Ein teurer Sommer
Chart of the Week
Sommer, Sonne, Rekordtemperaturen – in so manchem verregneten Sommer früherer Jahre hätte man sich eine Wetterlage wie die derzeitige noch herbeigesehnt. Doch während die Sonnenanbeter an den Badestränden frohlocken, ächzen die Arbeitnehmer, denn bei weitem nicht jeder genießt den Komfort eines klimatisierten Büros. Dass man weniger schafft, wenn der Körper allein schon damit beschäftigt ist, mit den Temperaturen klarzukommen, kann wohl jeder nachvollziehen – doch nicht nur auf diesem Wege leidet auch die Wirtschaft unter dem heißen Wetter.
So ist dieser Tage wieder viel von den niedrigen Wasserständen in deutschen Flüssen zu lesen. Der Rheinpegel bei Kaub lag am Montag dieser Woche bei 24 cm – das ist der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1880. Das vorherige Tief stammte mit 25 cm aus dem Jahr 2018. Auch damals waren schon die logistischen Probleme thematisiert worden, die das Niedrigwasser für den Gütertransport per Binnenschifffahrt bedeutete – und in der Folge auch für die Wirtschaft vor allem in den industriellen Zentren entlang des Rheins.
Aber was kostet uns nun eigentlich die Hitze? Unser Chart der Woche gibt einen Überblick über verschiedene Berechnungen, die allerdings unterschiedliche Ansätze verfolgen und dementsprechend auch zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
So untersuchte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) bereits 2020, wie sich die niedrigen Wasserstände auf Deutschlands Schifffahrtsstraßen in den Vorjahren auf das Wirtschaftswachstum ausgewirkt hatten. Für das Jahr 2018 mit den bislang niedrigsten Pegelständen errechneten die Kieler Forscher eine Belastung von rund 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, was ca. 13,6 Milliarden Euro entspricht.
Was kostet uns die Hitze?
Verschiedene Berechnungen zu den jährlichen Kosten hoher Temperaturen (in Mrd. Euro)
Die Wirtschaftsforscher von Prognos hingegen betrachteten für eine kürzliche Studie im Auftrag des Handelsblatts vor allem die Auswirkungen auf die Arbeitsproduktivität. Neben direkten Produktivitätsverlusten flossen in die Berechnungen auch auf die Hitze zurückgehende Krankmeldungen und Arbeitsunfälle ein. In einer früheren Untersuchung für das Bundesarbeitsministerium hatte Prognos bereits die volkswirtschaftlichen Kosten eines Tages mit über 30 Grad auf 431 Millionen beziffert. Die jetzige Untersuchung richtete ein besonderes Augenmerk auf extrem heiße Tage mit mehr als 35 Grad – hier werden die gesamtwirtschaftlichen Folgekosten auf 984 Millionen Euro täglich geschätzt.
Allein für die Hitzewelle vom 17. bis 30. Juni dieses Jahres errechnet sich so ein Schaden von 6,32 Milliarden Euro. Ausgehend von der Annahme, dass Deutschland künftig von drei bis vier dieser Hitzewellen pro Jahr getroffen werden könnte, stellt das Handelsblatt einen volkswirtschaftlichen Schaden von mindestens 20 Milliarden Euro pro Jahr in Aussicht.
Einen Schritt weiter geht eine Studie der Allianz, die bereits im Mai dieses Jahres, also noch vor dem aktuellen heißen Sommer, erstellt wurde: Diese entwirft ein Stressszenario, in dem sich die fünf bis dato heißesten Jahre in aufsteigender Reihenfolge über den Zeitraum 2026-2030 wiederholen. Unter Berücksichtigung von Produktivitätsverlusten und erhöhtem Energieverbrauch aufgrund des Kühlbedarfs wird hier für den betrachteten Fünfjahreszeitraum ein volkswirtschaftlicher Schaden von insgesamt 131 Milliarden Euro ermittelt, im Schnitt also rund 26 Milliarden Euro pro Jahr. Angesichts derartiger Zahlen wird immer deutlicher, dass nicht vorrangig nach den Kosten von Klimaschutzmaßnahmen gefragt werden sollte – sondern nach den Kosten ihres Unterlassens.