Inflationsausgleich – was ist das?
Wie sinnvoll das Modell ist
Lebensmittel, Spirituosen und einiges mehr: In den Vereinigten Staaten ist im Alltag vieles teurer geworden. Um die Belastungen durch gestiegene Preise abzufedern, zahlen immer mehr US-Bundesstaaten, wie zuletzt New York, einmalige Rückerstattungen an Bürgerinnen und Bürger – quasi als Inflationshilfe.
So hoch ist die Inflation in den USA: Grund für die gestiegenen Inflationsraten in den USA ist vor allem die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump, der im vergangenen Jahr Einfuhrsteuern auf Waren aus praktisch jedem Land der Welt angekündigt hatte. Im November hatte sich indes der Preisauftrieb unerwartet deutlich verlangsamt. Nach Daten des Bureau of Labor Statistics (BLS) in Washington stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 2,7%. Ökonomen hatten einen Anstieg von 3,1% erwartet.
Einen Inflationsausgleich bekommen – Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen
Für Privathaushalte mit niedrigem bis mittlerem Einkommen haben einige US-Bundesstaaten inzwischen Programme für sogenannte „Inflation Refund Checks“ (Inflations-Rückerstattungs-Schecks) eingeführt. Diejenigen, die Anspruch auf eine Inflationsausgleichsprämie haben, müssen sie nicht beantragen. Sie bekommen automatisch einen Scheck zugeschickt, falls sie für das Jahr 2023 eine Einkommensteuererklärung eingereicht haben und bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
Wie hoch die Rückerstattung ist, hängt vom Familienstatus und Einkommen im Steuerjahr 2023 ab. In New York zum Beispiel gibt es
- für Singles: Mit einem Jahreseinkommen von 75.000 US-Dollar (64.247,81 Euro) oder weniger gibt es einen Scheck von 200 US-Dollar (171,35 Euro). Wer 2023 mehr als 75.000 US-Dollar, aber nicht mehr als 150.000 US-Dollar (128.491,50 Euro) verdient hat, bekommt 150 US-Dollar (128,51 Euro).
- Für steuerlich zusammenveranlagte Paare: Sie erhalten bei einem Jahreseinkommen im Jahr 2023 von 150.000 US-Dollar oder weniger einen Scheck von 400 US-Dollar (342,65 Euro). Paare, die mehr als 150.000 US-Dollar, aber nicht mehr als 300.000 US-Dollar (257.001 Euro) verdient haben, bekommen 300 US-Dollar (257,01 Euro)
- Ehepaare, die steuerlich einzeln veranlagt sind: Hier hat jeder Partner, der 75.000 US-Dollar oder weniger verdient hat, Anspruch auf 200 US-Dollar. Diejenigen mit mehr als 75.000 US-Dollar, aber nicht mehr als 150.000 US-Dollar, erhalten 150 US-Dollar.
- Haushaltsvorstand: Die Person, die den größten finanziellen Beitrag zum Haushaltseinkommen leistet, bekommt einen Scheck in Höhe von 200 US-Dollar, wenn sie 75.000 US-Dollar oder weniger im Jahr verdient hat. Bei mehr als 75.000 US-Dollar, aber nicht mehr als 150.000 US-Dollar gibt es 150 US-Dollar.
Inflationsausgleichprämien – gibt es ähnliche Modelle auch in Europa?
„Ja, auch in Europa hat es schon Inflationsausgleichsprämien durch den Staat gegeben“, sagt Guido Baldi vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin). Er verweist auf die Energiepreispauschale, die in Deutschland der Staat als Einmalzahlung zur Entlastung von gestiegenen Energiekosten geleistet hat. Die Energiepreispauschale lag im Jahr 2022 bei 300 Euro. Studierende sowie Fachschülerinnen und Fachschüler bekamen 2023 insgesamt 200 Euro.
Eine vergleichbare Pauschale gab es auch in Österreich. Dort hieß sie Energiekostenausgleich. Haushalte bekamen einen Gutschein in Höhe von 250 Euro, um die Kostenbelastung aus einer Stromrechnung zu vermindern. In Italien und Großbritannien hat der jeweilige Staat die Energiepreise für Privathaushalte gedeckelt.
Was von Inflationsausgleichsprämien zu halten ist
„Mit Inflationsausgleichsprämien kann sich ein Staat bei den Bürgern beliebt machen“, sagt Guido Baldi. Aus seiner Sicht tragen Einmalzahlungen jedoch nicht dazu bei, dass sie Privathaushalte nachhaltig finanziell entlasten. „Sie sind zwar besser als nichts, aber solche Prämien sind langfristig nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein“, so Baldi.
Besser als staatliche Inflationshilfen seien bei einer gestiegenen Teuerungsrate Lohnerhöhungen. Doch über solche Lohnerhöhungen kann der Staat nicht für die breite Masse der Beschäftigten entscheiden.