Sommer, Sonne, Spannung – mit dem Elektroauto ins Ausland

Chart of the Week

Ein Plus von 24,5 % im Juni, ein Halbjahreszuwachs von 14,9 %. Wer angesichts ehrgeiziger Klimaziele ans Ende des Autos denkt, dürfte bei den Neuzulassungen von Pkw in Deutschland den Abgesang aufs Auto wieder kassieren. Zwar erreichen die Zuwachsraten noch nicht wieder das Vorkrisenniveau, eine Abkehr sieht jedoch anders aus. Das ist auch dem zunehmenden Anteil an Elektroautos zu verdanken, die im ersten Halbjahr über ein Fünftel aller Neuzulassungen ausmachten. Die Subventionen sind da, die Nachfrage auch. Was fehlt also noch zum großen Elektroautoglück?

Die nicht nur hierzulande heiß diskutierte flächendeckende Ladeinfrastruktur. Denn je nach elektrisch betriebenem Modell sollte man sich den Ausflug ins Blaue schon in Deutschland gut überlegen. Ein spontaner Besuch bei den europäischen Nachbarn gestaltet sich dabei noch ‚spannender‘, wie unser Chart der Woche zeigt.

Bei den deutschen Top-10 Urlaubsdestinationen in der EU gibt es gerade einmal in den Niederlanden im Schnitt mehr als eine Ladestation pro Quadratkilometer. Auch das Lieblingsurlaubsland der Deutschen, Österreich, schneidet gut ab. Schon eine Ecke herausfordernder wird es gen Süden Europas in Italien, Portugal und Spanien, während sich richtige Elektroauto-Abenteurer mit viel Zeit nach Polen oder Griechenland aufmachen könnten. 

Auf wie viele km2 Fläche kommt durchschnittlich eine Ladestation in den Top-10 EU-Urlaubsländern der Deutschen? (je niedriger, desto besser; Ranking der beliebtesten Region in Klammern)

Quelle: EAFO, ACEA, Destatis, ING Economic & Financial Analysis

Doch die EU-weiten Unterschiede sind noch gravierender wie eine Auswertung des Europäischen Automobilherstellerverbands (ACEA) zeigt. Denn 70 % aller öffentlich zugänglichen Ladestationen verteilen sich in der EU auf drei Länder – die Niederlande, Frankreich und Deutschland –, diese drei Länder machen jedoch nur 23 % der Gesamtfläche der EU aus. Auf die restlichen 77 % der Fläche der EU entfallen somit gerade einmal 30 % der derzeitigen Ladeinfrastruktur.

Um die Ziele der EU-Kommission, die CO2-Emmissionen bis 2030 um 50% zu reduzieren, EU-weit zu erreichen, liegt also noch eine weite Strecke vor den Mitgliedsländern. Noch muss gut geplant werden, wenn man mit dem Elektroauto das EU-Ausland ansteuern möchte und die Urlauber sollten nicht funktionierende Ladevorgänge, unterschiedlichste Apps und den einen oder anderen ungeplanten längeren Aufenthalt an einem Ort miteinrechnen. Mehr Ladepunkte sind für die weitere Flottenelektrifizierung ein Muss – allein schon dafür, damit dann im nächsten Urlaub die Handtücher nicht schon früh morgens auf den Ladesäulen liegen.

Autor: Inga Fechner