Gebrauchtwagen-Kauf: Was dabei wichtig und wann Vorsicht geboten ist

Worauf Sie beim Kauf eines gebrauchten Autos achten sollten

Ein Neuwagen ist vielen zu teuer. Außerdem ist der Wertverlust von 20 bis 30 % im ersten Jahr ziemlich hoch. Woran alle denken sollten, die sich ein neues „altes“ Auto anschaffen wollen, erklären drei Experten:

  1. Wissen ist Macht:
    Wer sich - bevor er Autoangebote prüft – ausgiebig informiert, hat bessere Chancen, wirkliche Schnäppchen oder überteuerte Fahrzeuge zu erkennen. „Nur so lässt sich beurteilen, wie angemessen ein Preis ist, welche Motorvarianten es gibt, was zur Grundausstattung gehört, welche Schwachstellen es vielleicht gibt und vor allem, was das Auto einmal neu gekostet hat“, sagt Bernd Meyer vom Verband des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein und Mitarbeiter des Autohauses Eskildsen in Itzehoe.
  2. Neutralen Begleiter zum Kauf mitnehmen:
    Ein Autokauf ist für viele Emotionssache. „Da setzt schnell auch mal der Verstand aus und am Ende ist der Ärger groß“, sagt Ansgar Klein vom Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK). Er empfiehlt, immer einen neutralen Begleiter mitzunehmen, der die Fakten im Auge behält.
  3. Extras kosten extra:
    Sonderausstattung kann auch ein Gebrauchtfahrzeug schnell verteuern. „Vor allem Fahrassistenz-Systeme und Connectivity Extras wie Live-Navigation oder Smartphone-Anbindung per Apple CarPlay und Android Auto sind mittlerweile sehr begehrt und erhöhen die Verkaufspreise“, sagt Martin Weiss, Leiter der DAT-Fahrzeugbewertung. Somit kann ein Auto auch günstiger sein, wenn Extras fehlen. „Ein junger Golf lässt sich ohne Navigation sicherlich deutlich schlechter verkaufen“, sagt Meyer.
  4. Auf Wartungsnachweise achten:
    Ein lückenlos geführtes Scheckheft ist immer ein gutes Indiz dafür, wie gut oder schlecht ein Gebrauchtwagen grundsätzlich gepflegt wurde. „Gerade bei jungen Fahrzeugen sind lückenlose Wartungsnachweise elementar, um die noch bestehende Garantie dem Hersteller gegenüber nicht zu verlieren“, sagt Weiss.
  5. Auf Baujahr und Kilometerstand achten:
    Zwischen 15.000 und 20.000 Kilometer fahren Pkw durchschnittlich im Jahr, sagt Bernd Meyer. „Ein zehn Jahre alter Wagen mit nur 60.000 Kilometern ist also schon ungewöhnlich und könnte ein Schnäppchen sein, wenn auch der Rest dazu passt.“
  6. Notwendige Reparaturen als Kostenfalle:
    Auf den ersten Blick scheint das Objekt der Begierde ein Schnäppchen zu sein. Doch Vorsicht: Sind alle turnusmäßigen Wartungsarbeiten - Beispiel Zahnriemen - erledigt oder will der Verkäufer das auf den neuen Besitzer abwälzen? „Das können echte Kostenfallen sein, die bei 500 Euro aufwärts liegen“, sagt Meyer.
  7. Vorsicht bei Garantien:
    Auch wer einen Gebrauchtwagen bei einem Händler erwirbt, erhält automatisch eine Gewährleistung von mindestens einem Jahr. „Der gewerbliche Verkäufer haftet damit gegenüber dem privaten Käufer und ist unter Umständen auch in der Pflicht, wenn ein Mangel erst später, also nicht bei Übergabe des Autos, auftritt“, sagt Klein. Zur Vorsicht ist bei fragwürdigen Garantieangeboten geraten. „Es werden mitunter Gebrauchtwagengarantien angeboten, da ist beispielsweise ein Motorschaden nur mit 1.000 Euro abgesichert. Davon sollte man die Finger lassen.»
  8. Ungewöhnliche Farben können Preis senken:
    Die Mehrzahl der Autos wird in den Standardfarben Weiß, Schwarz, Grau und Silber angeboten. Ungewöhnliche Farben können sich daher auf den Preis auswirken. „Rot, Grün oder Gelb sind Farben, die bei sportlichen Fahrzeugen eher akzeptiert sind als bei SUVs oder Kombis, umgekehrt sind solche Fahrzeuge dann also günstiger zu haben“, sagt Weiss.
  9. Angaben zu Vorbesitzer und Fahrleistung kontrollieren:
    Der Wagen hatte fünf Vorbesitzer in sechs Jahren ist aber nur 35.000 Kilometer gefahren? Da sollte der potenzielle Käufer stutzig werden. „Speziell, wenn es Besitzer im Brief gibt, die den Wagen nur kurz besessen haben, ist Vorsicht geboten“, sagt Klein. Ein Tipp: Alter (kann man auf der Reifenflanke sehen) und Verschleißgrad der Reifen ins Verhältnis zur durchschnittlichen jährlichen Laufleistung setzen. Reifen bei einem Auto mit geringer Laufleistung, die noch jung, aber schon stark abgenutzt sind? Das passt nicht zusammen. Außerdem gibt es bei BVfK-Händlern die BVfK-Tachogarantie.
  10. Erhebliche Vorschäden müssen genannt werden:
    Bis auf Bagatellschäden muss der Händler oder Vorbesitzer frühere Reparaturen angeben. „Aus den Erhebungen für den DAT-Report wissen wir, dass die Unfallfreiheit den Kunden sehr wichtig ist und auf Platz 2 von 21 Kriterien liegt - gleich hinter der Zuverlässigkeit“, sagt Martin Weiss.

Gut zu wissen: Muster für einen Kaufvertrag finden Sie etwa beim ACE, ADAC oder Autoscout24.