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Steuer-Tipps

Mit außergewöhnlichen Belastungen Steuern sparen

Durch Krankheiten oder Schäden in der Wohnung können Steuerzahlern unvorhergesehene Kosten entstehen. In Teil zwei unserer kleinen Steuer-Serie verraten wir Tipps, wie Sie durch diese außergewöhnliche Belastungen Ihre Steuerlast senken können.

Manchmal hat der Staat auch Mitleid: Wer überdurchschnittlich höhere Kosten als die meisten anderen Steuerzahler mit ähnlichem Einkommen, Vermögen und Familienstand tragen muss, der hat sogenannte außergewöhnliche Belastungen. Sind diese Ausgaben zwangsläufig und unvorhersehbar entstanden, können sie laut Gesetz die Steuerlast mindern. 

Was sind außergewöhnliche Belastungen?

Unterschieden wird zwischen besonderen und allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen. Zu Letzteren zählen beispielsweise Aufwendungen für Krankheiten. „Kosten für die Brille oder den Zahnersatz, Zuzahlungen zu Kuren oder Medikamenten. Das sind die Klassiker, die im Regelfall bei den meisten anfallen“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Auch wer sein Inventar aufgrund einer Überflutung verloren hat, kann die Neuanschaffung einer Grundausstattung beim Fiskus steuermindernd angeben. Ein anderer Fall sind die besonderen außergewöhnlichen Belastungen. „Das ist zum Beispiel ein auswärtig untergebrachtes Kind, etwa im Internat oder zum Studium in einer anderen Stadt“, erklärt Klocke. Die Liste ist letztlich lang und von vielen Einzelfällen geprägt. Im Zweifel lohnt es sich immer, Ausgaben anzugeben. Schlimmstenfalls werden diese nicht anerkannt.

Pauschbeträge für besondere Belastungen

Der Unterschied zwischen den beiden Arten der außergewöhnlichen Belastungen wird vor allem in der steuerlichen Anerkennung deutlich. „Für die besonderen außergewöhnlichen Belastungen gibt es feste Freibeträge und das unabhängig vom Einkommen“, sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Dazu gehören zum Beispiel Pauschbeträge für Pflegende oder Behinderte oder der Ausbildungsfreibetrag. Steuerlich machen sich diese vom ersten Cent an bemerkbar. Bei den allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen gilt: Absetzbar ist erst das, was die sogenannte zumutbare Belastung überschreitet. Das ist der Betrag, den Steuerzahler selber schultern müssen.

Zumutbare allgemeine Belastung wird individuell berechnet

Und jetzt wird es etwas kompliziert; denn die zumutbare Belastung wird immer individuell berechnet und liegt zwischen 1 und maximal 7% des Einkommens. Außer der Höhe der Einkünfte des Einzelnen oder eines Paares ist vor allem die Zahl der Kinder entscheidend. „Wer mehrere Kinder und ein kleines Einkommen hat, ist schneller in dem Bereich, dass er etwas geltend machen kann, als vielleicht ein Single, der gut verdient und auch keine Kinder hat“, erläutert Klocke.

Eigenanteil wird nach BFH-Urteil stufenweise berechnet

Seit einem Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH) aus dem Jahr 2017 wird der zumutbare Eigenanteil gestaffelt nach den Prozentsätzen der gesetzlich vorgegebenen Stufen (Az.: VI R 75/14) berechnet. Ein Beispiel: Ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem jährlichen Gesamtbetrag der Einkünfte von 60.000 Euro hat eine Zumutbarkeitsgrenze von 1.735,30 Euro. Hatte die Familie zum Beispiel 2.000 Euro Krankheitskosten im Jahr, können sich rund 265 Euro steuermindernd auswirken. „Ein Single, der genauso viel verdient, hat mit 3.535,30 Euro etwa das Doppelte an zumutbarer Belastung“, sagt Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine (BVL).

Internet-Rechner für den Eigenanteil

Wie viel der Fiskus übernehmen wird, kann der Arbeitnehmer vor Abgabe seiner Steuererklärung ausrechnen. „Es gibt im Internet Rechner zur zumutbaren Eigenbelastung“, erklärt Isabel Klocke – zum Beispiel online auf der Seite der Finanzverwaltung. Die Expertin empfiehlt im Zweifelsfall, die Kosten auf jeden Fall ins Steuerformular einzutragen. „Dann haben Sie nichts verschenkt. Es macht halt ein bisschen Arbeit.“ Mit etwas Planung können die Kosten auch steuersparend verteilt werden. „Ist man weit von der Zumutbarkeitsgrenze weg, sollte man vielleicht die Investition für die neue Brille doch ins kommende Jahr verschieben“, rät Klocke.

Wir freuen uns, wenn dieser Artikel zum Thema Steuern hilfreich für Sie war. Wichtig: Es handelt sich hierbei um allgemeine Tipps, die eine Prüfung des Einzelfalls nicht ersetzen können. Haben Sie dazu Fragen? Dann wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt.

Autor: ING