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Lauter schwarze Schwäne

Chart of the Week | 31.01.2020

Nach einem unruhigen Start ins Jahr aufgrund der angespannten US-amerikanisch/iranischen Beziehungen geht es ebenso turbulent weiter. Denn das Coronavirus hält die Welt in Atem. Und das hat auch ökonomische Folgen. 

 

Innerhalb weniger Wochen hat sich das Virus von der Millionenstadt Wuhan in China aus über die Welt ausgebreitet. Bei diesem Virus handelt es sich um einen neuartigen Erreger, der Lungenentzündungen und schwere Atembeschwerden hervorrufen kann. Mittlerweile wurden nach offiziellen Angaben über 9.600 Erkrankungsfälle und 200 Todesfälle in China bestätigt, weltweit wurden zusätzlich über 130 Fälle gemeldet, darunter in Frankreich, den USA, Singapur, Australien, sowie erste Fälle in Deutschland.

 

In China, wo gerade eigentlich das chinesische Neujahrsfest gefeiert und zum Anlass genommen wird, rund um die Feiertage die Familie zu besuchen, gibt es zahlreiche Reiseeinschränkungen. Teilweise stehen sogar ganze Städte unter Quarantäne, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Und das wirkt sich auf die Wirtschaft aus. Die Reisetätigkeit wird reduziert oder komplett eingestellt, Schulen bleiben geschlossen und Unternehmen dürfen in einigen Regionen ihren Betrieb nicht vor Mitte Februar wieder aufnehmen. Das belastet den Einzelhandel, die Freizeitbranche, den Industriesektor und auch der internationale Tourismus- und Geschäftsreisesektor dürfte aufgrund der Einschränkungen innerhalb und außerhalb Chinas leiden. Zumindest kurzfristig wird dies die Wirtschaftsleistung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt beeinträchtigen.

 

Waren Investitionen lange Zeit Wachstumstreiber der chinesischen Wirtschaft, so leistet seit einigen Jahren der Inlandskonsum den wichtigsten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt, wie unser Chart der Woche zeigt. 2018 trugen Konsumausgaben über 76% zum BIP bei, 2019 dürften es sogar über 80% gewesen sein. Wenn dieser Wachstumstreiber nun schwächelt, gerät die ohnehin schon angeschlagene chinesische Wirtschaft noch stärker in Schieflage.

Beitrag zum chinesischen BIP (%)

Quelle: Refinitiv Datastream, ING Economic & Financial Analysis

Zwar ist es nicht möglich, die direkten ökonomischen Kosten einer solchen Krankheitsausbreitung zu berechnen. Doch die chinesische Wirtschaft ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und Chinas Einfluss auf die Weltwirtschaft sogar noch um einiges größer als vor über einem Jahrzehnt, als das SARS-Coronavirus Märkte in Atem hielt und das chinesische BIP vom ersten auf das zweite Quartal um 2 Prozentpunkte verringerte. Daher machen sich die Unruhe und die möglichen Auswirkungen rund um das Virus und die Weltwirtschaft auch an den Aktien- und Anleihemärkten bemerkbar. Sichere Häfen sind gefragt.

 

Dass das neue Jahr so turbulent starten würde, hat wohl kein Analyst oder Ökonom vorhergesehen. Nach den Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran zeigt sich nun ein zweiter schwarzer Schwan – also ein höchst unwahrscheinliches Ereignis. Bei einem so turbulenten Jahresanfang kann man für den Rest des Jahres nur das Beste hoffen, aber doch auf das Schlimmste vorbereitet sein.  

 

Fünf weitere schwarze Schwäne gibt es hier und in unserer englischsprachige Analyse „"Coronavirus: Gauging the market fall-out"“ schauen sich die Kollegen im Detail die Auswirkungen auf verschiedene Märkte an.

Autor: Inga Fechner