Identitätsbetrug vermeiden
Fallen Sie nicht auf Kriminelle herein
Eine vermeintlich harmlose Aufforderung zur Legitimation oder Identitätsprüfung kann schwerwiegende Folgen haben. Denn Kriminelle nutzen solche Verfahren gezielt für Identitätsbetrug und andere kriminelle Zwecke.
Das zeigt folgender (fiktiver) Fall: „Ich bin auf einen Investment-Betrug hereingefallen: Man versprach mir hohe Gewinne und erklärte, ich müsse mich legitimieren, um die Auszahlung zu erhalten. Alles wirkte seriös – bis einige Zeit später Mahnungen für einen Kredit in meinem Namen eintrafen. Statt eines Gewinns hatte ich plötzlich Schulden. Daher mein Appell: Prüft immer genau, wofür ihr euch legitimiert, bevor ihr persönliche Daten weitergebt.“
Solche Betrugsversuche sind keine Seltenheit. Wobei Kriminelle nicht nur mit lukrativen Investmentmöglichkeiten in Print- oder Onlinemedien oder in Kleinanzeigen arglose Bürgerinnen und Bürger locken. Die Betrüger schalten auch in Wohnungs- oder Jobportalen Anzeigen, in denen sie eine attraktive Wohnung in begehrter Lage oder einen gutbezahlten Job anbieten.
Kriminelle stehlen Ihre persönlichen Daten
Diejenigen, die sich auf die Inserate melden, bekommen schnell eine Antwort, oft noch am gleichen Tag mit der Aufforderung, ihre Identität zu verifizieren. Entweder über das sogenannte Video-Ident-Verfahren oder etwa in einer Postfiliale. Was zunächst plausibel klingt, entpuppt sich als Manipulation. Statt hohe Renditen auf eine Geldanlage, eine tolle Wohnung oder einen top-bezahlten und interessanten Job gibt es Ungemach: Kriminelle begehen Identitätsbetrug – auch Identitätsdiebstahl – und stehlen Ihre persönlichen Daten.
Das ist das Video-Ident-Verfahren: Hierbei geht es ums Verifizieren – Ihr Gegenüber gleicht per Videoanruf Ihre Ausweisdokumente mit Ihrer Person ab. Hierbei benötigen Sie einen PC, ein Tablet oder ein Smartphone mit Kamera, eine stabile Internetverbindung und einen gültigen Personalausweis oder Reisepass.
Geldwäsche und andere kriminelle Machenschaften als Motiv für die Betrugsversuche
Das Motiv der Kriminellen: Sie stehlen Ihre Daten wie Name, Adresse, Geburtsdatum und Bankdaten und geben sich gegenüber Dritten als Sie aus. Die Betrüger kaufen online ein, eröffnen Konten oder nehmen Kredite auf – und das alles auf Ihren Namen. Sie bekommen Rechnungen und Mahnungen und haben den finanziellen Schaden.
Hinter den Betrugsversuchen kann aber auch Geldwäsche stecken: Die Betrüger wollen Geld, das sie aus kriminellen Machenschaften erzielt haben, in den legalen Finanz- und Wirtschaftskreislauf einschleusen.
Wie Sie sich in Sachen Identitätsbetrug schützen
Wer sich vor Kriminelle, die es auf finanzielle und/oder persönliche Daten abgesehen haben, schützen will, sollte skeptisch sein. „Bei der Wohnungssuche ist es eher unüblich, dass sich Interessenten im ersten Schritt per Personalausweis legitimieren müssen, bevor sie überhaupt die Wohnung zu sehen bekommen“, sagt Felix Kohn, Jurist beim VerbraucherService Bayern im KDFB e.V.
Und soll man später, wenn es angeblich um einen möglichen Vertragsabschluss geht, eine Kopie des Personalausweises schicken, sollte man das kopierte Dokument digital mit einem Wasserzeichen versehen. „Hierfür die Bilddatei in einem Fotobearbeitungsprogramm auf dem PC oder Smartphone mit einem Text wie den Namen des Empfängers der Kopie und den Verwendungszweck versehen“, so Kohn. So schützen Sie Ihre Daten effektiv vor Missbrauch. Aber vor allem: Führen Sie nicht einfach eine Legitimation durch!
- Check machen: Misstrauisch sollte man sein, wenn man sich auf eine (etwa auf Social Media) ausgeschriebene gutdotierte Stelle bewirbt und noch am gleichen Tag die Rückmeldung bekommt, dass man sich per Videocall legitimieren soll. Hilfreich kann laut Kohn auch sein, einen Check zu machen und sich die Website des Unternehmens anzugucken: Ist dort die Stelle überhaupt ausgeschrieben? Wenn nicht, dann besser die Finger davon lassen.
- Rechtschreibung überprüfen: Gibt es in den Inseraten in Sachen Jobs, Wohnungen oder Investmentmöglichkeiten Rechtschreibfehler, sind sie sprachlich insgesamt fehlerhaft abgefasst? Zwar ist die Sprachqualität in Inseraten oder Posts durch Künstliche Intelligenz (KI) inzwischen besser geworden – Fehler tauchen aber immer noch auf.
- Nicht unter Druck setzen lassen: Erkundigen Sie sich, wofür und bei wem Sie sich legitimieren sollen. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.
Was tun im Ernstfall?
- Anzeige erstatten bei der Polizei
- Bank und Kreditinstitute informieren
- SCHUFA-Selbstauskunft prüfen
- Verdächtige Konten oder Verträge sperren lassen