Energieausweis für Wohngebäude

Energieeffizienz vergleichen und Geld sparen | 02.10.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Wichtig für alle, die wohnen: Mit dem Energieausweis für Wohngebäude können Sie auf einen Blick sehen, wie energieeffizient eine Immobilie ist. Wer clever vergleicht, schützt das Klima und senkt seine monatlichen Kosten. So einfach funktioniert’s:

Grünes Licht oder rote Karte?

Mit dem Energieausweis für Wohngebäude können Sie sich einen ersten Eindruck über die Energieeffizienz einer Immobilie machen.
 
Mit den bunten Energieeffizienzklassen sehen Sie auf einen Blick: ein rotes H ist gar nicht effizient, ein grünes A+ dagegen schon. Vergleichswerte im Ausweis geben zusätzlich an, ob das Haus besser oder schlechter als andere dasteht.
 
Da alle jetzt ungefähr einschätzen können, wie klimafreundlich ein Gebäude ist, sollen Eigentümerinnen und Eigentümer motiviert werden, ihre vier Wände zu modernisieren. Mieter/-innen und Käufer/-innen können sich dann für die Immobilie entscheiden, die Energie möglichst effizient nutzt, und so Energiekosten sparen.

Wer braucht ihn?

Der fünfseitige Energieausweis ist Pflicht für fast alle, die ein Wohngebäude neu bauen, verkaufen oder vermieten wollen. Auch beim Sanieren, zum Beispiel zum KfW-Energieeffizienzhaus, muss er immer dabei sein. Es gibt Ausnahmen, zum Beispiel für Baudenkmäler und kleine Gebäude mit weniger als 50 Quadratmeter Nutzfläche. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie einen Ausweis benötigen, fragen Sie am besten beim nächsten Bauamt nach.

Was steht drin?

Seite 1: Allgemeine Angaben

Neben dem Baujahr, dem Alter der Heizung und Angaben zu den verwendeten Energieträgern (zum Beispiel Heizöl, Gas) finden Sie auf der ersten Seite das Gültigkeitsdatum: maximal zehn Jahre ist der Ausweis gültig.

Seite 2: Energieausweis auf Basis des Energiebedarfs

Zwei Berechnungsmethoden gibt es, nur eine wird jeweils angewendet. Achten Sie darauf, immer nur Werte zu vergleichen, die mit der gleichen Methode ermittelt wurden.
 
Beim Energieausweis nach Energiebedarfsrechnung wird der energetische Zustand des Gebäudes bewertet und so ein theoretischer Endenergiebedarf ermittelt. Wie viel Energie in den letzten Jahren tatsächlich verbraucht wurde, spielt dabei keine Rolle. In der Regel kommt dazu eine Expertin oder ein Experte direkt ins Haus. Je genauer die Daten aufgenommen wurden, desto aussagekräftiger ist das Ergebnis.
 
Diese Berechnungsmethode ist Pflicht für Neubauten und unsanierte Altbauten mit höchstens vier Wohnungen, für die der Bauantrag vor dem 01.11.1977 gestellt wurde und die nicht der Wärmeschutzverordnung von 1977 entsprechen.

Seite 3: Energieausweis mit Verbrauchsrechnung

Bei dieser Berechnungsmethode wird der durchschnittliche Endenergieverbrauch auf Grundlage der Heizkostenabrechnungen der letzten drei Jahre berechnet. Auch bei Mehrfamilienhäusern wird der Verbrauch immer fürs gesamte Gebäude ermittelt, so dass sich Unterschiede im Nutzerverhalten weitgehend ausgleichen – ein berufstätiger Single heizt zum Beispiel anders als eine dreiköpfige Familie.

Primärenergiebedarf/-verbrauch

Schon bevor ein Energieträger zu Hause für Wärme sorgt, hat er bei der Produktion und Bereitstellung Energie verbraucht und CO2 ausgestoßen. Das berücksichtigt der Primärenergiebedarf oder -verbrauch. Der Endenergiebedarf oder -verbrauch wird dabei mit einem Primärenergiefaktor multipliziert. Je nach Klimafreundlichkeit und Nachhaltigkeit des Energieträgers ist der Faktor höher oder niedriger. Mit dem richtigen Energiemix und dem Einsatz von erneuerbaren Energien können Eigentümer/-innen den Wert reduzieren und so die Umweltbilanz ihres Gebäudes verbessern.

Seite 4: Empfehlungen zur Modernisierung

Hier sehen Sie kurz und knapp, wie der Energieverbrauch des Gebäudes gesenkt werden kann. Für Eigentümerinnen und Eigentümer ein erster Schritt, Einsparpotenziale zu erkennen. Mieter/-innen und Kaufinteressenten können so sehen, wo die Klimabaustellen liegen.
 
Auf Seite 5 finden Sie Erläuterungen zum Energieausweis.

Vergleichen und Geld sparen

Je niedriger der Endenergiebedarf oder -verbrauch, desto besser ist die Energieeffizienz des Gebäudes. Im Mittelfeld liegt ein Bestandsgebäude mit 150 Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche im Jahr und damit in der gelben Effizienzklasse E. Zum Vergleich: Ein grünes KfW-Effizienzhaus 40 in der besten Effizienzklasse A+ braucht nur 25 Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche und Jahr (kWh/m²a). Dunkelrot wird’s in der letzten Klasse H im unsanierten Altbau ab 250 kWh/m²a.
 
Das Einsparpotenzial ist enorm: Laut der Verbraucherzentrale NRW liegen bei einem Preis von 6 Cent pro Kilowattstunde die durchschnittlichen jährlichen Energiekosten eines Gebäudes der Effizienzklasse A+ bei 2 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, im E-Mittelfeld zahlen Sie 14 Euro und in der schlechtesten Klasse H sind Sie ab 25 Euro dabei. Natürlich sind das nur ungefähre Werte. Die tatsächlichen Kosten sind von Ihrem Nutzungsverhalten, dem verwendeten Energieträger und weiteren Faktoren abhängig.
 
Hinweis: Effizienzklassen gibt’s erst seit Mai 2014. Es sind auch noch ältere Ausweise im Umlauf. Ein Muster für einen Energieausweis mit den aktuellen Vergleichswerten finden Sie hier.

Wichtig beim Vermieten und Verkaufen:

Schon in der Anzeige auf Immobilienportalen müssen Sie als Vermieter/-in und Verkäufer/-in die angewendete Berechnungsmethode und den Endenergiebedarf oder -verbrauch (bei älteren Ausweisen den Endenergieverbrauchswert) angeben, wenn Ihnen ein Energieausweis vorliegt –
sonst droht ein Bußgeld. Weitere Pflichtangaben sind die Energieträger für die Heizung sowie das Baujahr des Gebäudes. Bei ab Mai 2014 erstellten Ausweisen kommt noch die Energieeffizienzklasse dazu. Weitere Informationen gibt’s hier

Beim Besichtigungstermin müssen Sie den Ausweis dann ungefragt allen Interessenten vorlegen. Kommt ein Vertrag zustande, wird der Ausweis, oder eine Kopie davon, übergeben.
 
Tipp: Vermietende können die Kosten für den Ausweis (Verbrauchsrechnung bis 100 Euro, Bedarfsrechnung einige hundert Euro) gegebenenfalls als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Fragen Sie Ihre Steuerberaterin oder Ihren Steuerberater

Wo bekommen Sie ihn?

Bei der Deutschen Energie Agentur (dena) finden Sie eine Liste mit Expertinnen und Experten in Ihrer Nähe. Oder Sie fragen bei einer Handwerks-, Ingenieur- oder Architektenkammer nach. Mittlerweile wird der Ausweis auch online angeboten. Die Verbraucherzentrale rät aber dazu, Billigangebote genau zu prüfen.

Autor: Ben Bernard


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