Finanzfrage: Taugen Briefmarken als Wertanlage

Briefmarken: Das Sammeln ist eher ein schönes Hobby als eine lukrative Wertanlage

Lange Zeit galten Briefmarken als die Aktien des kleinen Mannes. Weshalb sie mit Ausdauer gesammelt und mit einer Pinzette an der richtigen Stelle im Briefmarkenalbum platziert wurden. Von Generation zu Generation vererbten Familien die Marken weiter. Daher sind aktuell viele Sammler im Besitz von Postwertzeichen etwa aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts und den darauffolgenden Jahren, oder sogar noch früher.

Doch anders als noch in den 1960er und 1970er Jahren gibt es heutzutage keinen Run mehr von Sammlern auf die Verkaufsstellen, wenn die Deutsche Post neue Marken ausgibt. Und in Zeiten wie diesen fragt sich manch einer, was die eckigen Schätze, die mitunter schon die Vorfahren zusammengetragen haben, wohl wert sein mögen.

Für manche Raritäten zahlen Sammler Millionen-Beträge

Immer wieder gibt es Sammlerstücke, deren Verkaufserlöse für Schlagzeilen sorgen. Zum Beispiel

  • „British Guiana 1c magenta“: Die Briefmarke aus dem Jahr 1856 erzielte am 17. Juni 2014 im Auktionshaus Sotheby’s einen Preis von fast 9,5 Millionen US-Dollar.
  • „Inverted Jenny“: Ein Exemplar der Briefmarke der USA aus dem Jahr 1918, bei der das Flugzeug kopfstehend gedruckt wurde, wechselte im Jahr 2016 für rund 1,4 Millionen Dollar den Besitzer.
  • „Baden-Fehldruck“: Die Briefmarke aus dem Jahr 1851, die aus Versehen auf grünem statt auf rosa Papier gedruckt wurde, erzielte 2019 bei einer Versteigerung des Auktionshauses Heinrich Köhler einen Rekordpreis von 1,26 Millionen Euro.

Sammler benötigen Sachverstand

Doch solche Höchstpreise bei Versteigerungen sind eher die Ausnahme. „Das Sammeln von Briefmarken ist ein wunderschönes Hobby“, sagt Reinhard Küchler, Geschäftsführer des Bundes deutscher Philatelisten (BDPh). Wer es aber auf Gewinnstreben oder -maximierung verkürze, müsse sehr genau wissen, was er kaufe. Zudem müssten Sammler das nötige Kleingeld mitbringen.

So sieht es auch Wolfgang Lang, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Briefmarkenhandels (APHV). Nötig ist aus seiner Sicht nicht nur Sachverstand. Auch gute Berater sind wichtig. Zudem müsse klar sein, dass Briefmarken als Wertanlage hochspekulativ sind. „Niemand kann das Ergebnis von Auktionen vorhersehen.“ Auch komme es darauf an, zum Verkaufszeitpunkt auf Interessenten zu stoßen, die die jeweilige Marke um jeden Preis haben wollen.

Viele Sammlungen haben keinen nennenswerten Wert

Zur Wahrheit gehört aber auch: Wer etwa eine geerbte Briefmarkensammlung zu Geld machen oder ihren Wert ermitteln will, macht nicht selten die Erfahrung, dass die Mini-Stücke nur wenig wert sind. Einer der Gründe: Das Briefmarkensammeln steht nicht mehr hoch im Kurs, die Zahl der Sammler geht stetig zurück. Hinzu kommt: Eine Vielzahl der Marken, die ab dem Jahr 1960 erschienen sind, sind Massenware. „Wenn Sie eine Sammlung von Marken aus den 1960er, 1970er und 1980er Jahren einem Händler zum Verkauf anbieten, winkt der in der Regel ab, weil er davon schon Dutzende im Bestand hat“, sagt Lang.

Welche Briefmarken aktuell begehrt sind

Nicht ausgeschlossen ist aber, dass sich doch noch irgendwo ein kleiner Schatz versteckt hat. Begehrt sind etwa

  • Briefmarken aus dem Deutschen Reich aus der Inflationszeit 1923. „Wenn sie zeitgenössisch gestempelt sind, können sie einen Wert von mehreren hundert Euro haben“, erklärt Lang.
  • Ältere Briefmarken aus den 1950er, 1960er und 1970er Jahren, die aus Ländern wie China und Indien stammen. Gleiches gilt für Postwertzeichen der arabischen Halbinsel sowie der Staaten des ehemaligen Ostblocks. In all diesen Ländern gebe es eine stark gestiegene Binnennachfrage, weil es dort zwischenzeitlich im Vergleich zu früheren Jahren Leute gibt, die sich ein Hobby wie Briefmarken leisten können. Finden sich nun in einer privaten Briefmarkensammlung Postwertzeichen aus China etwa um die Zeit der Kulturrevolution 1966 bis 1976, lassen sie sich oft noch zu Geld machen.

Klar ist aber auch: Eine Aussage zu „begehrten“ Briefmarken ist letztlich nur sehr schwer zu treffen, wie BDPh-Geschäftsführer Küchler betont. „Jeder Sammler hat andere Prioritäten.“

Mehr als eine Preisschätzung einholen

Wer Marken kaufen möchte, um etwa eine bestehende Sammlung zu ergänzen, sollte laut Küchler auf einen sehr guten Zustand der Marken und saubere Stempel achten. Geht es Ihnen indes darum, alte Marken mit Seltenheitswert zu verkaufen, sollten Sie zwei Händler aufsuchen, um eine realistische Preisschätzung zu bekommen. Bei einem Verkauf an einem Händler müssen Sie einen Abschlag einkalkulieren – schließlich will der Händler bei einem Weiterverkauf einen Gewinn machen.

„Auch ein Sachverständiger kann mitunter bei der Frage weiterhelfen, wie wertvoll eine Briefmarkensammlung ist“, sagt Lang. Zu bedenken sei aber, dass ein Sachverständiger Geld kostet - die Kosten für ihn könnten den Wert der Sammlung ausmachen.

Das Sammeln sollte vor allem Spaß machen

Und eine Sammlung über eine Auktion versteigern? Das geht oft nur, wenn die Sammlung einen geschätzten Wert von mindestens 1.000 Euro hat. In vielen Fällen bleiben die zusammengetragenen Stücke unter diesem Wert.

Generell gilt aus Sicht von Lang: Briefmarkensammeln ist ein Hobby, das den Leuten Spaß machen sollte – und eher keine Wertanlage. „Sie gehen doch auch nicht zum Fußballspielen und fragen sich, was für Sie finanziell dabei herausspringt.“