Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser

Damit bleibt Ihr Banking sicher und unsere Internetseite wird auch in Zukunft optimal dargestellt.

Mehr Informationen
Bitte installieren und nutzen Sie den aktuellen Chrome Browser

Damit bleibt Ihr Banking sicher und unsere Internetseite wird auch in Zukunft optimal dargestellt.

Mehr Informationen

Zwei Seiten der gleichen Medaille

Seit Anfang des Jahres hat der DAX gut 10% zugelegt und damit die Hälfte der Verluste des letzten Jahres wieder gut gemacht. Weltweit haben einige Aktienmärkte noch mehr zugelegt und hatten das beste Quartal seit 2010. Im gleichen Zeitraum ist die Rendite auf deutsche Staatsanleihen mit gut 30 Basispunkten gesunken. Zum ersten Mal seit 2016 befindet sich die Rendite deutscher 10-jähriger Staatsanleihen im negativen Territorium. Während eine Rally an den Aktienmärkten normalerweise ein Zeichen von Konjunkturoptimismus ist, spiegeln sinkende Umlaufrenditen gestiegenen Konjunkturpessimismus wider. Wer hat nun Recht?

 

Die Antwort klingt widersprüchlich, ist aber ganz einfach: beide. Denn die Verbindung zwischen diesen scheinbar so unterschiedlichen Entwicklungen sind die Notenbanken. In den letzten Monaten haben vor allem die amerikanische Fed und die EZB ihre Geldpolitik bzw. die dazugehörige Kommunikation deutlich verändert. Beide Notenbanken haben eine Kehrtwende hingelegt. Eigentlich sollte das Jahr 2019 das Jahr der (weiteren) geldpolitischen Normalisierung werden. Die Eintrübung der Konjunktur und vor allem im Falle der Fed auch die starken Kurseinbrüche an der Wall Street haben in Washington und Frankfurt die Alarmglocken schrillen lassen. Man ist wieder auf Habachtstellung.

 

Während die Finanzmärkte Ende letzten Jahres noch von mindestens vier weiteren Zinsschritten in den USA ausgingen, gibt es mittlerweile sogar erste Spekulationen über eine Zinssenkung der Fed. Das geht wohl zu weit, aber Zinserhöhungen sind definitiv vom Tisch. In der Eurozone ist das Bild sehr ähnlich. Hier stand ein weiterer Abbau der sogenannten unkonventionellen geldpolitischen Instrumente auf der Agenda. Die Wirklichkeit sieht jetzt allerdings ganz anders aus. Wenn überhaupt wird die EZB den Zins eher noch mal senken als erhöhen. Mindestens bis zur Amtsübergabe von EZB Präsident Mario Draghi an seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin wird sich daran auch nichts ändern.

 

Und so haben die Anleihenmärkte vollkommen Recht, wenn sie sich aktuell auf japanische Verhältnisse einstellen. Das ist nicht mal ein extrem schwarzmalerisches Szenario. Eher ein Szenario mit niedrigem, aber positivem Wachstum und niedriger Inflation. Ein Szenario, das Notenbanken sehr wenig Spielraum gibt, aus der sehr lockeren Geldpolitik auszusteigen. Hinzu kommt auch, dass Notenbanken anders als so oft in den letzten Jahrzehnten deutlich Angst haben, mit zu schneller geldpolitischer Normalisierung die Konjunktur abzuwürgen. Daraus entwickelt sich ein asymmetrisches Muster: sobald Gefahr aufzieht, reagieren die Notenbanken mit Lockerung, während sie in besseren Zeiten (zu) lange mit Normalisierung warten.

 

Die Aktienmärkte freut es. Die Aussicht auf niedrige Zinsen unterstützt – ganz getreu der TINA Regel (There Is No Alternative) – die Laune der Börsianer. Einige ganz Verwegene denken sogar, dass der nächste Schritt der Notenbanken der Aufkauf von Aktien sein könnte. Wenn alles nicht mehr hilft… So weit ist es noch lange nicht und die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass nichts so vergänglich ist wie aktuell oh so überzeugende Zusammenhänge an den Börsen. Wie dem auch sei, momentan erzählen Aktien- und Anleihenmarkt einfach nur zwei Seiten der gleichen Medaille.

 

Um dieses Thema geht es unter anderem auch in unserer Podcast-Folge "Welche Signale senden uns die Märkte?".

Autor: Carsten Brzeski