Nachhaltigkeit und Green Finance: Vom Pflichtprogramm zum Wettbewerbsvorteil
Die ING-Studie zeigt, ESG und Sustainable Finance bleiben Teil der Unternehmenspraxis, gelten am Markt jedoch als Randthema
- ESG bleibt für Unternehmen ein strategisch relevantes Thema
- Geo- und wirtschaftspolitische Unsicherheiten verzögern die nachhaltige Transformation
- Unternehmen sehen ESG als Wachstumsmotor und Wettbewerbsvorteil
- Unternehmen fordern mehr Klarheit und Stabilität bei den regulatorischen Rahmenbedingungen für Nachhaltigkeit
Frankfurt am Main, 15. April 2026 – Für deutsche Unternehmen bleibt Sustainable Finance ein strategisch wichtiges Thema. Viele Firmen haben ESG (Environmental, Social, Governance) längst in ihrer Geschäftsstrategie verankert. Dies geht aus einer Studie der ING Deutschland, in Zusammenarbeit mit F.A.Z. BUSINESS MEDIA I research und dem FINANCE Magazin, hervor. Dazu wurden 159 Finanzentscheider und 152 Unternehmensentscheider zur Bedeutung von ESG-Faktoren und zu nachhaltigen Finanzierungslösungen befragt.
Die Studienergebnisse zeigen einen deutlichen Unterschied zwischen Unternehmensrealität und der Marktwahrnehmung, in der Sustainable Finance und ESG scheinbar keine Rolle mehr spielen. Trotz geopolitischer Unsicherheiten und wirtschaftlichem Druck bleibt ESG für über 70 Prozent der Finanzentscheider ein strategisch relevantes Thema. Jedoch gewinnen ESG-Themen nicht weiter an Bedeutung, sondern verharren gegenüber dem Vorjahr auf gleichbleibendem Niveau.
„Obwohl derzeit die Bedeutung von ESG-Themen stagniert, hat sich die Nachfrage nach nachhaltigen Finanzierungslösungen in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Aus einem kurzfristigen Trend ist ein stabiler, gereifter Markt geworden“, sagt Eddy Henning, Firmenkundenvorstand der ING Deutschland.
Nachhaltige Transformation als Wachstumstreiber
Trotz verbreiteter Skepsis betrachten mehr als 60 Prozent der Unternehmensentscheider die nachhaltige Transformation als wichtigen Wachstumsmotor für Deutschland und glauben zudem an ESG als langfristigen Wettbewerbsvorteil.
Gleichzeitig bestätigen 31 Prozent der Geschäftsführer, dass geo- und wirtschaftspolitische Unsicherheiten die Transformation im vergangenen Jahr deutlich verzögert haben. 32 Prozent der Unternehmen beobachten zumindest teilweise Verzögerungen. In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten steht für viele Unternehmen somit zunächst die unmittelbare profitable Geschäftsentwicklung im Fokus.
„Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheit zeigt sich, wie strategisch bedeutsam ESG ist. Insbesondere das „E“ leistet heute einen entscheidenden Beitrag zur Handlungsfähigkeit von Unternehmen. Energieunabhängigkeit ist dafür ein gutes Beispiel: Wer auf erneuerbare, lokal erzeugte Energie setzt, verschafft sich nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern reduziert auch geopolitische Risiken“, kommentiert Firmenkundenvorstand Eddy Henning.
Regulatorische Unsicherheiten als Bremse
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen der nachhaltigen Transformation sind für viele Unternehmen jedoch nicht praxistauglich. Neun von zehn befragten Geschäftsführern fordern hier mehr Klarheit und Stabilität. 71 Prozent sehen die Berichterstattung als zu bürokratisch an. Vor allem aufwändiges Reporting und Dokumentation fordern Unternehmen dabei heraus, ESG-Kriterien zu erfüllen. Auch die Komplexität und häufige Änderungen der Regulatorik hindern Unternehmen daran, ESG-Anforderungen umzusetzen. Zudem ist es oftmals schwierig für Unternehmen, die benötigten Daten vollständig und verlässlich zu beschaffen.
Um ESG-Aktivitäten dennoch auf eine solide Datengrundlage zu stellen, setzt der Großteil der Unternehmen vor allem auf klar definierte, messbare Zielwerte sowie regelmäßiges Monitoring und Reporting der eigenen ESG-Performance.
Transparente und glaubwürdige Berichterstattung gewinnt an Bedeutung
Kapitalgeber wie Banken und Investoren setzen sich für transparente und glaubwürdige Nachhaltigkeitsaktivitäten in Unternehmen ein. So gibt mehr als die Hälfte der Finanzentscheider an, dass Geldgeber eine regelmäßige und verlässliche ESG-Berichterstattung verlangen. Gleichzeitig erwarten 61 Prozent der Finanzentscheider in Unternehmen, dass Banken sie zu nachhaltigen Finanzierungen beraten. Dies spiegelt sich auch in der Praxis wider: 77 Prozent der Finanzentscheider haben sich bereits mit nachhaltigen Finanzierungsinstrumenten beschäftigt – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr und ein neuer Rekordwert in der siebten Auflage der Studienreihe. Das Interesse an Sustainable Finance erweist sich damit selbst in unsicheren Zeiten als robust.
Zentrale Studien-Ergebnisse auf einen Blick: https://www.finance-magazin.de/research/studien/green-finance-vom-pflichtprogramm-zum-wettbewerbsvorteil/
Studien-PDF mit ergänzenden Tiefeninterviews (PDF, 1.9 MB)
Methodik: Für die Studie „Nachhaltigkeit und Green Finance. Vom Pflichtprogramm zum Wettbewerbsvorteil“ führte F.A.Z. Business Media | research im Auftrag von ING Deutschland und FINANCE im Januar und Februar 2026 eine Online-Befragung unter 159 Finanzentscheidern und 152 Unternehmensentscheidern (Geschäftsführer und CSR-Verantwortliche) in Deutschland durch. Es handelt sich um die siebte Green-Finance-Studie seit dem Beginn der jährlich durchgeführten Befragung im Jahr 2020.
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