Umzug zur Unzeit – der Sommeraufschlag beim Kistenpacken
Chart of the Week
Wer einen Umzug plant, findet schnell allerhand organisatorische Checklisten – vom System fürs richtige Kistenpacken bis hin zum Anbringen des Namensschildes an der neuen Wohnungstür. Von Ökonomen wurden diese allerdings ganz offensichtlich nicht erstellt. Anders lässt sich jedenfalls nicht erklären, weshalb keine der Checklisten darauf hinweist, die Lieblingsumzugsmonate der Deutschen nach Möglichkeit zu umgehen – und so das Budget zu schonen.
Ob aus Platzgründen, aufgrund familiärer Hintergründe oder des Wunsches nach mehr Wohnraumqualität – rund 10 Prozent der Deutschen ziehen jedes Jahr um. Dabei sind es insbesondere jüngere Menschen, die den Wohnort wechseln, sowie 2-Personenhaushalte. Das zeigt die „Umzugsstudie 2024“ der Deutschen Post. Hauptgrund für die wohnliche Veränderung sind mit 39 Prozent familiäre Gründe, fast gleichauf mit einer Verbesserung des Wohnumfelds oder des Wohnraums, gefolgt von höherem Platzbedarf. Verkleinern wollen sich hingegen deutlich weniger Menschen – nur 8 Prozent der Befragten gaben in der Untersuchung an aufgrund von geringerem Platzbedarf umgezogen zu sein.
Die Studie zeigt außerdem, dass es klare Favoritenmonate für den Wohnungswechsel gibt. Die meisten Umzüge finden im Juli und August statt. Zu diesem Ergebnis kommen auch andere Umfragen. Insbesondere das meist gute Wetter sowie die Sommerferienzeit scheinen hier eine Rolle zu spielen. Dementsprechend dürften wir uns aktuell in der Hochphase der Wohnraummobilität befinden.
Umziehen, wenn andere Urlaub machen, hat allerdings seinen Preis. Und auch wenn man sich häufig nicht unbedingt aussuchen kann, wann die neuen vier Wände bezugsbereit sind – aus ökonomischer Sicht sollten Juli und August tatsächlich eher gemieden werden. Unser Chart of the Week zeigt, dass die meisten Produkte und Dienstleistungen, die im Rahmen eines Umzugs angeschafft oder in Anspruch genommen werden, im Juli und August teurer sind als durchschnittlich im Gesamtjahr.
Durchschnittliche Mehrkosten für ausgewählte Produkte und Dienstleistungen im Juli und August im Vergleich zum Jahresdurchschnitt
(Durchschnitt 2015-2025)
Beispielsweise bedeutet ein Umzug für mehr als 30 Prozent der Deutschen einen kompletten innenarchitektonischen Neustart. Zudem schafft rund jeder Dritte zumindest partiell neue Möbel oder Einrichtungsgegenstände an. Und sowohl Möbel als auch Teppiche kosteten zwischen 2015 und 2025 im Juli und August jedes Jahr durchschnittlich 0,1 Prozent mehr als im Jahresdurchschnitt. Beleuchtung hingegen war rund 0,2 Prozent günstiger – hier scheinen die Sommermonate ein aus ökonomischer Sicht gut geeigneter Zeitpunkt für Neuanschaffungen zu sein. Auch ohne Umzug vor der Brust gut zu wissen, oder?
Auch die Inanspruchnahme eines Umzugsunternehmens ist in den beiden Sommermonaten teurer als im Jahresdurchschnitt, und wer die notwendigen Renovierungsarbeiten im neuen Zuhause nicht selbst erledigen möchte, wird auch hierfür stärker zur Kasse gebeten, als es im Rest des Jahres der Fall ist. Selbst die Reinigung der Wohnung bzw. die dafür benötigten Reinigungsmittel liegen im Juli und August preislich höher als im Rest des Jahres.
Die in dieser Woche veröffentlichten Detaildaten zur Juli-Inflation legen nahe, dass sich der Trend auch in diesem Jahr fortgesetzt haben dürfte. Im Vergleich zum bisherigen Rest des Jahres war Beleuchtung wieder günstiger zu haben – und zwar um 0,7 Prozent. Alle anderen Produkte und Dienstleistungen hingegen waren teurer. Maler- und Tapezierarbeiten kosteten im vergangenen Monat 2,2 Prozent mehr als im bisherigen Jahresdurchschnitt, Elektrikerarbeiten waren 2,6 Prozent teurer. Auch die Miete eines Fahrzeugs für Selbstumzieher oder der Umzug als in Anspruch genommene Dienstleistung waren im Juli teurer als durchschnittlich in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026.
Zwar geben Arbeitsbeginn, Schulwechsel oder die Verfügbarkeit der neuen Wohnung häufig den Takt vor. Wo Flexibilität möglich ist, kann die Wahl des Umzugsmonats jedoch bares Geld wert sein. Denn ausgerechnet dann, wenn die meisten Deutschen Kisten packen und Transporter mieten, steigen auch die Preise vieler typischer Umzugsausgaben.
Vielleicht sollten Ökonomen künftig doch an Umzugs-Checklisten mitschreiben. Denn zwischen Packliste und Ummelden gehört eigentlich noch ein weiterer Punkt: der richtige Umzugszeitpunkt.