Die Erzeugerpreise sind wieder ein Thema
Chart of the Week
Um 3,0 Prozent sind die Erzeugerpreise in Deutschland im Juli 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat angestiegen. Nur wenige Monate zuvor im Februar hatte der Wert noch fast spiegelbildlich auf der anderen Seite der Achse bei -3,3 Prozent gelegen. Die Steigerungsrate im Juli ist die höchste seit April 2023, als das Statistische Bundesamt einen Wert von 4,8 Prozent verzeichnete. Damals ging die Entwicklung aber in die andere Richtung: Die Steigerung der Erzeugerpreise hatte sich nach der vorherigen Rekordinflation bereits deutlich verlangsamt. In der Spitze hatte sie im September 2022 fast 39 Prozent im Vorjahresvergleich betragen. Von Mai 2023 bis Februar 2026 hingegen war der Wert in 28 von 34 Monaten negativ gewesen.
Der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte stellt die Preisentwicklung „ab Fabriktor“ für Produkte aus Bergbau, Verarbeitendem Gewerbe sowie Energie- und Wasserwirtschaft dar. Üblicherweise schwanken diese Preise stärker als diejenigen, die die Verbraucher beim Einkauf zahlen – unter anderem deshalb, weil der Einzelhandel bemüht ist, Schwankungen der Erzeugerpreise in seiner Kalkulation auszugleichen, um den Endkunden stabilere Preise präsentieren zu können. Auch negative Steigerungsraten, die beim Verbraucherpreisindex nur selten vorkommen, sind bei den Erzeugerpreisen keine Rarität.
Da die Erzeugerpreise die Preisentwicklung in einem frühen Stadium des Produktionsprozesses darstellen, gelten sie außerdem als Vorbote für die Verbraucherpreisinflation. Wie an unserem Chart der Woche abzulesen ist, konnten sie diese Prognosefunktion aber im Zuge der aktuellen Preissteigerungen nicht erfüllen. Im März, dem ersten Monat des derzeitigen Kriegs am Persischen Golf, stiegen Erzeuger- und Verbraucherpreise gleichzeitig an – getrieben von in die Höhe schnellenden Energiepreisen.
Erzeugerpreise steigen auf breiter Basis, Verbraucherpreise noch nicht
Steigerung gegenüber dem Vorjahresmonat in Prozent
Wie unser Chart ebenfalls zeigt, hatten genau diese Energiepreise in den Monaten zuvor noch in die entgegengesetzte Richtung gewirkt: In der Zeit bis Februar 2026 war Energie günstiger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum gewesen. Darauf gingen auch die bereits erwähnten negativen Steigerungsraten der Erzeugerpreise zurück. Diese hätten ohne den Einfluss günstiger Energie im positiven Bereich gelegen und um die 1-Prozent-Marke geschwankt. Ein ähnliches, wenn auch weniger stark divergierendes Bild zeichnen die Verbraucherpreise: Rechnet man den Einfluss der – zumindest im Jahresvergleich – günstigen Energie heraus, hätte die sogenannte „Headline Inflation“ im Laufe des Jahres 2025 näher an 3 als an 2 Prozent gelegen.
Die derzeitigen Erzeugerpreise werden dabei keineswegs nur von der jetzt wieder teureren Energie nach oben gedrückt: Auch ohne den Energieanteil steigen sie seit März immer schneller. Ein Anzeichen dafür, dass sich der anfängliche Effekt hoher Energiekosten nun auch in andere Bereiche fortpflanzt, zum Beispiel über Transportkosten oder eine energieintensive Produktion.
Bei den Verbraucherpreisen ist eine solche Entwicklung zumindest an unserem Chart noch nicht abzulesen, auch wenn ein Blick in die Komponenten des Verbraucherpreisindex erste Anzeichen erahnen lässt. Sollten aber die Erzeugerpreise der ihnen zugeschriebenen Prognosefunktion wieder gerecht werden, müssen wir uns wohl darauf einstellen, im weiteren Jahresverlauf auch bei der Verbraucherpreisinflation wieder Werte jenseits der 3 Prozent zu sehen. Die ohnehin schon von vielen Beobachtern als so gut wie sicher angesehene Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank auf ihrer kommenden Ratssitzung im September wird durch die jüngsten Preisentwicklungen wohl weiter gestützt werden.