Strom wird 2020 teurer

Wann lohnt sich ein Stromanbieterwechsel?

In Zeiten fortschreitender Technik klettern die Preise der Stromanbieter in die Höhe. Laut Statista zahlte ein Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Verbrauch durchschnittlich 1.165 Euro in 2019.

Wie das Vergleichsportal Verivox ermittelte, steigen die Netzentgelte 2020 um durchschnittlich 6% an. Das kann für einen Haushalt mit einem Maximalverbrauch von 4.000 Kilowattstunden knapp 70 Euro im Jahr teurer werden.

Stromanbieter: Deutsche sind nicht wechselfreudig

Um dem Kostenanstieg zu entgehen, können Verbraucher den Anbieter wechseln. Doch diese Option nutzen die Deutschen eher selten: Nach einer Hochrechnung von Statista gaben 2019 knapp 49 Millionen Deutsche an, ihren Stromanbieter nicht wechseln zu wollen.

Stromanbieter wechseln – ja oder nein?

Dabei kann ein Stromanbieterwechsel Sinn machen. Immerhin können Verbraucher oft viel Geld sparen. „Die Ersparnis beim Wechsel ist in der Regel am höchsten, wenn man noch nie gewechselt hat, also noch die Grundversorgung bezieht“, erklärt Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen. „Zudem können Haushalte mit hohem Verbrauch mehr sparen.“

In Deutschland dominieren vier große Stromkonzerne: E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW. Kleine Anbieter, darunter auch Ökostromanbieter, bieten nicht selten günstigere Preise an – sofern die Nachfrage da ist.

Pauschal lässt sich nicht sagen, ab welchem Betrag ein Wechsel sinnvoll ist. „Es ist daher empfehlenswert, einmal im Jahr sein persönliches Einsparpotential zu ermitteln“, sagt Wallraf. Das gehe ganz einfach durch die Eingabe von Verbrauch und Postleitzahl in einem Vergleichsportal wie Verivox oder Check24.

Energieanbieterwechsel: Geringer Aufwand

Viele Kunden scheuen den vermeintlichen Aufwand eines Stromanbieterwechsels. „Der ist jedoch gar nicht so groß“, sagt Tiana Preuschoff von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Es gibt nur ein paar einfache Grundregeln, die man beachten sollte.“

Normalerweise kündigt der neue Anbieter den alten Vertrag. Bei einer Preiserhöhung oder bei einer bald endenden Kündigungsfrist rät Preuschoff dazu, den Vertrag selbst aufzulösen. „In dem Auftragsformular an den neuen Versorger sollte man vermerken, dass der alte Vertrag bereits gekündigt wurde.“

Der neue Anbieter braucht den Wechselzeitpunkt, die Zählernummer, den Zählerstand, den Netzbetreiber und die Kundennummer.

Außerdem rät Preuschoff, nicht nur auf den günstigen Preis zu achten, sondern auch die folgenden Punkte im Blick zu haben:

  • Eine Vertragslaufzeit von maximal zwölf Monaten.
  • Eine mögliche Folgelaufzeit von höchstens einem Monat.
  • Eine Kündigungsfrist von vier bis sechs Wochen.

Vorsicht vor einem Bonus & Strompaketen

Einige Stromanbieter preisen bei Vertragsabschluss einen Bonus an. Doch hier ist Vorsicht geboten: „Viele Tarife mit einem Bonus sind im zweiten Vertragsjahr sehr teuer, weshalb ein erneuter Wechsel nach einem Jahr oft sinnvoll ist“, ergänzt Dr. Barbara Saerbeck von der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Sogenannte Strompakete bieten auch nicht zwangsweise einen Vorteil: Denn dann verpflichtet sich der Verbraucher, eine Mindestmenge an Strom abzunehmen. Liegt der tatsächliche Verbrauch jedoch darunter, muss die vereinbarte Gesamtsumme trotzdem gezahlt werden. Eine Nachzahlung droht, wenn der Verbrauch entsprechend höher als veranschlagt war. Deshalb gilt: Nur wer einen konstanten Stromverbrauch hat, kann bei Strompaketen sparen.

Wechselhelfer: Sinnvoll oder nicht?

SwitchUp, Wechselfuchs oder StromAuskunft – diese Wechselhelfer bieten an, beim Energiewechsel zu unterstützen und die qualitativ besten und günstigsten Tarife ausfindig zu machen. Laut Tiana Preuschoff von der Verbraucherzentrale Niedersachsen ist das Angebot vor allem für Wechselmuffel attraktiv. „Die Firmen verkaufen ihren Service als eine Art Rund-um-Sorglos-Paket.“

Aber profitieren Verbraucher von diesem Service wirklich? Uneingeschränkt empfehlen könne Preuschoff die Wechselhelfer nicht. Dafür seien die einzelnen Angebote derzeit noch zu unterschiedlich und oftmals zu intransparent. Vorab sollten Verbraucher prüfen, ob ihnen ein Wechselhelfer Vorteile bringt. „Das bedeutet natürlich auch einen Aufwand – insofern kann man sich überlegen, den Energieversorger selbst zu wechseln.“

Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale in NRW sieht aber auch einen Vorteil bei den Wechselhelfern: „Sie verfügen über einen guten Überblick über die Anbieter. Diese Erfahrung hat man als Laie häufig nicht.“

Betrüger am Telefon

Nicht immer geschieht der Vertragswechsel zu einem neuen Stromanbieter freiwillig: Nach Angaben des Marktwächters Energie gab es 2019 Beschwerden von Verbrauchern aus mehreren Bundesländern. Sie hatten ihre Zählernummer am Telefon preisgegeben – und plötzlich einen neuen Vertrag in der Tasche.

Die Betrüger gehen ganz unterschiedlich vor: Die einen unterbreiten zunächst „ein Angebot zur Rechnungsprüfung“. Eine andere Masche am Telefon: Die Person stellt sich mit falscher Identität als „Vermittler“ oder „Energieberater“ vor und verlangt dann den Stromzählerstand. „In einem Fall hatte der Anrufer sogar vorgegeben, im Auftrag der Bundesnetzagentur anzurufen“, erzählt Dr. Barbara Saerbeck. „Betroffene Verbraucher berichteten auch schon, dass sie mit dem Hinweis auf ein Gewinnspiel, eine Umfrage oder die Auszahlung eines Guthabens in ein Gespräch verwickelt worden waren.“

Wer derartige Stichwörter hört, sollte stutzig werden. Der beste Schutz ist dann: einfach auflegen.

Autor: ING