Wie sicher ist ein Bankschließfach?
Regeln, Kosten, Schutz – einfach erklärt
Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester werden gemeinhin als besonders ruhig und beschaulich empfunden. Doch im Ruhrgebiet, genauer gesagt in Gelsenkirchen, war Ende 2025 von feierlicher Besinnlichkeit wenig zu spüren. Kurz nach dem Fest hat sich hier wohl einer der größten Bankeinbrüche in der bundesdeutschen Kriminalgeschichte ereignet. Wie in einem Blockbuster-Film bohrten sich die Täter von einem angrenzenden Parkhaus aus bis zu den Schließfächerräumen der Sparkasse Gelsenkirchen vor und plünderten sie in einer bislang unbekannten Dimension. Demnach sind rund 3.100 Schließfächer betroffen, die Diebesbeute soll zwischen 30 und 100 Millionen Euro betragen.
Sollte der Raub tatsächlich diese Größenordnung erreichen, hätte das für viele Schließfachkundinnen und -kunden unangenehme Konsequenzen. Denn die Fächer sind standardmäßig nur bis 10.300 Euro versichert; lediglich ein kleiner Teil der Betroffenen hat offenbar eine zusätzliche Individualversicherung abgeschlossen. Auch bestimmten Nachweispflichten müssen die Geschädigten nachkommen. „Kommt es zum Schaden, trägt der Kunde die Beweislast“, sagt Tobias Vetter, Finanzberater und Geschäftsführer der Vetter Group. „Er muss darlegen, welche Gegenstände im Schließfach lagen und welchen Wert sie hatten.“ Ohne Kaufbelege, Gutachten oder eine nachvollziehbare Dokumentation sei eine Entschädigung kaum durchsetzbar.
Ein Bankschließfach gilt grundsätzlich als einer der sichersten Orte für Wertgegenstände und wichtige Dokumente. Schließfächer in Banken kombinieren baulichen Schutz, moderne Technik und klare Prozesse. Viele Institute erklärten öffentlich, sie hätten angesichts der Ereignisse in Gelsenkirchen die Sicherheitsmaßnahmen nochmals streng geprüft. „Die Banken schauen sich das Thema intensiv an“, bestätigt Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes (BdB) gegenüber Medien.
Dennoch kann es keine absolute Sicherheit geben: Wir gehen in diesem Artikel den Fragen nach, wie sicher ist das Vermögen in Schließfächern wirklich ist, und was bei Schäden wie Feuer, Wasser oder Einbruch gilt.
Sicherheit – stark, aber kein absoluter Schutz
Banken setzen auf eine mehrstufige Sicherheit: überwachte Tresorräume, Zutrittskontrollen, Videoüberwachung, Alarmanlagen und meist das Vier-Augen-Prinzip beim Zugang. Das senkt Risiken deutlich. Dennoch gibt es keine hundertprozentige Garantie. Einbruch, Brand oder Wasserschäden sind selten, aber möglich.
Gut zu wissen: Viele Institute informieren online transparent über ihre Schließfächer, entscheidend sind die konkreten Vertragsbedingungen vor Ort. Prüfen Sie Öffnungszeiten, Zugangsverfahren und Notfallprozesse. Fragen Sie, wie Ausfälle der Technik, Filialschließungen oder Bauarbeiten gehandhabt werden.
Schließfachversicherung: Inhalt gezielt absichern
Mit am wichtigsten aber ist: Trennen Sie den Schutz des Schließfaches als Behältnis von der Absicherung des Inhalts, zum Beispiel mit einer entsprechenden Versicherung. Laut Tobias Vetter sind Bankschließfächer in vielen Hausratversicherungen eingeschlossen, allerdings nur limitiert: Die Entschädigung ist meist auf einen festen Anteil der Versicherungssumme begrenzt. Zusätzlich greifen Obergrenzen für Bargeld, Schmuck, Edelmetalle oder Uhren. „Für vermögende Kunden entsteht dadurch schnell eine erhebliche Deckungslücke“, weiß Vetter. Während der materielle Wert steige, bleibe der Versicherungsschutz auf ein Niveau beschränkt, das eher auf durchschnittliche Haushalte zugeschnitten sei.
Separate Wertsachenversicherungen bieten einen passgenaueren Ansatz, empfiehlt der Fachmann. Sie arbeiteten häufig mit All-Gefahren-Deckungen, weltweitem Schutz und vorab festgelegten Werten. „Dadurch wird der tatsächliche Vermögensumfang realistisch abgebildet und Streit im Schadensfall vermieden.“
Der Fachmann rät ausdrücklich zu einer speziellen Absicherung: „Der Fall Gelsenkirchen macht deutlich: Physische Sicherheit allein genügt nicht. Erst die Kombination aus Transparenz, realistischer Bewertung und geeignetem Versicherungsschutz sorgt dafür, dass Werte nicht nur verwahrt, sondern auch wirksam abgesichert sind.“
Alternativen: wo kann man Wertgegenstände aufbewahren
Wer zusätzlich oder statt eines Bankfachs Optionen sucht, findet Alternativen:
- Tresor zu Hause: Achten Sie auf geprüfte Widerstandsgrade und eine feste Verankerung. Ein guter Tresor kombiniert mit Einbruchschutz am Haus erhöht die Sicherheit, ersetzt aber nicht die Dokumentation und Versicherung.
- Notarielle und behördliche Verwahrung: Bestimmte Dokumente, etwa Testamente, können amtlich hinterlegt werden.
- Digitale Sicherungen: Wichtige Scans auf einem getrennten, verschlüsselten Datenträger ablegen und am besten zusätzlich im Schließfach lagern.
Schritt für Schritt: So werden Sie jetzt aktiv
- Bestandsaufnahme: Was soll geschützt werden, welchen Wert hat es, wie oft brauchen Sie Zugriff?
- Angebote vergleichen: Größe, Kosten für ein Bankschließfach, Öffnungszeiten, Lage, Versicherungsoptionen.
- Versicherungswert festlegen: Mit Belegen untermauern, Änderungen regelmäßig prüfen.
- Regeln schriftlich klären: Zugangsrechte, Vertretungen, Notfallkontakte für Partnerinnen und Partner sowie Erbinnen und Erben.
- Dokumentation pflegen: Liste und Fotos aktuell halten, sicher getrennt aufbewahren.
- Schlüssel sichern: Niemals im gleichen Haushalt wie die Liste, keinen Hinweis auf den Aufbewahrungsort am Schlüsselbund.