Ärger mit dem Erbe

Sein Erbteil verkaufen – geht das eigentlich?

Nach dem Tod eines Angehörigen kommt es mitunter zum Streit ums Erbe. Manch ein Hinterbliebener hat genug von dem Hickhack und will sein Erbteil verkaufen. Geht das überhaupt? Und was hat es mit einer Teilungsversteigerung auf sich?

Die Erben: vier Geschwister. Das Erbe: ein schickes Sechs-Parteien-Mietshaus in Toplage. Doch einig, was mit der Immobilie passieren soll, ist sich die Erbengemeinschaft mitnichten. Einer will das Dach ausbauen, die große Schwester setzt auf eine Fassaden-Erneuerung, ein weiterer Bruder plädiert für eine Sanierung der Bäder. Und der vierte Erbe im Bunde? Der ist des Streitens einfach überdrüssig und möchte sein Erbteil verkaufen. Aber geht das überhaupt?

„Ja, das geht“, sagt der Bonner Fachanwalt für Erb- und Steuerrecht, Eberhard Rott. Er verweist auf Paragraph 2033 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Darin heißt es: „Jeder Miterbe kann über den Anteil an dem Nachlass verfügen.“ Mit anderen Worten: Jeder kann sein Erbanteil verkaufen.

Was nicht geht: Einzelne Gegenstände aus dem Nachlass verkaufen, beispielsweise Schmuck oder Gemälde. Denn der Nachlass steht allen Miterben gemeinsam zu, einer allein kann nicht über einzelne Gegenstände verfügen.

Wie der Verkauf eines Erbteils funktioniert

Wer sein Erbteil verkaufen will, muss darüber seine Miterben zunächst nicht einmal informieren. Er sucht sich einen Käufer, geht mit ihm zum Notar und schließt einen Kaufvertrag. Womit der Käufer aber nicht umgehend Eigentümer des Erbteils ist. Denn im nächsten Schritt informiert der Notar die Miterben über den Verkauf.

Aber was, wenn die Miterben zum Beispiel keine fremde Person in der Erbengemeinschaft haben wollen? Sind sie dagegen, können sie anstelle des Käufers den Erbteil erwerben. „Das heißt also, dass Miterben grundsätzlich ein Vorkaufsrecht haben“, erläutert Rott. Sie haben zwei Monate Bedenkzeit, ob sie das Vorkaufsrecht wahrnehmen möchten oder nicht. Dabei gibt es zwei Optionen:

  • Die Miterben kaufen gemeinsam das Erbteil eines anderen.
  • Es erwirbt einer das Erbteil des anderen, die übrigen in der Erbengemeinschaft verzichten auf ihr Vorkaufsrecht.

Ist ein notarieller Kaufvertrag zwischen einem Miterben und einem Käufer ausgehandelt, muss er die vertraglich ausgehandelten Konditionen akzeptieren. Eine Nachverhandlung ist beim Vorkaufsrecht nicht möglich.

Teilungsversteigerung statt Verkauf des Erbteils

Eine andere Option bei Streit in der Erbengemeinschaft: die Teilungsversteigerung. „Das ist etwa bei einer Immobilie denkbar“, sagt Rott. Bei einer Teilungsversteigerung geht es darum, dass die strittige Immobilie zwangsversteigert wird. Etwas, das unteilbar ist (das Haus) wird in etwas Teilbares (Geld) umgesetzt. Den Erlös können die Erben unter sich teilen.

„Jeder Miterbe, egal wie groß sein Anteil ist, kann beantragen, dass die Immobilie, die ihm in der Erbengemeinschaft mitgehört, versteigert wird“, erläutert der Münchner Fachanwalt für Erbrecht, Anton Steiner. Für andere Mitglieder der Erbengemeinschaft besteht juristisch keine Möglichkeit, dies zu verhindern.

So läuft die Teilungsversteigerung ab:

  • Den Antrag auf Teilungsversteigerung reicht ein Miterbe beim Versteigerungsgericht ein, das ist eine Abteilung des örtlichen Amtsgerichts. Weil die Teilungsversteigerung oft komplex ist, sollte der Miterbe einen Anwalt an seiner Seite haben, rät Rott. Eine Pflicht dazu besteht allerdings nicht.
  • Das Gericht beauftragt zunächst einen Sachverständigen damit, ein Gutachten über die Immobilie zu erstellen und den Versteigerungswert festzusetzen. Dafür fallen neben Gerichtskosten auch Gebühren für die Arbeit des Sachverständigen und gegebenenfalls des Anwalts an.
  • Sobald das Wertgutachten vorliegt, ordnet das Gericht die Teilversteigerung durch Beschluss an. „Oft ist der Antrag auf Teilungsversteigerung ein Türöffner bei festgefahrenen Verhandlungen in der Erbengemeinschaft“, sagt Steiner, der Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht ist. Es kann sein, dass plötzlich Bewegung in die Gespräche kommt und die Erben sich doch noch einigen. Der Antrag auf Teilungsversteigerung kann jederzeit wieder zurückgenommen werden.
  • Wird der Antrag auf Teilungsversteigerung nicht zurückgenommen, setzt das Gericht einen Versteigerungstermin fest.

Risiken bei der Teilungsversteigerung

Eine Teilungsversteigerung birgt Risiken. Die größte Gefahr: Die Immobilie geht weit unter Wert weg. Das ist zum finanziellen Nachteil für jeden einzelnen Erben. Damit es dazu nicht kommt, sollten Erben mitbieten, empfiehlt Rott, der auch Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Testamentsvollstreckung und Vermögensvorsorge e.V. ist.

Tipp: An der öffentlichen Versteigerung sollte der Antragsteller unbedingt teilnehmen. Ist er nicht anwesend, dann kann ein Bieter bereits beim ersten Termin den Zuschlag erhalten. Das gilt selbst dann, wenn er weniger als 70 Prozent des Schätzwertes bietet. Ist der Antragsteller bei der Versteigerung präsent, kann er gegenüber dem Gericht beantragen, dass ein Gebot mit weniger als 70 Prozent des Schätzwertes nicht zum Zuge kommt.

Setzt das Gericht einen zweiten Termin fest, muss es ein Gebot, das nicht mindestens 50 Prozent des Wertes entspricht, ablehnen. Bei einem dritten Termin fallen alle Grenzen, die Folge: Ein Bieter kann die Immobilie zu einem Spottpreis ersteigern.

Erblasser können Teilungsversteigerung verhindern

Dass es zu Ärger rund um eine Teilungsversteigerung kommt, lässt sich vom Erblasser vermeiden:

  • Er hat zum Beispiel die Möglichkeit, testamentarisch ausschließen, dass die Erben eine Auseinandersetzung führen. Damit dieser Wille Realität wird, kann der Erblasser einen Testamentsvollstrecker einsetzen.
  • Oder er lässt die Erbengemeinschaft erst gar nicht zu. Experte Rott: „Dann bekommt nur einer das Haus und die anderen etwas Gleichwertiges.“
Autor: ING
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