Die Geldrangliste der Gruppenphase

Chart of the Week

Die WM-Party in deutschen Wohnzimmern, Fußballkneipen und auf den Fanmeilen ist vorbei – die DFB-Elf scheiterte bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Elfmeterschießen gegen Paraguay. Wir Ökonomen schauen stets noch mit einem etwas anderen Blick auf die Begegnungen. Neben den Farben des Siegers interessiert uns auch die effiziente Mittelverwendung. Im Fußballkontext heißt das für uns: Wie verhält sich der Erfolg eines Teams zum Transfermarktwert der aufgebotenen Spieler?

Hierfür bedienen wir uns wie auch viele Sportjournalisten der Einschätzungen des Portals transfermarkt.de. Die größte WM aller Zeiten liefert dabei auch die größte Datenbasis: Allein in der am Sonntag zu Ende gegangenen Gruppenphase fanden 72 Spiele statt – das sind bereits acht mehr, als bei der letzten WM vor vier Jahren einschließlich des Finales insgesamt gespielt wurden.

Dass die deutsche Nationalmannschaft ihrer Bewertung als teuerstes Team der Gruppe E gerecht werden und sich den Gruppensieg sichern würde, stand bereits nach zwei ihrer drei Partien fest – daran änderte auch die Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador nichts mehr. Wie unser Chart der Woche zeigt, war diese Gruppe aber nur eine von fünfen, in der die Dinge ihren geordneten Gang gingen, soweit man den anhand der Kaderwerte vorab erwarten konnte.

In den anderen sieben Gruppen gab es zumindest die eine oder andere Abweichung von der „Geldrangliste“, auch wenn diese teilweise minimal ausfielen: So liegt beispielsweise in der Gruppe G der Kaderwert des Gruppenletzten Neuseeland gerade einmal um zwei Millionen Euro über dem des Drittplatzierten Iran. Größere Überraschungen hatten da schon die Gruppen A, D und H zu bieten: Mit einem Marktwert, der noch unter dem Durchschnitt aller Gruppenletzten liegt, landeten die Teams aus Südafrika, Australien und Kap Verde auf Rang zwei ihrer jeweiligen Gruppe.

Transfermarktwert der Teams bei der Fußball-WM

(In Mio. €, nach Platzierung in der Gruppenphase)

Der Chart zeigt die Kader-Marktwerte der Teams bei der aktuellen Fußball-WM und ihr Abschneiden in der Gruppenphase.
Quelle: transfermarkt.de, ING-Berechnungen

Auch ein anderer zweiter Platz konnte überraschen: Die Portugiesen um den fünffachen Weltfußballer Cristiano Ronaldo werden nach dem Marktwert ihres Kaders fast doppelt so hoch eingeschätzt wie alle ihre Gruppengegner zusammen, landeten in der Gruppe K aber dennoch hinter Kolumbien. Und die Türkei kam als teuerstes Team der Gruppe D nicht über den letzten Platz hinaus.

In den übrigen zehn Gruppen setzte sich das Team mit dem höchsten Marktwert auch jeweils auf Platz 1 durch – der Kaderwert-Vorsprung von Gruppensieger Mexiko gegenüber den Tschechen auf dem letzten Platz der Gruppe A lag allerdings bei weniger als vier Millionen Euro. Die tschechische Mannschaft ist dabei neben den schon erwähnten Teams aus Neuseeland und der Türkei nur einer von drei Gruppenletzten, die nicht mit dem geringsten Kaderwert in die Gruppenphase gegangen waren.

Zehn von zwölf teuersten Teams auf Platz 1, neun von zwölf Mannschaften mit dem niedrigsten Kaderwert ihrer Gruppe auf dem letzten Platz – man könnte das Gefühl bekommen, dass Geld entgegen der landläufigen Fußballweisheit doch Tore schießt.

Wäre da nicht diese Partie im Sechzehntelfinale, in der sich eine Mannschaft durchsetzte, deren Kader-Marktwert weniger als ein Sechstel ihres Gegners ausmachte. Sie ahnen es – die Rede ist vom Spiel Deutschland gegen Paraguay.

Autor: Sebastian Franke