Spürbare Erleichterung

Chart of the Week

Da ist er endlich, der langersehnte „Deal“: Nach mehr als einem Vierteljahr kriegerischer Auseinandersetzungen am Persischen Golf haben USA und Iran in Gestalt der Präsidenten Donald Trump und Masoud Pezeshkian ein „Memorandum of Understanding“ unterzeichnet, also eine Art Absichtserklärung. Von einem Abkommen, das die Feindseligkeiten endgültig beilegt, oder gar einem Friedensvertrag ist dieses Dokument noch weit entfernt. Eine Reihe von Punkten sind noch gar nicht ausverhandelt, sondern sollen erst noch zu einem Abschluss gebracht werden, während diejenigen Aspekte umgesetzt werden sollen, über die man sich schon einig werden konnte.

Die noch offenen Punkte betreffen unter anderem das iranische Atomprogramm – oder auch, inwieweit sich Israel an das Abkommen gebunden fühlt, beispielsweise in Bezug auf die Auseinandersetzungen mit der Hisbollah im Libanon. Ebenso ist noch unklar, wie in Zukunft die freie Passage durch die Straße von Hormus geregelt und sichergestellt werden soll. Als wichtigster Erfolg – neben der Tatsache natürlich, dass endlich die Waffen schweigen – wird aber weithin aufgefasst, dass dieses Nadelöhr der globalen Energieversorgung überhaupt endlich wieder geöffnet werden soll. Die wechselseitige Blockade durch iranische und US-Streitkräfte hatte den Energiepreisschock der letzten Monate befeuert.

Auf dem Niveau bei Kriegsbeginn

Ölpreis (Sorte Brent, in USD je Barrel, Tagesschlusskurse)

Der Chart zeigt die Entwicklung des Ölpreises seit Jahresbeginn.
Quelle: SIX Financial Information

Und so war dann auch die Erleichterung an den Finanzmärkten deutlich spürbar, als sich in den letzten Tagen nach immer wieder von Drohungen unterbrochenen Verhandlungen endlich eine Einigung abzeichnete: Seit Dienstag letzter Woche gab der Ölpreis um 17 Prozent nach, wie unser Chart der Woche zeigt.

An diesem kann aber auch abgelesen werden, dass der Ölpreis immer noch knapp ein Drittel höher liegt als zu Jahresbeginn und aktuell ungefähr das Niveau vom Beginn der US-Angriffe Anfang März erreicht hat. Mit einem weiter schnell sinkenden Ölpreis ist dabei nicht zu rechnen. Der Stau in der Straße von Hormus muss sich erst einmal wieder auflösen – und auf das dann endlich lieferbare Öl und Gas wird von den Abnehmern ja schon dringend gewartet, die Nachfrage bleibt also hoch. Weil mangels Abtransportmöglichkeiten auch die Produktion teilweise zum Erliegen gekommen war, dürften der Weltwirtschaft selbst bei günstigem weiteren Verlauf rund 1,7 Milliarden Barrel Öl schlichtweg fehlen.

Auch an deutschen Zapfsäulen dürfte sich so zunächst keine große Entlastung einstellen, zumal ja zum Ende des Monats die als „Tankrabatt“ bezeichnete Steuervergünstigung von 17 Cent je Liter ausläuft. Und die indirekten Effekte auf die Inflation insgesamt – zum Beispiel durch höhere Transportkosten – beginnen gerade erst, sich zu zeigen. Zumindest für den Rest des Jahres werden die Verbraucher hierzulande wohl noch die Effekte des Krieges im eigenen Geldbeutel spüren.

 

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Autor: Sebastian Franke