Sommer, Sonne, Unsicherheit
Chart of the Week
Von 16 Bundesländern sind bereits 14 in die Sommerferien gestartet – die Urlaubssaison ist damit in vollem Gange. Doch ganz unbeschwert beginnt die diesjährige Reisesaison nicht. Wer in diesem Jahr seinen Koffer packt, hat häufig Sorgen über steigende Reisekosten im Gepäck.
Dennoch, rund zwei Drittel der Deutschen planen in diesem Jahr eine Sommerreise. Das ergab eine Umfrage von Allianz Partners aus dem Mai dieses Jahres. Die Vorfreude, die das Schmieden von Urlaubsplänen mit sich bringt, dürfte in diesem Jahr allerdings zumindest teilweise überschattet worden sein von Unsicherheit. Nicht nur an der Tankstelle machen sich die gestiegenen Ölpreise bemerkbar, auch vor möglichen Auswirkungen auf den Flugverkehr wurde bereits seit Beginn des Kriegs im Nahen Osten gewarnt. In Folge einer möglichen Kerosin-Knappheit könnten Flüge gestrichen werden und die Ticketpreise deutlich in die Höhe gehen.
Eine akute Kerosin-Knappheit gibt es in Deutschland zwar nicht, dennoch sind gestrichene Flüge bereits Wirklichkeit geworden und die Preise für Flugtreibstoff sind deutlich gestiegen. Daten der International Air Transport Association (IATA) zufolge lag der Preis für Kerosin in der 28. Kalenderwoche dieses Jahres durchschnittlich rund 40 Prozent höher als in der entsprechenden Vorjahreswoche. Da Treibstoff rund 30 bis 40 Prozent der Kosten eines Flugtickets ausmacht, überrascht es kaum, dass auch Flugreisen teurer geworden sind. Im Juni kosteten Inlandsflüge 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, internationale Flüge verteuerten sich um 13 Prozent. Betrachtet man das gesamte erste Halbjahr, so lagen die Flugpreise um 9,5 bzw. 8,5 Prozent oberhalb des Vorjahreszeitraums.
In Anbetracht der gestiegenen Preise ist es nicht weiter verwunderlich, dass rund 30 Prozent der Deutschen in diesem Jahr planen, Flugreisen zu minimieren. Mehr als ein Drittel der Deutschen plant zudem mehr Reisen im Inland zu unternehmen. Das zeigen die Ergebnisse einer Umfrage des Ferienhausportals HomeToGo aus dem Juni 2026. Außerdem bleibt der Umfrage zufolge Deutschland nach wie vor das liebste Reiseziel der Deutschen. Tatsächlich sprechen höhere Flugpreise und steigende Mobilitätskosten auf den ersten Blick für Ferien in der Heimat. Doch die Anreisekosten sind nur ein Teil der Urlaubsrechnung. Für das tatsächliche Reisebudget spielen auch die Preise am Urlaubsort eine entscheidende Rolle. Und unser Chart of the Week zeigt, dass Urlaub in Deutschland keineswegs immer die günstigste Option sein muss.
Preisniveaus für die Konsumausgaben der privaten Haushalte
(in % relativ zu Deutschland; Deutschland = 100; Mai 2026)
In sieben der beliebtesten Reiseländer der Deutschen liegen die Preise für Konsumausgaben über dem deutschen Niveau. Dabei handelt es sich vor allem um nord- und westeuropäische Länder. Auf der anderen Seite befinden sich unter den beliebtesten Urlaubszielen zahlreiche Destinationen in Süd- und Osteuropa, in denen Verbraucher mit ihrem Urlaubsbudget deutlich weiter kommen als in Deutschland.
Besonders interessant ist dabei Italien, das beliebteste Auslandsreiseziel der Deutschen. Insgesamt liegen die Preise für Konsumausgaben dort rund neun Prozent unterhalb des deutschen Niveaus. Während Hotel- und Restaurantbesuche etwas teurer ausfallen können als hierzulande, sind viele andere Ausgaben des täglichen Bedarfs günstiger. Gerade bei Lebensmitteln ergeben sich teilweise spürbare Preisvorteile.
Noch deutlicher fällt der Unterschied in Kroatien, Platz drei der liebsten Reiseziele, aus. Die Lebenshaltungskosten liegen dort insgesamt rund ein Viertel unter dem deutschen Niveau. Besonders Freizeit-, Kultur- und Sportangebote sind deutlich günstiger als in Deutschland. Ähnliche Vorteile bietet Polen. Dort liegen die Preise für Konsumausgaben insgesamt etwa 30 Prozent niedriger als hierzulande. Vor allem Restaurantbesuche, Hotelübernachtungen und zahlreiche Alltagsausgaben belasten die Reisekasse deutlich weniger.
Am anderen Ende der Skala stehen vor allem die nordeuropäischen Länder. Hier schlagen besonders die Lebensmittelpreise zu Buche, die häufig spürbar über dem deutschen Niveau liegen. Das teuerste unter den beliebtesten Reisezielen der Deutschen bleibt jedoch die Schweiz. Dort liegen die Konsumausgaben rund 50 Prozent höher als in Deutschland. Ein Urlaub in der Alpenrepublik kann somit trotz kurzer Anreise schnell deutlich kostspieliger werden als Ferien an weiter entfernten Reisezielen.
Der Blick auf Flugtickets und Spritpreise liefert nur einen Teil der Urlaubsrechnung. Denn mit der Ankunft am Reiseziel beginnen die Ausgaben erst richtig. Ob Restaurantbesuch, Freizeitaktivität oder Einkauf im Supermarkt – gerade diese Kosten summieren sich bei längeren Aufenthalten schnell. Und hier zeigt sich, dass viele beliebte Urlaubsländer der Deutschen günstiger sind als Deutschland selbst. Wer nur auf die Kosten der Anreise achtet, könnte die tatsächlichen Sparpotenziale deshalb leicht übersehen.