Altersvorsorgedepot 2027 einfach erklärt
Wie die neue Altersvorsorge funktioniert und für wen es interessant sein kann.
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot zur privaten Altersvorsorge, das ab dem 1. Januar 2027 eingeführt wird.
Der Bundestag verabschiedete das Gesetz zur Reform der privaten Altersvorsorge am 27. März 2026 und der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu. Damit ist das Altersvorsorgedepot offiziell beschlossen und wird die bisherige Riester-Rente ablösen.
Ziel des neuen Modells ist es, Kapitalmarktinvestitionen, wie etwa ETFs, mit staatlicher Förderung zu kombinieren und somit den langfristigen Vermögensaufbau für den Ruhestand zu stärken.
In diesem Artikel haben wir für Sie zusammengestellt, was sich durch die „Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge“ ab 2027 ändert.
Die gesetzliche Rente stößt angesichts des demografischen Wandels zunehmend an ihre Grenzen. In Deutschland basiert die Altersvorsorge auf dem sogenannten Drei-Säulen-Modell: der gesetzlichen Rente, der betrieblichen Altersvorsorge und der privaten Altersvorsorge.
Der frühere Sozialminister Norbert Blüm prägte den Satz „Die Rente ist sicher.“. Heute zeigt sich jedoch, dass dieses Versprechen angesichts der demografischen Entwicklung immer stärker unter Druck gerät.
Gesetzliche Rente ist reformbedürftig
Lange Zeit konnten sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf die gesetzliche Rente verlassen. Doch mit Blick auf die demografische Entwicklung geraten die Finanzierung und der sogenannte Generationenvertrag zunehmend unter Druck. Besonders für jüngere Generationen gewinnt daher die private Altersvorsorge an Bedeutung. Kamen 1962 noch sechs Beitragszahler auf einen Rentenbezieher, wird dieses Verhältnis bis 2050 voraussichtlich auf nur noch 1,3 Beitragszahler je Rentenbezieher schrumpfen (Prognose des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung und des Instituts der deutschen Wirtschaft).
Da die Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt zur gesetzlichen Rente nicht unbegrenzt steigen können, setzt die Bundesregierung verstärkt auf die private Altersvorsorge.
Mit der Einführung des Altersvorsorgedepots sollen kapitalmarktbasierte Anlagen attraktiver, flexibler und einfacher nutzbar werden. Ziel ist es, mehr Menschen den eigenverantwortlichen Vermögensaufbau für den Ruhestand zu ermöglichen.
Das Altersvorsorgedepot ist damit ein zentrales Element der neuen Regelungen zur privaten Altersvorsorge.
In die richtige Richtung gedacht
Ein zentrales Element der beschlossenen Reform ist das Altersvorsorgedepot, das ab dem 1. Januar 2027 eingeführt wird. Neben dem Altersvorsorgedepot sieht das Gesetz weitere Vorsorgemodelle vor, die unterschiedliche Bedürfnisse und Risikopräferenzen abdecken.
- Altersvorsorgedepot: Kundinnen und Kunden entscheiden selbst, in welche Wertpapiere sie investieren. Vorgesehen sind insbesondere ETFs und andere Fonds. Eine Kapitalgarantie ist nicht vorgesehen.
- Standarddepot: Beim Standarddepot handelt es sich um eine Art Basisprodukt, für alle, die die Auswahl ihrer Wertpapiere nicht selbst übernehmen wollen. Vorgesehen ist dabei eine Kombination aus zwei Wertpapieren mit unterschiedlichen Risikoklassen. Kundinnen und Kunden können dann entscheiden, wie viel Risiko sie zulassen möchten und in welcher Verteilung die beiden Produkte entsprechend in ihr Depot gekauft werden. Auch hier ist keine Kapitalgarantie vorgesehen.
- Garantieprodukt: Für alle, die ein höheres Sicherheitsbedürfnis haben, gibt es weiterhin die Möglichkeit ein Produkt mit 80 % oder 100 % Kapitalgarantie zu wählen.
Ein wesentlicher Bestandteil des Altersvorsorgedepots ist die staatliche Förderung, die sich nach der Höhe der Einzahlungen richtet. Konkret ist vorgesehen:
- 50% Förderung (max. 180 Euro) für eingezahlte Beträge bis 360 Euro im Jahr.
- 25% Förderung (max. 360 Euro) auf Einzahlungen von 360,01 Euro bis 1.800 Euro im Jahr.
- Maximale Grundzulage von 540 Euro
- Die Kinderzulage beträgt 100%, maximal 300 Euro Pro Kind.
- Der Mindestsparbetrag pro Person liegt bei 120 Euro im Jahr (10 Euro/Monat).
- Die maximale Einzahlung pro Jahr beträgt 6.840 Euro (570 Euro/Monat).
- Bis 25 Jahren und unter bestimmten Voraussetzungen: einmaliger Berufseinsteiger-Bonus von 200 Euro
Ein Rechenbeispiel
Ein Rechenbeispiel zeigt, wie die staatliche Förderung den Vermögensaufbau bei der privaten Altersvorsorge unterstützen kann.
Sie legen pro Monat 200 Euro für Ihre Altersvorsorge zur Seite – in einem Altersvorsorge- oder einem Standard-Depot.
Ihre eigene Anlage:
200 Euro x 12 Monate = 2.400 Euro
Staatliche Förderung:
Von 2.400 Euro sind insgesamt 1.800 Euro gestaffelt förderfähig:
360 Euro x 50% Förderung = 180 Euro
1.440 Euro x 25% Förderung = 360 Euro
= 540 Euro Grundzulage
Wenn Sie ein Kind haben:
100% auf die ersten 300 Euro = 300 Euro
Für eine ledige Person werden aus 2.400 Euro im Jahr somit 2.940 Euro. Bei einem Kind sind es sogar 3.240 Euro. Dabei ist die Wertentwicklung der Anlage noch nicht berücksichtigt.
Das Beispiel verdeutlicht, dass die staatliche Förderung den Vermögensaufbau unterstützen kann. Wie groß dieser Effekt ausfällt, hängt von den individuellen Sparbeiträgen und der persönlichen Situation ab. Ob sich ein Altersvorsorgedepot lohnt, wird darüber hinaus auch von Faktoren wie Anlagedauer, Flexibilität und möglichen Kosten beeinflusst.
Wie greife ich auf die Altersvorsorge später zu?
In der Auszahlungsphase wird das angesparte Kapital genutzt, um den Ruhestand zu finanzieren. Die Besteuerung erfolgt erst in diesem Schritt und nicht während der Ansparphase. Da der persönliche Einkommensteuersatz im Ruhestand häufig niedriger ist, kann sich daraus, abhängig von der individuellen Situation, ein steuerlicher Vorteil ergeben.
Zu Beginn der Auszahlungsphase stehen in der Regel zwei Möglichkeiten zur Verfügung:
- lebenslange Leibrente: eine feste monatliche Zahlung bis zum Lebensende
- befristeter Auszahlplan: Entnahmen über einen festgelegten Zeitraum, mindestens bis zum 85. Lebensjahr
Welche Variante gewählt wird, hängt von den individuellen Bedürfnissen und der persönlichen Finanzplanung ab.
Unsere Haltung
Die ING begrüßt die Einführung eines staatlich geförderten Altersvorsorgedepots. Anlageprodukte wie ETFs ermöglichen breiten Gesellschaftsschichten ein effizientes und diversifiziertes Engagement am Kapitalmarkt. Ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot ist eine wertvolle Ergänzung zu bestehenden Altersvorsorgemöglichkeiten in Deutschland und würde es Anlegerinnen und Anlegern ermöglichen, von den langfristigen Renditechancen des Aktienmarktes profitieren zu können. Dadurch würde letztlich das gesamte System der Altersvorsorge gestärkt und die Nachhaltigkeit auch der gesetzlichen Rente verbessert. Insbesondere das Standarddepot ermöglicht es allen, die bisher wenig Erfahrung mit Wertpapieren haben und gewisse Hürden verspüren, mit dem Anlegen anzufangen und für die eigene Zukunft vorzusorgen.
Unser Anspruch ist es, Menschen dabei zu unterstützen, ihre finanzielle Zukunft eigenverantwortlich und langfristig zu gestalten. Deshalb planen wir, zum Start des Altersvorsorgedepots ein Angebot bereitzustellen. Weitere Informationen zum geplanten Altersvorsorge-Depot und die Möglichkeit, über die weitere Entwicklung informiert zu bleiben, finden Sie hier.