Unverheiratet zusammenleben versus Ehe

Die finanziellen Vor- und Nachteile │25.01.2019

Glückliches Ehepaar bei der Planung ihrer Altersvorsorge

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Zusammenleben: ja, heiraten: nein. Viele Paare sehen in der Ehe heutzutage keine Notwendigkeit mehr. Was das steuerlich und rechtlich bedeutet.

Rund jede dritte Ehe in Deutschland geht in die Brüche. Schon allein das Wissen darum hält viele Paare davon ab, zu heiraten. Eine Scheidung tut schließlich nicht nur weh, in aller Regel ist sie auch teuer. Doch wer sich – aus welchen Gründen auch immer – gegen eine Ehe entschließt, sollte sich dennoch einige Fragen stellen – und rechtzeitig vorsorgen. Wenn schon nicht für den Scheidungs- dann wenigstens für den Trennungsfall.

Die Einkommensteuer unverheirateter Paare

Verdienen beide Partner in etwa das Gleiche, tragen sie bei der Einkommensteuer zumeist die gleiche Steuerlast wie verheiratete Paare. Verdient aber einer mehr, liegt die Steuerbelastung unter dem Strich deutlich höher als bei einem Ehepaar. Ein Beispiel: Bei einem unverheirateten Paar verdient der eine 70.000 Euro brutto im Jahr, der andere 30.000 Euro. Das Paar zahlt unter dem Strich 2.000 Euro mehr Steuern als ein Ehepaar.
 
Grund dafür ist das Ehegattensplitting. „Wenn Eheleute sich bei der Einkommensteuer zusammen veranlagen lassen, können sie in vielen Fällen erheblich Steuern sparen“, erklärt Rauhöft. Dabei werden die Einkommen beider Partner zusammengerechnet und halbiert. Von diesem halbierten Betrag berechnet der Fiskus die Einkommensteuer, die dann wieder verdoppelt wird. Vom Ehegattensplitting profitieren in erster Linie jene Paare, bei denen sich die Höhe der Einkommen deutlich unterscheidet.

Wie sich gemeinsame Kinder bei Unverheirateten auswirken

Für Paare mit einem oder mehreren Kindern ändert sich steuerrechtlich erst einmal nichts. Allerdings profitieren auch Eltern ohne Trauschein vom steuerlichen Familienleistungsausgleich. Der steuerliche Kinderfreibetrag steht beiden Partnern jeweils zur Hälfte zu. 2018 lag er bei 7.428 Euro inklusive Betreuungsfreibetrag, 2019 liegt er bei 7.620 Euro. Generell gilt: Entweder steuerlicher Kinderfreibetrag oder Kindergeld. Beides zusammen geht nicht. Ob nun das eine oder das andere für einen Steuerpflichtigen günstiger ist, ermittelt das Finanzamt automatisch.
 
Auch bei den Kinderbetreuungskosten genießen unverheiratete Paare Steuervorteile. Wer sein Kind oder seine Kinder in Kindertagesstätten, in einem Hort oder in einer anderen Einrichtung, zu Hause durch Tagesmütter oder Aupair betreuen lässt, kann beim Fiskus bis zu 4.000 Euro pro Jahr und Kind steuerlich geltend machen. „Das Finanzamt berücksichtigt zwei Drittel des Betrags als Sonderausgaben“, erklärt Rauhöft. Am günstigsten wirkt sich das steuerlich bei dem Elternteil aus, der am meisten verdient. 

Aber Achtung: Schließt der Partner mit dem geringeren Einkommen beziehungsweise mit null Einkommen den Betreuungsvertrag ab, kann der andere Partner die Betreuungskosten steuerlich nicht geltend machen.

Unterhaltszahlungen: steuerlich absetzbar aber nicht verpflichtend

Bei einem unverheirateten Paar können Unterhaltszahlungen an das vorrangig betreuende Elternteil als außergewöhnliche Belastungen in der Einkommensteuererklärung abgesetzt werden. „Das ist auch möglich, wenn beide Partner in einem Haushalt zusammenleben“, sagt Rauhöft. Kommt es indes zu einer Trennung, entfällt der Anspruch auf Unterhaltszahlung – selbst, wenn einer der beiden seinen Job an den Nagel gehängt oder beruflich zumindest kürzer getreten ist, um gemeinsame Kinder zu betreuen. Eheleute stehen in der Pflicht, sich gegenseitig Unterhalt zu leisten. Ist ein Partner zum Beispiel krankheitsbedingt nicht in der Lage zu arbeiten, muss ihn der Partner unterstützen und den Alltag finanzieren – bei Unverheirateten ist das kein Muss.

Mit einer Ausnahme: Das unverheiratete Paar hat ein gemeinsames Kleinkind, das noch keine drei Jahre alt ist. Trennt sich das Paar, dann muss der Partner mit Beruf dem anderen, der sich zu Hause um den Nachwuchs gekümmert hat, Betreuungsunterhalt zahlen.

Was Unverheiratete beim Thema Gesundheit beachten sollten

Ist einer der Ehepartner gesetzlich krankenversichert, kann der andere unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos mitversichert werden – bei Unverheirateten geht das nicht.
 
Ob nun wegen einer Krankheit oder nach einem Unfall: Einer der Partner kommt ins Krankenhaus. Gut, wenn sich für eine solche Situation beide mit einer Vorsorgevollmacht gegenseitig das Recht einräumen, die Interessen des anderen zu vertreten. „Wer eine Vorsorgevollmacht nicht vorweisen kann, muss damit rechnen, in der Klinik keine Auskünfte zu bekommen, wie es dem Partner gesundheitlich geht“, so Becker.

Ohne Testament geht es nicht

Auch wenn Paare über Jahrzehnte hinweg unverheiratet zusammenleben: Einer der Partner erbt nicht automatisch die Besitztümer des anderen. In der gesetzlichen Erbfolge sind Unverheiratete nicht vorgesehen. Wollen sich die Partner gegenseitig als Erben einsetzen, ist es zwingend, ein Testament aufzusetzen.
 
Verheiratete, die sich untereinander etwas schenken oder nach dem Tod dem Hinterbliebenen etwas vererben, kommen in den Genuss des höchstmöglichen steuerlichen Freibetrags von 500.000 Euro. Mit anderen Worten: Schenkungs- oder Erbschaftssteuern müssen erst bei einem Betrag von über einer halben Million Euro bezahlt werden. Selbst dann sind Ehepartner im Vorteil: Für Verheiratete gilt – abhängig von der Höhe der Schenkung oder Erbschaft – ein Steuersatz zwischen 7 und 30%, bei Unverheirateten werden 30 bis 50% fällig. Auch der Hinterbliebenenschutz ist in einer Ehe besser geregelt: Beim Tod eines Ehepartners kann der Hinterbliebene unter Umständen eine Witwen- oder Witwerrente bekommen. Unverheiratete haben keinen Anspruch darauf.

Absichern mit dem Partnerschaftsvertrag

Neben einem Testament und einer Vorsorgevollmacht gibt es für Unverheiratete noch eine andere Möglichkeit sich abzusichern: den Partnerschaftsvertrag. „Es spricht viel dafür, dass Paare ohne Trauschein einen notariell beurkundeten Partnerschaftsvertrag abschließen“, sagt die Berliner Fachanwältin für Familienrecht, Eva Becker. In einem solchen Vertrag können zum Beispiel Ausgleichszahlungen für den Fall der Trennung vereinbart werden. Auch Unterhaltszahlungen können hier geregelt werden. Ebenfalls lässt sich vertraglich festlegen, wie es weitergeht, wenn ein unverheiratetes Paar gemeinsam eine Immobilie finanziert oder angemietet hat.
 
Wir freuen uns, wenn dieser Artikel zum Thema Steuern hilfreich für Sie war. Wichtig: Es handelt sich hierbei um allgemeine Tipps und kann eine Prüfung des Einzelfalls nicht ersetzen. Haben Sie dazu Fragen? Dann wenden Sie sich einfach an Ihren Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (12)


Kommentare

biggi

16.08.2019

In Ihrem Bericht steht, dass Unverheiratete nicht für den Partner aufkommen müssen. Man tut es aber gern und möchte zumindest einen Teil des Betrages steuerlich absetzen.
Bei der Steuererklärung für 2017 wurde es anerkannt.
Bei der Steuererklärung für 2018 - nein
Einfache Erklärung - man hat ja ein eheähnliches Verhältnis und man kann ein Teil seines Gehaltes dem Partner abgeben.
Es ist also genauso wie bei einem Ehepaar (verheiratet)
Der Nachteil beim eheähnlichem Verhältnis - Partner kann nicht mit in der Krankenkasse aufgenommen werden (muss sich selbst versichern) und kein Splitting bei der Steuererklärung. Obendrein durfte noch 1.200 € an das Finanzamt nachgezahlt werden. Einspruch wurde mit derselben Begründung abgelehnt.
Recht haben und Recht bekommen - zwei Paar Schuhe


?Klugscheißer?

22.02.2019

Hallo R. Horn, ich komme zwar auf einen Unterschied von "nur" ca. 1500 EUR (statt 2000 EUR wie dargestellt), aber ansonsten halte ich die Aussagen der ING für richtig.


R. Horn

22.02.2019

Also die Angaben zur Einkommensteuer sind so wie dargestellt nicht richtig.
Es ist nicht korrekt, dass unverheiratete Paare, welche etwa gleich verdienen, bei einer Zusammenveranlagung als Eheleute in etwa die gleiche Steuerlast tragen. Hier greift genauso das Ehegattensplitting, wie bei deutlich unterschiedlichen Einkommen, was Sie ja dann auch sehr verständlich dargestellt haben. Um Ihr Beispiel aufzugreifen:
Es ist bei Zusammenveranlagung völlig egal, ob einer 70.tsd, der andere 30.tsd oder ob beide je 50.tsd erhalten. Die Einkommensteuer bleibt identisch durch das Splitting. Bei Unverheirateten ist die Steuerbelastung in beiden Beispielen deutlich höher.


Kommy

22.02.2019

Vielen Dank für die Zusammenfassung.
Hat bei den einen oder anderen Punkt etwas Klarheit gebracht.


ING

20.02.2019

Hallo Anonym, dazu können wir so pauschal leider keine Auskunft geben. Am besten fragen Sie mal bei einem Sozialamt, Sozialversicherung oder auch bei einem Fachanwalt für Familienrecht nach. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Anonym

16.02.2019

Es ist auch zu bedenken, dass man die Eltern finanzieren muss, wenn sie pflegebedürftig sind. Ich denke, dass wenn man verheiratet ist und der Partner wenig verdient, man für die Eltern des Partners bezahlen muss. Wie sieht's damit aus, ING Diba?


notting

02.02.2019

Was ist mit Menschen, die trotz aller ernsthafter Bemühungen keine(n) Partner(in) finden bzw. nicht mal ernsthafte Dates (also wo sie nicht einfach mal einen bezahlten schönen Abend wollte, obwohl z. B. auf der Flirt-Webseite er klar angegeben hat dass er nach einer festen Beziehung sucht) zustande kommen? Z. B. wenn er zwar eine gute akademische Ausbildung hat, gut verdient etc., eine halbwegs vernünftige Work-Life-Balance hat, etc., aber z. B. leicht unterdurchschn. groß ist? Es ist wissenschaftl. bewiesen, dass Frauen Männer die auch nur etwas kleiner sind als sie bei der Partnerwahl extrem wahrscheinl. aussortieren während es umgekehrt (er größer als sie) häufig auch sehr große Größenunterschiede geben kann. Die Ehe war ja mal nur zwischen Mann und Frau gedacht. Inzw. ist auch gleichgeschlechtl. kein Problem.
Wie wäre es mit etwas mehr Toleranz?

notting


Nadine

02.02.2019

Karl schreibt, dass das Gericht einfach so einen Beteag festlegt und den zahlungspflichtigen (Vater) Elternteil damit ruinieren kann. Ich muss dazu sagen, dass sich noch immer viel zu viele Frauen durch ein Vergleichurteil abspeisen lassen. Ich war alleinerziehend über 15 Jahre für 3 Kinder. Der gerichtliche Unterhaltsbetrag für meine beiden Söhne betrug jeweils 165 Euro, fur meine Tochter 174 Euro. Das tat weh. Fur alle beteiligten und nachdem die Kinder älter als 12 Jahre waren, zahlte er gar nichts mehr. Ein Gerichtsvollzieher war mehrfach erfolglos und ich hatte keine Möglichkeit, wieder vollbeschäftigt arbeiten zu gehen.
Besser sind da die Kinder dran, die zu Halbweisen werden - Scheidungskinder erleben, wie mühsam es ist in dieser Gesellschaft als arm dazustehen.
Den einzigen Vorteil, zuvor verheiratet gewesen zu sein, hatte es, dass ich als Angestellte im öffentlichen Dienst einen Anspruch auf einen Zuschlag erhalte, der mir als kindergeldberechtigte
Angestellte gewährt wird.
Der steuerfreibetrag ist ein Witz. Wenn ich den versuchen sollte auszuschöpfen (natürlich den vollen Betrag, weil der andere Elterteil seiner Unterhaltsverpfichtung nicht nachkommt), dann müsste ich so viel arbeiten, dass ich meine Kinder nur fur einer Bruchteil an Lebenszeit aktiv hätte begleiten können!
Mit den vielen Nachteilen, beruflich und privat, ist es nur fair, dass es die steuerklasse 2 für Alleinerziehende gibt. Karl hat sich wohl nicht darüber Gedanken gemacht, dass es eine Frau mit Anhang sehr viel schwerer hat einen neuen Lebenspartner zu finden, als ein Mann ohne Anhang, der aber finanziell etwas kürzer treten muss!


Birgit

31.01.2019

Es wird in Deutschland jede dritte Ehe geschieden, in der Schweiz jede zweite. Unterhalt, bis das jüngste Kind drei Jahre alt ist, deckt nicht die dauerhaften Kosten der Kinderbetreuung für eine Mutter, und schon gar nicht die beruflichen Nachteile mit Kind ab. Es wird eine Zeit kommen, da wird der Staat den jungen Frauen Geld bieten, damit sie überhaupt noch Kinder bekommen werden. Als alleinerziehende, unverheiratete Mutter zweier fast Kinder weiss ich, wovon ich rede.


Karl

31.01.2019

Bei einer Scheidung kann der Trennungsunterhalt die Männer ruinieren. Das Gericht setzt einfach einen Betrag fest und der Mann weiß dann oft gar nicht wovon er dann noch leben soll...


Anonym

29.01.2019

Schlimm, daß die Abstimmung den Eindruck erweckt, eine Ehe hinge von finanziellen Gesichtspunkten ab.


CM

28.01.2019

Das klingt so, als ob Eheparner keine Vorsorgevollmacht bräuchten. Brauchen sie aber. Sonst kann einer den anderen genausowenig vertreten wie bei einem unverheirateten Paar.