Leitzinserhöhung, ick hör dir trapsen…

Chart of the Week

Mit 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat beziffert das Statistische Bundesamt in seiner jüngsten Schnellschätzung die Verbraucherpreisinflation im August gegenüber dem entsprechenden Monat des Vorjahres. Nach einem Rückgang im Mai und Juni hatte sich der Anstieg der Preise schon im vergangenen Monat wieder beschleunigt und liegt nun gleichauf mit dem Wert aus dem April, dem bislang höchsten des Jahres.

Haupttreiber dieses Anstiegs sind weiterhin die Energiepreise, die sich – wie auch schon im April – gegenüber dem Vorjahresmonat um mehr als 10 Prozent verteuerten. Auch für diesen Teilbereich des Warenkorbs war die Teuerungsrate zwischenzeitlich aufgrund des „Tankrabatts“ zurückgegangen, steigt aber seit Juli wieder an.

In der gesamten Eurozone hat die Inflation ebenfalls angezogen und einen Jahreshöchstwert erreicht, wie unser Chart der Woche zeigt. Die Steigerungsrate des harmonisierten Verbraucherpreisindex HICP, den auch die Europäische Zentralbank verwendet, liegt mittlerweile sogar bei 3,3 Prozent.

Inflationsraten in Deutschland und der Eurozone während des letzten Jahres

Der Chart zeigt den Verlauf des VPI, des HICP für Deutschland und des HICP für die Eurozone seit August 2025.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Eurostat

Angesichts dieses jüngsten Anstiegs der Teuerungsrate dürfte wohl kaum noch ein Weg daran vorbeiführen, dass die EZB auf ihrer Ratssitzung in der kommenden Woche eine erneute Leitzinserhöhung beschließt. Zwar bleibt es dabei, dass eine Zentralbank mit klassischer Geldpolitik nur wenig gegen einen exogenen Angebotsschock tun kann. Doch bereits auf der letzten Sitzung im Juli hatten sich einige Ratsmitglieder für einen weiteren Zinsschritt nach der Erhöhung im Juni ausgesprochen – und seitdem hat sich die Wirtschaft der Eurozone erstaunlich resilient gegenüber diversen Widrigkeiten gezeigt.

Auch der für nächste Woche schon länger erwartete Zinsschritt dürfte in die Kategorie „insurance hike“ fallen – also eine Zinserhöhung, die eher vorsichtshalber vorgenommen wird und das Ziel hat, die Glaubwürdigkeit der EZB bei der Inflationsbekämpfung zu stärken und Zweitrundeneffekten nach Möglichkeit vorzubeugen.

Fraglich bleibt jedoch, ob diesem Zinsschritt weitere folgen werden. Mit einer Erhöhung um 25 Basispunkte läge der Leitzins bei 2,5 Prozent und die Geldpolitik der EZB noch im neutralen Bereich – weitere Erhöhungen würden eine bewusst restriktive Ausrichtung bedeuten. Angesichts steigender Anleiherenditen mit ihren Auswirkungen auf die Staatsfinanzierung sowie einer Wirtschaft, die zwar robust, aber nicht überhitzt ist, erscheint dies wenig wahrscheinlich. Die jüngsten Renditeanstiege an den Anleihemärkten verschärfen bereits die Finanzierungsbedingungen – die EZB dürfte daher keine Ambitionen haben, für neue Spannungen an den Finanzmärkten zu sorgen.

Autor: Sebastian Franke