Digitales Erbe

Was passiert mit Online-Daten und Internet-Profilen im Todesfall?

20150624_Baukosten_artikel

© kebox - Fotolia.com

Über 90% der Internetnutzer sorgen zu Lebzeiten nicht dafür, dass im Todesfall eine Vertrauensperson Zugriff auf ihre Online-Daten hat. Erben stehen dadurch häufig vor finanziellen, aber auch zusätzlichen emotionalen Hürden. Wer rechtzeitig Vorkehrungen zum digitalen Nachlass trifft, macht es Hinterbliebenen erheblich leichter.

Ohne Zugangsdaten sind Angehörige oft hilflos

Laut Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) stirbt alle drei Minuten ein Facebook-Nutzer, ohne dass geregelt ist, was mit seinem Profil, seinen Posts, Bildern und Kontakten geschehen soll. Gleiches gilt für in Clouds abgelegte Fotos, Musik, Filme und Privatvideos. Traurige Wahrheit: Mangels Zugangsdaten können Angehörige oft nicht auf Fotos, Filme oder Videos der Verstorbenen zugreifen – und sie so weder löschen noch als persönliche Erinnerung verwahren.

Surfer besitzen im Schnitt acht Online-Verträge

Ohne E-Mail-Zugang und Passwörter erfahren Erben auch oft zu spät von Online-Versicherungen des Verstorbenen, kostenpflichtigen Internet-Abos oder Rechnungen aus Onlinebestellungen. Teuer kann es werden, wenn ein Erbe nicht ahnt, dass Abos oder Verträge existieren und diese unbemerkt weiterlaufen. Mit Antritt des Erbes ist er in der Regel auch in der digitalen Welt verpflichtet, Kosten für ungekündigte Dienste und Verträge des Verstorbenen zu erfüllen. In Unkenntnis von Nutzerdaten verschenkt er möglicherweise auch Guthaben bei Paypal, Auktionshäusern oder in Form von Bitcoins.

Digitale Nachlassverwalter bieten Unterstützung an

Fehlen sämtliche Zugangsdaten, bieten digitale Nachlassverwalter ihre Hilfe an. Einige Anbieter recherchieren den digitalen Nachlass im Internet, löschen ihn oder setzen Profile in den Gedenkmodus. Andere Dienstleister wiederum bieten an, zu Lebenszeiten ein digitales Schließfach gegen eine einmalige Gebühr einzurichten, in dem personenbezogene Zugänge und Passwörter verschlüsselt abgespeichert werden. Nach dem Ableben des Schließfachinhabers und unter Vorlage einer beglaubigten Sterbeurkunde werden die Daten anschließend an die Angehörigen weitergegeben.

Passwörter sicher hinterlegen

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen rät jedoch davon ab, Passwörter gegen eine Gebühr Unternehmen anzuvertrauen, die sie im Ernstfall an Angehörige weitergeben. Die Sicherheit solcher Unternehmen sei schwer einzuschätzen, zumal die Daten in der Regel in einer Cloud hinterlegt würden, so der Verband. In seinem Online-Leitfaden "#machtsgut" gibt er Tipps, wie man zu Lebzeiten den digitalen Nachlass regeln kann.

So vererbt man digitalen Nachlass richtig

Festlegen sollte man zunächst, wer sich um den digitalen Nachlass kümmern soll und wie das geschehen soll. Hilfreich ist es, eine kurze Anleitung zu verfassen und alle relevanten Passwörter beizufügen, z.B. auf einem USB-Stick. Wichtig: Alles zusammen sollte sicher aufbewahrt werden, z.B. in einem Safe oder einem Bankschließfach. Mithilfe eines Passwortmanager kann man sämtliche Zugangsdaten auch gebündelt abspeichern. Vorteil: Dann muss man nur noch ein Masterpasswort hinterlegen und an den Erben weitergeben.

Autor: Natascha Derbort


Ihre Meinung

Kommentare (7)


Kommentare

Ulro

16.10.2017

Ganz prima, das darauf hingewiesen wird. Ich habe vor kurzem meinen digitalen Nachlass abgesichtert, für den Fall des Falles. Glaube sinnvoll mit 73 Jahren, aber auch , wenn man jung ist, sollte man dies tun!


deckerc

11.10.2017

Sehr schöne Infos ,vielen Dank!


W. Grüneberg

10.10.2017

Das ist ein sehr guter Hinweis. Danke!


Gunnar Tietze

19.05.2017

Sollte nicht der Gesetzgeber klar regeln, dass der Nachlassverwalter selbstverständlichen Zugriff auf das digitale Erbe erhält, egal ob Facebook, Google oder Microsoft, und zwar weltweit? Diese Frage ist gleichrangig wie bei den herrenlosen Vermögen auf Bankkonten zu sehen. Warum nicht einfach diese Regeln fürs Digitale übernehmen?


Horst Bock

08.05.2017

Ich beschäftige mich schon einige Zeit mit diesem Thema,
ich finde Ihre Tipps sehr gut und bin der Meinung jeder der sich damit beschäftigt, sollte auch sein Umfeld mit diesem Thema konfrontieren.
Damit es keinen Ärger mit den "vielen" Accounts gibt,die sich im Laufe eines IT Lebends ansammeln.


Otto Lennartz

07.04.2017

war sehr hilfreich, Danke


Dieter Müller

23.09.2015

Danke für diesen Hinweis, man denkt nicht daran, ist aber so wichtig.