsweise aufgrund eines Feiertags die Geschäfte geschlossen, geben die Konsumenten ihr Geld stattdessen in den Tagen davor oder danach aus – der Umsatz geht der Volkswirtschaft nicht verloren. Unter dem Strich rechnet man daher als Faustformel mit maximal 0,1 Prozent zusätzlichem BIP je zusätzlichem Arbeitstag anstelle der 0,4 Prozent, die den Anteil eines Tages an den rund 250 Arbeitstagen pro Jahr ausmachen. Das spiegelt sich auch im Kalenderfaktor.

Und auch wenn 2,4 zusätzliche Arbeitstage aus Arbeitnehmersicht unschön klingen: An den Höchstwert der Datenreihe, die bis 1970 zurückreicht, kommen die 250,5 Tage nicht heran. Im Jahre 2004 lagen der 1. Mai, der 3. Oktober und beide Weihnachtsfeiertage an Wochenenden, was zu durchschnittlich 252,8 Arbeitstagen und einem Kalenderfaktor von 100,31 führte. Davon ist 2026 dann doch noch etwas entfernt – vielleicht ein kleiner Trost.

 

Autor: Sebastian Franke