Der Tankrabatt: Wirksamer als sein Ruf, aber dennoch nicht die ideale Lösung

Chart of the Week

Wenn die Benzinpreise steigen, dauert es meist nicht lange, bis die Forderung nach Entlastungsmaßnahmen laut wird. Angesichts des aktuellen Energiepreisschocks wird daher erneut über einen sogenannten Tankrabatt diskutiert, also eine zeitweise Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, wie es sie im Jahr 2022 und auch bereits im Juni dieses Jahres gegeben hatte. Die Kritik daran lässt dabei nicht lange auf sich warten: Die Mineralölkonzerne würden die Steuerermäßigung schlicht als zusätzlichen Gewinn einstreichen, während beim Verbraucher wenig bis nichts davon ankommt.

Verschiedene Untersuchungen kamen allerdings zumindest hinsichtlich des 2022er Tankrabatts dem Schluss, dass damals ein großer Teil der Steuererleichterung tatsächlich an die Verbraucher weitergegeben wurde. Je nach Studie und Kraftstoffsorte lag die Weitergabe teilweise bei deutlich über zwei Dritteln, in einigen Untersuchungen sogar nahe an 100 Prozent. Zwar profitierten nicht alle Autofahrer in gleichem Umfang und die Wirkung unterschied sich regional sowie im Zeitverlauf. Die häufig geäußerte Behauptung, die Entlastung sei nahezu vollständig bei den Mineralölkonzernen hängen geblieben, findet in den Daten jedoch kaum Unterstützung. Wie unser Chart der Woche zeigt, verlief nach einer Untersuchung des ifo-Instituts die Entwicklung der Kraftstoffpreise quasi im Gleichklang mit denen im Nachbarland Frankreich, wo es keine entsprechende Änderung in der Besteuerung gegeben hatte.

Der Tankrabatt kam größtenteils an

Der Chart zeigt die Entwicklung der Kraftstoffpreise in Deutschland (mit Tankrabatt) und Frankreich (ohne Tankrabatt) während des Sommers 2022.
Quelle: ifo, Tankerkönig, Le prix des carburants

Warum war die öffentliche Wahrnehmung dennoch so negativ? Ein Grund dürfte darin liegen, dass der Tankrabatt in eine Zeit außergewöhnlich hoher Schwankungen an den Energiemärkten fiel. Rohölpreise, Raffineriekosten, Wechselkurse und geopolitische Risiken änderten sich teils innerhalb weniger Tage. Selbst wenn die Steuersenkung den Kraftstoffpreis dämpfte, konnten andere Preistreiber diesen Effekt teilweise überlagern. Für viele Autofahrer blieb daher vor allem die Erinnerung an weiterhin hohe Preise bestehen.

Hinzu kommt ein psychologischer Faktor: Verbraucher nehmen Preissteigerungen meist deutlich stärker wahr als Preisrückgänge. Wer wenige Wochen zuvor noch einen drastischen Anstieg erlebt hatte, empfand eine anschließende Entlastung schnell als unzureichend. Dass der Preis ohne Tankrabatt womöglich noch höher gewesen wäre, lässt sich im Alltag naturgemäß nur schwer beobachten.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Tankrabatt die ideale Antwort auf hohe Energiekosten wäre. Selbst wenn die Entlastung überwiegend bei den Bürgern ankommt, bleibt sie vor allem eine kurzfristige Maßnahme zur Symptombekämpfung. Sie kann finanzielle Belastungen abfedern, beseitigt jedoch nicht die Ursachen hoher Energiepreise. Solange Wirtschaft und private Haushalte in hohem Maße von fossilen Brennstoffen abhängig sind, bleiben sie anfällig für geopolitische Krisen, Angebotsschocks und starke Preisschwankungen auf den Weltmärkten. Eine nachhaltige Energiepolitik sollte daher weniger darauf abzielen, die Folgen hoher Fossilenergiepreise regelmäßig zu kompensieren, sondern die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen Schritt für Schritt zu verringern. Nur so lässt sich die Verwundbarkeit gegenüber künftigen Preisschocks dauerhaft reduzieren.

Autor: Sebastian Franke