Achtung, Abzocke!

Würden Sie Haustürbetrüger erkennen? | 19.02.2020

Würden Sie Haustürbetrüger erkennen?

© Jo Jankowski

Falsche Polizisten, angebliche Handwerker oder betrügerische Finanzbeamte: Haustürbetrüger schlüpfen in verschiedene Rollen, um an das Geld ihrer Opfer zu kommen.
 
Vorsicht, Abzocke! Jedes Jahr treiben Betrüger in ganz Deutschland ihr Unwesen und knüpfen ihren Opfern Wertsachen und Bargeld ab. Allein in Mecklenburg-Vorpommern wurde 2018 durch Trickbetrüger ein Gesamtschaden von etwa 520.000 Euro ergaunert, wie das Landeskriminalamt mitteilte. Den Enkeltrick, bei dem angebliche Verwandte vorgeben, in einer finanziellen Notlage zu stecken, kennen bereits viele Verbraucher. Doch die Betrüger scheinen immer einfallsreicher zu werden, um ihre Opfer zu täuschen. Dabei machen Sie auch keinen Halt vor deren Haustüren. Wir machen den Test: Hätten Sie diese Betrugsversuche erkannt?

1. Fall: Polizisten sichern Vermögen

Stellen Sie sich vor: Ein Polizeibeamter ruft bei Ihnen zu Hause unter der Nummer 110 an. Er erklärt Ihnen, dass es Hinweise auf einen geplanten Einbruch gäbe – und zwar in Ihrem Haus. Geld und Wertsachen seien bei Ihnen nicht mehr sicher. Deshalb würde ein Polizist vorbeikommen und Ihr Vermögen abholen, um es in Sicherheit zu bringen.

Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine Betrugsmasche. Und die ist kein Einzelfall: Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz teilte mit, dass es allein in Rheinland-Pfalz im Jahr 2018 über 4.680 solcher Fälle gab. Bei 53 Fällen kam es zu einem Geldschaden. Laut Verbraucherzentrale benutzen die Betrüger dabei eine spezielle Technik, mit der beim Opfer die Polizei-Notrufnummer 110 auf dem Telefondisplay erscheint. In anderen Fällen sollten die Angerufenen ihr Geld von der Bank abheben, damit vermeintliche Polizisten überprüfen können, ob es sich um Falschgeld handelt.

2. Fall: Finanzbeamte verschaffen sich Zutritt

An Ihrer Tür stehen diesmal zwei Männer, die kurz ihren Ausweis zeigen. Sie seien vom Finanzamt und wollen Wertsachen im Haus überprüfen.

Auch hier liegt ein Betrugsversuch vor. Der konkrete Fall: Ein Opfer aus Paderborn war eingeschüchtert und ließ die angeblichen Beamten in ihr Einfamilienhaus. Sie durchsuchten die Zimmer – und nahmen schließlich Bargeld und Schmuck mit. Die Ausrede: Eine Auflistung der Gegenstände würde das Finanzamt später zuschicken. Komisch, dass diese nie ankam.

3. Fall: Mitarbeiter vom Jugendamt mit Forderungen

Ein anderes Szenario: Plötzlich klingelt es an Ihrer Tür. Sie öffnen und zwei Mitarbeiter vom Jugendamt begrüßen Sie mit einem blauen Dienstausweis. Sie würden gern in Ihre Wohnung kommen. Dann der Schock: Die beiden Mitarbeiter fordern die Herausgabe Ihres jüngsten Kindes.

Diese kuriose Masche spielte sich so oder so ähnlich in Duisburg, Gelsenkirchen und nun auch in Osterburken-Schlierstadt ab. Die Hausbewohner gewährten den Betrügern aber glücklicherweise keinen Zutritt. Bisher sei nach Angaben der Polizei unklar, ob die angeblichen Mitarbeiter des Jugendamts mit der Absicht der Kindesentführung von Tür zu Tür gehen, oder lediglich den Zugang zu fremden Wohnungen wollen. Gruselig ist es allemal.

4. Fall: Handwerker auf Mission

Was würden Sie diesmal tun: Es klingeln Handwerker bei Ihnen an der Tür und bieten Ihnen an, Ihre Dachrinne zu reparieren. Ein verlockendes Angebot, schließlich sind Ihre Rinnen schon seit einigen Jahren stark verrostet.

Lieber nicht. Denn: Der Hausbesitzer des beschriebenen Falls ist auf Rügen auf betrügerische Handwerker reingefallen. Sie haben nach getaner Arbeit 6.000 Euro verlangt – ohne Ausstellung einer Rechnung oder Angabe einer Kontoverbindung. Der Mann zahlte 4.000 Euro an, wurde dann aber doch misstrauisch und beglich den Restbetrag nicht mehr. Ein ähnlicher Fall wurde in Altenwalde gemeldet. Statt Handwerkern boten hier angebliche Gärtner einem älteren Ehepaar ihre Dienste an. Die Arbeiten sollten am Ende 4.000 Euro kosten. Ein Bankmitarbeiter verhinderte jedoch, dass das Paar die Summe von ihrem Konto abhob. Laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz ist bei solchen Fällen besonders auffällig, dass die Arbeiten stets mit einer Vorkasse einhergehen. Hier sollten bei Verbrauchern alle Alarmglocken klingen.

Die Maschen sind teils schwer zu durchschauen

Ob als angebliche Polizisten oder Finanzbeamte: Unter zum Teil glaubwürdigen Vorwänden verschaffen sich Haustürbetrüger Zugang zu fremden Wohnungen. Oft sind Senioren davon betroffen. Weil die Trickbetrüger dabei geschickt vorgehen, sind die Maschen teils schwer zu durchschauen. Oft wird auch Druck ausgeübt der Betroffene nicht mehr rational denken lässt, wie die die Polizei Soest betont. Doch Sie können von bösen Überraschungen verschont bleiben – wenn Sie diese Tipps beherzigen.

Wichtige Tipps der Verbraucherzentrale und Polizei bei Haustürbetrügern:

  • Sicherheit geht vor: Öffnen Sie Ihre Haustür nur dann, wenn Sie den Sperrriegel vorgelegt haben.
  • Lassen Sie keine fremden Personen in die Wohnung, vor allem, wenn Sie alleine zu Hause sind.
  • Wichtig zu wissen: Die Polizei ruft niemals unter der Notrufnummer 110 an.
  • Außerdem bittet Sie die Polizei niemals telefonisch darum, Wertsachen oder Bargeld auszuhändigen – auch nicht, um das Geld auf Falschgeld zu prüfen.
  • Achtung bei Passwörtern und Kontodaten: Diese sollten Sie niemals am Telefon preisgeben.
  • Verlangen Sie von Amtspersonen (Polizisten, Finanzbeamten etc.) immer den Dienstausweis. Wichtig: Untersuchen Sie den Ausweis genau auf Stempel, Foto und Druck. Wenn Sie sich unsicher sind, rufen Sie die Behörde lieber vorher an (Telefonnummer selbst ermitteln!).
  • Bei angeblichen Handwerkern: Lassen Sie nur Handwerker (oder Gärtner) in Ihre Wohnung, die Sie selbst engagiert haben oder die Ihre Hausverwaltung vorher angekündigt hat.
  • Und noch etwas: Sensibilisieren Sie Verwandte, Freunde und Bekannte für die Betrügertricks – diese Prävention kann Schlimmeres verhindern!

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (19)


Kommentare

Luise Bickl

05.04.2020

Deshalb schaue ich mir auch regelmäßig die Beiträge VORSICHT FALLE an.


Monika F. (79)

30.03.2020

Nach stürmischem Klingeln erblickte ich durch den Türspion vor meiner Wohnungstür ein junges Paar, das ich nicht kannte. Durch die geschlossene Tür sagte mir der Mann, dass sie die Kabel bei mir überprüfen müssten. Auf meine entsprechenden Fragen, antwortete er, sie schicke der Hausmeister und sie kämen von Vodafone. Außerdem möge ich doch die Tür öffnen, weil sie mich sonst so schwer verstehen würden. Das tat ich nicht und erklärte stattdessen, vor einer solchen Überprüfung müsste ich von der Verwaltung informiert worden sein. Soweit sie wüssten, sei das doch geschehen, wurde mir entgegnet. Ich aber blieb standhaft, und das war richtig. Denn es gab keinen derartigen Aufrag.


Werner Heinz

24.03.2020

Immer wieder Gehirn einschalten und lieber nein sagen.


Inge

23.03.2020

Kürzlich stand ein angeblicher 'Fernsehtechniker' vor meiner Türe und wollte unbedingt meinen Fernseher überprüfen. Angeblich hätte ich noch kein HD und mein Gerät würde bald abgeschaltet. Alle anderen Hausbewohner hätten schon HD, nur mein Gerät noch nicht. Ich klingelte mal schnell beim Nachbarn gegenüber, der dem Spuk ein rasches Ende bereitete.


Christoph Fuchs

22.03.2020

Als Mitarbeiter des Weissen Rings bin ich zugleich Sicherheitsberater in unserem Landkreis und schreibe monatliche Kolumnen in unserer Tageszeitung. Wenn Sie Interesse daran haben, so können Sie meine Tipps gerne unter dem Onlineportal des Landratsamts Bad Tölz-WOR
www.engagementkompass.net >Projekte >Sicherheitsberater nachlesen und ggf. für Ihre Zwecke verwenden.


norobatix

21.03.2020

Ein verzweifelter junger Mann vor der Haustür, er wohne in der Nachbarschaft und habe sich ausgesperrt und der Schlüsseldienst verlangt 200 Euro Vorkasse und er müsse in 2 Stunden zur Arbeit... - er zeigt mir sogar seinen Ausweis und bietet mir an, zur Sicherheit ein Foto von ihm zu machen - fast wäre ich darauf hereingefallen.


agi

20.03.2020

nach den langen Jahren des Enkeltricks, sollte man doch überlegen, die Leute, die immernoch darauf hereinfallen unter Vormundschaft in Sachen Finanzen zu stellen.
ich hatte neulich auch Besuch von 2 jungen Polizisten Sache Einbruch -Prävention. Diese hatten mich gelobt, dass ich sie nicht in mein Haus gelassen habe. Bin Mitte 60.


Kurt Frei

20.03.2020

Bei uns im Haus und auf dem Grundstück hat Grundsätzlich kein Fremder was zu suchen, treffe ich jemanden an und er kann mir nicht
100%tig ausweisen und mich überzeugen, fliegt derjenige vom Grundstück. Ist auch schon mal einem Herrn von der GZE passiert,
da gehe ich ganz rigoros vor, mit aller Härte.!!! Jeder Fremde hat sich bei mir vorher anzumelden.


Marlies Hennig

20.03.2020

Wir lassen keinen Fremden mehr ins Haus.


Hannelore

02.03.2020

Es ist mir ein absolutes Rätsel, dass Leute immer wieder auf diese Betrüger hereinfallen. Jedoch kann ich mir vorstellen, dass alte Menschen, die allein leben und vielleicht auch keine Angehörigen haben, zu Opfern werden. Leider!


Renè S.

02.03.2020

Wir hatten vor einiger Zeit das "Handwerkerproblem". Da standen 2 Herren im Blaumann auf unserem Hof und wollten sich die Haustüren ansehen. Sie wollten, so deren Angaben, diese genen einbruchssichere Türen tauschen. Nun, ich habe die beiden Herren gebeten, ein schriftliches Angebot zu verfassen und uns zukommen zu lassen. Seitdem habe ich von denen weder wieder etwas gehört noch gesehen. Also, Leute seid wachsam!


Gerd - Peter

28.02.2020

Niemanden an der Haustür vertrauen ! Es gibt keine seriösen Haustürgeschäfte .


Wolfgang

26.02.2020

Meine Schwiegereltern sind schon über 90 Jahre alt.
Wir haben den beiden schon alles über die Betrüger erzählt und trotzdem sehe ich die Gefahr bei meiner Schwiegermutter das sie ihre zahlreichen Enkel nicht im Stich lassen würde.
Da wir nicht immer im Haus sind haben wir für den Fall der Fälle ihnen den Tipp gegeben nach den Geburtsdatum ( Schwiegermutter ) zu fragen.Das können die Betrüger nicht wissen. Hoffentlich!!! Die Bank ist auch Informiert und würde meine Frau anrufen falls versucht wird viel Geld abzuheben.


IK

25.02.2020

Ich hatte kürzlich eine negative Erfahrung mit einem "echten" Telekomvertreter. Ob diese Klientel "nur" Subunternehmer sind oder nicht sollte jedem Kunden herzlich egal sein. Denn diese Leute repräsentieren die Firma.

Ich hielt mich zufällig in der Wohnung meiner Mutter auf als es klingelte. Zwei Herren fasselten etwas davon das sie unbedingt die Wohnung betreten müssen wegen den neuen Leitungen. Es sei vollkommen egal welcher Anbieter, man müsse sich das ansehen.

Als einer der Menschen in der Wohnung war fasselte er auf einmal von einem tollen Stromvertrag. Manchmal ists schade das man nicht in den Staaten wohnt... "Stand your Ground" hätte wohl hier schon gegelten, da hier eine Vorspielung falscher Tatsachen erfüllt war.

Ich begleitete Beide Herren nach draußen und verständigte die Pol. Diese kümmerten sich auf um die Herren. Mit dem Ergebnis das lediglich eine OwI gegen einen Vorlag da er seine Reisegewerbekarte nicht dabei hatte.

Ich meldete den Fall der Deutschen Telekom. Eine Antwort kam prompt mit dem Hinweis das man sich jederzeit unter 0800-blablabla über die Rechtmäßigkeit der eingesetzten Mitarbeiter erkundigen könne.

Joa... danke für Nichts.


Peter

25.02.2020

Sehr nützliche Artikel, super dass die ING mehr als nur eine Bank ist!

Folgendes finde ich jedoch irreführend:
"Verlangen Sie von Amtspersonen (Polizisten, Finanzbeamten etc.) immer den Dienstausweis. Wichtig: Untersuchen Sie den Ausweis genau auf Stempel, Foto und Druck."
Klar haben die Betrüger entsprechenden Ausweis welcher glaubwürdig aussieht :). So was sieht man meistens ersten mal im Leben, es gibt auch kein öffentlichen Muster fürs Vergleich. Es ist zu viel erwartet, dass der Normalbürger Echtheit von solchen Ausweisen prüfen kann. Außerdem während des Ausweisprüfens kann einem schon die Tür gegen Kopf geschlagen werden und die Fremden sind schon in der Wohnung.
Meine Empfehlung: Öffnen sie die Tür nicht! Falls es dringend ist, kommt die Polizei uws. in die Wohunung auch ohne Ihre Hilfe. Alles andere kann warten, per Vorladung zum Amt erledigt werden.


deutscher Michel

21.02.2020

@Helmut
Der Enkeltrick funktioniert auch schon seit mindestens 20 Jahren bestens, obwohl die Zeitungen täglich darüber berichten und die Beratungsstellen der Polizei jede Möglichkeit nutzen die alten Leute zu warnen und auch so mancher Bankmitarbeiter versucht die alten Leutchen beim plötzlichen Abheben von sehr viel Bargeld auszubremsen.


Helmut

21.02.2020

Dank der guten Aufklöärung in den Medien sollten die o.a. Betrugsversuche nicht mehr erfolgreich sein


Martina

20.02.2020

Sehr wertvolle Information.Meine Angehörigen werden bei nächster Gelegenheit informiert.Ich selber bin auf solche Maschen zum Glück noch nicht rein gefallen.


die kriegen von mir so gar einen guten Kaffee

19.02.2020

während die Polizei im Anmarsch ist
Und wieder raus können die nicht. Meine Tür ist stabil und zu. Und rausspringen geht auch nicht - zu hoch. Und notfalls - ich habe 21 Jahre Judo und Karate wöchentlich trainiert.