Kirchensteuer

Das gilt bei der Steuererklärung | 24.05.2018

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Kirchensteuer in der Steuererklärung geltend machen

Die genaue Höhe der Kirchensteuer ist vom jeweiligen Wohnort abhängig. Mit Ausnahme von Bayern und Baden-Württemberg mit je acht Prozent werden in den anderen Bundesländern neun Prozent der Einkommensteuer vom Arbeitgeber als Kirchensteuer einbehalten. Und diese Steuerlast können steuerpflichtige Kirchenmitglieder in ihrer Steuererklärung in der Regel vollumfänglich als Sonderausgabe geltend machen. Dass die Religionsgemeinschaft als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist, ist unter anderem Voraussetzung dafür.

Weniger Kirchensteuer zahlen

Topverdiener haben die Möglichkeit die Kirchensteuer zu kappen – je nach Bundesland liegt die Grenze dann bei 2,75 bis 4,0 Prozent des zu versteuernden Einkommens. Voraussetzung dafür ist, dass die Kirchensteuer höher als circa drei Prozent des zu versteuernden Einkommens ist.

In Baden-Württemberg, Hessen, Saarland, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz können Steuerzahler eine Kappung bei der Diözese oder Landeskirche beantragen. In den anderen Bundesländern kappt der Fiskus die Kirchensteuer entweder automatisch oder die Kappung ist – wie in Bayern – nicht vorgesehen.

Ausnahme: KiSt-Abzug auf Kapitalerträge

Seit 2015 sind Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften gesetzlich dazu verpflichtet, die Kirchensteuer auf Kapitalerträge automatisch abzuführen. Das macht es für jeden, der kirchensteuerpflichtig ist, leichter. Denn dieser Kirchensteueranteil ist damit komplett abgegolten, Kirchensteueraufträge oder eine entsprechende Eintragung in der Steuererklärung werden dadurch überflüssig. Eine Geltendmachung als Sonderausgaben im Rahmen der Steuererklärung ist nicht möglich. Für das Abführen der Kirchensteuer auf Kapitalerträge fragen die oben genannten Unternehmen jährlich die Konfessionsdaten ihrer Kunden beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) ab.

Kirchensteuer automatisch abführen lassen oder Sperrvermerk einreichen

Wer seine Kirchensteuerpflicht trotzdem lieber selbst über die persönliche Steuererklärung ermitteln will oder schlicht verhindern möchte, dass das BZSt die Konfession auf Anfrage meldet, kann mit einem sogenannten Sperrvermerk bis zum 30.06. widersprechen. Dieser ist direkt an das Bundeszentralamt für Steuern zu richten. Der Widerspruch gilt dann unbefristet und das zuständige Finanzamt des Kunden wird hierüber informiert.

Falsch berechnete Kirchensteuer?

Entdecken Steuerzahler, dass die Kirchensteuer falsch berechnet ist, können sie Einspruch einlegen. Ist der Fehler bei der Berechnung der Einkommensteuer passiert, muss sich der Steuerzahler direkt beim Finanzamt melden. Im Falle, dass die Kirchensteuer selbst falsch berechnet ist, muss der Betroffene Einspruch gegen den Kirchensteuerbescheid einlegen und diesen an das Kirchensteueramt übermitteln.

Nicht kirchensteuerpflichtig?

Wer nicht kirchensteuerpflichtig ist, muss überhaupt nicht aktiv werden. In diesem Fall wird keine Kirchensteuer abgeführt und auch ein gesonderter Widerspruch ist dann nicht nötig.

Wir freuen uns, wenn dieser Artikel zum Thema Steuern hilfreich für Sie war. Wichtig: Es handelt sich hierbei um allgemeine Tipps, die eine Prüfung des Einzelfalls nicht ersetzen können. Haben Sie dazu Fragen? Dann wenden Sie sich einfach an Ihren Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (22)


Kommentare

Yogo

10.04.2019

Ganz einfach aus der Kirche austreten, schon hat man ein Steuerproblem weniger und mehr Geld in der Tasche.


kalathea

05.12.2018

Liebe Redaktion,

die Rechtsbehelfsbehörde ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. D.h. es gibt auch Bundesländer, in denen der Rechtsbehelf direkt ans Finanzamt zu richten, auch wenn nur die Kirchensteuer betroffen ist.


Axel Schröder

24.06.2018

Wichtig wäre noch folgender Hinweis zur Kirchensteuer:
Wenn es bei einem Ehepaar einen Hauptverdiener gibt, der andere Ehepartner keinen Verdienst hat und der Hauptverdiener kirchsteuerbefreit ist, muss trotzdem Kirchensteuer entrichtet werden, wenn die Steuererklärung im Splittingverfahren abgegeben wurde.


Nobby

20.06.2018

Die Kirchen betreiben die Beratungsstellen, Heime, Kindergärten usw. nicht kostenlos. Sie werden dafür vom staatlichen, eigentlich zuständigen, Träger (Kommune, Bundesland,...) dafür bezahlt. Bei Kindergärten (in Bayern) erstattet der Staat Sachaufwand und Personalkosten zu ca. 80%. Der Rest wird von den Beiträgen der Eltern gedeckt. Und weder Staat noch die Eltern haben wesentlichen Einfluss. Wer etwas recherchiert findet Antworten. Z.B. "Gott hat hohe Nebenkosten" mal in einer Suchmaschine eingeben...


Martin J.

18.06.2018

Hallo Klara B,
ist das nicht selbstverständlich das Christen sich einander helfen. Sagte nicht Jesus "umsonst habt Ihr empfangen Umsonst helft" . Ich kenne so einen Gemeinschaft die sich gegenseitig umsonst hilft .Die brauchen keinen Papst, keine Geistlichkeit die sich am Worte Gottes bereichern. Die leben die Nächstenliebe, die verabscheuen das was die Geistlichkeit tut. Das ist doch nur Gelaber eine riesen Show, die reden doch mit gespaltener Zunge. Reden vom Frieden und meinennden Krieg. Warum segnen sie die Waffen, warum sind sie nicht dagegen und verabscheuen das? Warum ist der Vatikan de reichste Staat? Doch nur weil sie überall ihre Finger drin haben und abkassieren. Der hat doch mehr "Leichen" im Keller. Siehe YouTube " Die dunklen Geschäfte des Vatikan" oder "der Reichtum der Kirche ist Blutgeld "oder "Vatikan und Luzifer Kult - Satanismus Freimaurer Geheimgesellschaft und Korruption". Sowas Ist Frevel, Volksverdummung mit Staatlicher Hilfe!!!!


Jürgen

18.06.2018

Lieber Totto,
du irrst, der Staat ist nicht der Erfüllungsgehilfe der Kirchen, sondern lässt sich diese "Dienstleistung" natürlich von den Kirchen bezahlen, verdient also auch daran. Da die Kirchen auf diese Art und Weise aber keine eigene Steuerverwaltung vorhalten müssen, rechnet sich das Ganze für beide Seiten, durch diesen Synergieeffekt wird viel Geld gespart.


dieter49

17.06.2018

Welche (Mehr-)Kosten und Zinsen können als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden, wenn das bewohnte Eigenheim nicht behindertengerecht umgebaut werden kann und deshalb ein Neubau erforderlich ist? Nach Beinamputation (Behandlungsfehler!!!) 100% schwerbehindert.


TottoV-K.

16.06.2018

Wer immer noch "Kirchensteuer" bezahlt, ist es doch selbst schuld ! Deutschland ist übrigens das EINZIGE Land auf der GANZEN WELT, wo der Staat der Erfüllungsgehilfe der Kirche/n ist und gleich mit der Lohnsteuer (Einkommensteuer / Kapitalertragssteuer / Zinseinkünften) die Kirchensteuer einzieht - Skandalös !


Luigina

15.06.2018

Dass die Kirchen sich bereichern dürfen liegt daran, dass die Kirchen damals ihre großen Ländereien aufgegeben haben und dafür eine staatliche Versorgung versprochen bekamen. Darin begründet liegt die deutsche Kirchensteuer.


ING-DiBa

15.06.2018

Hallo Wotan, die Frage können wir Ihnen nicht beantworten. Wenden Sie sich doch am besten an Ihr zuständiges Finanzamt. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Wotan

15.06.2018

Wie verhält es sich mit dem Kirchgeld (NRW)?


ING-DiBa

15.06.2018

Hallo Sedlardjeck, wir fragen jährlich im September / Oktober die Konfessionsdaten der Kunden (Stand 31.08.) beim Bundeszentralamt für Steuern ab. In der Regel werden Austritte dementsprechend berücksichtigt (die Beabreitungsdauer liegt bei ca. 2 Monaten, daher sollte das bei Ihnen ja passen). Sollten Sie zu viel Kirchensteuer zahlen, können Sie diese über Ihre Einkommensteuererklärung erstatten lassen. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Thorsten

15.06.2018

@Melanie L. Super Hinweis mit der zusammen Veranlagung. Könnte mich / uns demnächst betreffen!


Alex S.

14.06.2018

Leider ist die Aussage von Melanie L. so nicht richtig!
Bei einer Zusammenveranlagung wird der konfessionslose Ehepartner NICHT zur Kasse gebeten! Bei einer gemeinsamen Veranlagung ermittelt das Finanzamt zwar einen gemeinsamen Einkommensteuerwert, für die Berechnung der Kirchensteuer wird aber der Anteil des kirchensteuerpflichtigen Mitglieds anhand der Einkünfte herausgerechnet und auch nur dieser (anteilige) Wert festgesetzt.

In der Diözese in der ich wohne, kann ich problemlos einsehen wofür die Kirchensteuer verwendet wird, was man leider bei den meisten sogenannten "wohltätigen Organisationen" nicht behaupten kann. Da wir den Kirchen u. a. auch die meisten unserer Feiertage zu verdanken haben, zahle ich auch gerne meine Kirchensteuern. Zudem habe ich hierdurch die Möglichkeit die verschiedenen kirchlichen Leistungen in Anspruch zu nehmen (Kindergartenplatz, Beratungsstellen, etc.).

P.S.: Der automatische Abzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge wird seit 2015 auf Wunsch der Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften durchgeführt (was leider oft verschwiegen wird), da diese durch den automatischen Abzug weniger Aufwand haben, nicht auf Wunsch der Diözesen und Landeskirchen.


Sedlardjeck

14.06.2018

Hallo ich bin im Frühjahr aus der Kirche ausgetreten. Auf meine kapitalerträge wird weiterhin die Kirchensteuer abgeführt. Wird das dann mit der nächsten Steuererklärung automatisch korrigiert, oder ist dieses Geld futsch?


Heiko

14.06.2018

Danke für die sachlichen Informationen - vor allem dafür, dass die Kirchensteuer wiederum als Sonderausgabe geltend gemacht werden kann und dadurch die Steuerlast mindert. Das wissen viele nicht!

Schade, dass hier gleich wieder das Geschimpfe losgeht - es muss ja niemand Mitglied sein, das geht aber nur jeden selbst etwas an.


Klara B.

14.06.2018

Wie jeder in der Info der Diba lesen konnte, kann die Kirchensteuer auch abgesetzt werden, genauso wie einzelne Spenden. So ist es tatsächlich. Und die Kirche veröffentlicht genau, wofür das Geld verwendet wird: Sehr viel ist für praktische Nächstenliebe, z.B. Beratungsstellen für Familien oder Leute in Krisen. Was soll also der Rundumschlag von Martin J. und Andi T.? Ich finde die Kirchensteuer sinnvoll und fair, weil sie dem Einkommen entspricht: wer viel verdient, steuert mehr für die Allgemeinheit bei. Und Gutes tut sie auch.


Note

14.06.2018

Je nach Bundesland ist der Rechtsbehelf gegen die Kirchensteuer nicht der Einspruch, sondern der Widerspruch. Und je nach Bundesland muss auch der entsprechende Rechtsbehelf nicht an eine kirchliche Stelle (nicht überall gibt es Kirchensteuerämter) gerichtet werden, sondern an das Finanzamt (bspw. Brandenburg).
Am Besten einfach die Rechtsbehelfsbelehrung des Steuerbescheids lesen.


Andi T.

10.06.2018

Da kann ich Martin J. nur recht geben. Die Kirchen bereichern sich nur am Volk mit Hilfe der ReGIERung. Allein schon die Tatsache das die beim überschreiten des Freibetrags auch die Hand aufhalten ist schon eine Frechheit. Meine Empfehlung : Austreten und wer möchte darf trotzdem weiter an Gott glauben. Der Glaube darf nichts mit Geld zu tun haben !


Martin J.

07.06.2018

Wozu denen noch Geld geben die bereits drin schwimmen und das Wort Nächstenliebe nur eine Farc ist! Die Leute reden doch mit gespaltener Zunge und bereichern sich noch mehr auf Kosten der Allgemeinheit. Die sollen mir erstmal zeigen wo im Buch der Bücher, auf das sie sich doch berufen, steht das vom Staat Steurn eingezoger werden müssen. Im Gegenteil, es steht Jesu Aussage geschrieben :
Umsonst habt Ihr empfangen umsonst gebt !!!!
Eine Unverschämtheit was die Religionen erlauben!!


Melanie L.

25.05.2018

aber Vorsicht. Bei Zusammenveranlagung wird auch der konfessionslose Ehepartner zur Kasse gebeten, wenn der religionszugehörige Gatte kaum oder keine Einkünfte hat.....und das nicht zu knapp.


Martin L.

25.05.2018

Am besten austreten und dann selber mtl. spenden an die Organisation wie man möchte.....Münchener Waisenhaus, Clemens-Maria-Kinderheim, Nabu, Greenpeace, WWF, Brot für die Welt, etc.

Spenden können von der Steuer abgesetzt werden und man weiß wo sein Geld landet.