Finanzielle Sorgen müssen oft nicht sein
Mit Plan und Wissen gelassener werden
Viele von uns haben Geldprobleme. Gründe sind etwa ein Jobverlust, eine Trennung oder die gestiegenen Lebenshaltungskosten. Geldsorgen können sich negativ auf die mentale Gesundheit auswirken und nicht nur zu Schlafstörungen und Depressionen, sondern auch zu Existenzangst führen.
Es gibt aber auch Menschen, die mit Geld nicht umgehen können. Manche geben mehr aus als sie haben. Andere haben Angst vor Geld. Das zeigt sich darin, dass sie sich zum Beispiel nicht mit Anlagemöglichkeiten befassen. Und manche sind sich unsicher, ob sie in Sachen Geld alles richtig machen.
Die Psychologie des Geldes: Zwar macht laut Studien Geld nicht direkt glücklich. Es kann aber finanzielle Sicherheit und Selbstbestimmung fördern. Ab einer bestimmten Einkommensgrenze flacht indes der Zufriedenheitseffekt ab.
Fünf Beispiele für finanzielle Sorgen – und was eine Expertin dazu sagt
Finanzielle Sorgen können viele Ursachen haben, nicht immer geht es um Geldknappheit. Wichtig ist aus Sicht von Fachleuten, sich Finanzwissen anzueignen. Dann gehören finanzielle Ängste womöglich schnell der Vergangenheit an.
Beispiel 1: Ich verdiene gut, aber warum fühlt es sich nicht so an, als würde ich vorankommen?
„Vorankommen ist kein reiner Zahlenzustand“, sagt Susanne Biwer, Finanzcoachin in Köln. Viele Menschen verdienten gut, hätten aber kein klares Gefühl dafür, wofür ihr Geld eigentlich da ist. Fehle diese Orientierung, fühle sich selbst ein gutes Einkommen nicht nach Fortschritt an.
Helfen kann ein Finanzplan, bei dem Sie das vorhandene Geld in drei Kategorien einteilen:
- Eine Summe für kurz- oder mittelfristige Ausgaben,
- Eine Summe fürs Investieren, zum Beispiel in einen ETF-Sparplan,
- Eine Summe fürs Ausgeben.
Eine Option kann etwa sein, bei einer Gehaltserhöhung den Anteil fürs Investieren aufzustocken. Wer derart strukturiert mit dem eigenen Geld umgeht, stellt schnell fest, dass es finanziell vorangeht.
Beispiel 2: Alle scheinen richtig zu investieren – außer mir.
„Vergleiche erzeugen enormen Druck“, sagt Biwer. „Richtig investieren“ sei kein objektiver Maßstab. „Entscheidend ist, ob finanzielle Entscheidungen zur eigenen Lebenssituation passen, nicht, ob sie Trends oder Erwartungen erfüllen“, so Biwer.
- Tipp: Wer auf Social Media oder anderswo eine verlockende und als Trend angepriesene Anlageoption angeboten bekommt, sollte sich unbedingt weitere Infos einholen – zum Beispiel bei der Stiftung Warentest oder bei der BaFin.
Alle, die die Grundlagen einer soliden und langfristigen Anlagestrategie kennen, geraten auch nicht in Panik, wenn an der Börse zwischenzeitlich die Kurse mal mehr oder weniger extrem fallen. Denn die Erfahrung zeigt, dass man solche Tiefs in aller Regel aussitzen kann.
Beispiel 3: Was, wenn ich mit meinem Geld die falschen Dinge priorisiere?
„Die Angst, falsche Prioritäten zu setzen, zeigt, wie moralisch aufgeladen Geld oft ist“, sagt Biwer. Viele Menschen fühlten sich schuldig, obwohl sie nichts falsch machen. „Klarheit entsteht weniger durch Regeln als durch ein besseres Verständnis der eigenen Werte“, so die Finanzcoachin.
Bevor es ans Sparen und Investieren geht, gilt: Erst Schulden tilgen und eine Rücklage für Notfälle („Notgroschen“) in Höhe von mindestens drei Netto-Gehältern bilden. Ein eingeräumter Dispo sollte idealerweise bei Null liegen. Ist dies nicht der Fall, können die hohen Zinsen schnell zu einer Kostenfalle werden.
Beispiel 4: Ruhestand wirkt überwältigend und unerreichbar für normale Menschen.
„Der Ruhestand wirkt oft deshalb so überwältigend, weil er als großes, abstraktes Zahlenkonstrukt gedacht wird“, sagt Biwer. Entlastend sei es, zuerst über das gewünschte Leben zu sprechen. Dann verliere das Thema einen Großteil seines Schreckens.
Drei Tipps:
- Tipp 1: Überlegen Sie sich, wie viel Geld Sie Monat für Monat von Ihrem Einkommen abzweigen und in die Altersvorsorge investieren können. Lassen Sie sich von unabhängiger Seite beraten, wie Sie das Geld lukrativ investieren können.
- Tipp 2: Machen Sie sich einen Plan, welche Einnahmen und welche Ausgaben Sie aller Voraussicht nach im Alter haben. Bedenken Sie, dass im Ruhestand bestimmte Kosten wegfallen – etwa für Pendeln und Arbeitskleidung oder für Vorsorgebeiträge wie Rentenversicherung und Berufsunfähigkeits-Versicherung.
- Tipp 3: Loten Sie frühzeitig aus, wie Sie Ihren Ruhestand gestalten möchten. Womöglich ist ein Ehrenamt oder ein kleiner Job für Sie eine Option. Oder vielleicht möchten Sie endlich eine bestimmte Sprache erlernen oder vermehrt verreisen.
Beispiel 5: Ich fange zu spät an.
„Zu spät“ ist aus Sicht von Biwer meist kein Fakt, sondern ein Gefühl. Häufig gehe es dabei um Selbstvorwürfe. „Entscheidend ist nicht der perfekte Startzeitpunkt, sondern die Bereitschaft, sich jetzt bewusst mit dem eigenen Umgang mit Geld auseinanderzusetzen“, so die Finanzcoachin.