Mehr Licht als Schatten in der Automobilindustrie

Finanzwissen 3 min Lesedauer 09.11.2022

Im September wurden in der EU genau 787.870 Fahrzeuge neu zugelassen. Dies waren knapp zehn Prozent mehr als vor Jahresfrist und das zweite Monatsplus in Folge – trotz Chip-Knappheit, Energiekrise und der sich verschlechternden Konjunkturperspektiven.

Spürbar nach oben ging es beispielsweise bei den Marken des Volkswagen-Konzerns mit insgesamt gut einem Viertel mehr zugelassenen Wagen. Mercedes-Benz meldete gar eine Steigerung von 30,5 Prozent, während der BMW Im September lediglich auf ein Plus von 4,4 Prozent kam.

Zwar blieben die Anmeldungen damit nach den ersten neun Monaten des Jahres insgesamt im Schnitt um knapp zehn Prozent unter dem Vorjahreswert. Doch der Blick voraus lässt keine Zweifel offen: Die Automobilindustrie wird sich bis zum Jahr 2030 grundlegend verändern. Eine Studie der Internationalen Energieagentur zeigt, dass 2021 mit 120.000 Einheiten weltweit pro Woche mehr Elektrofahrzeuge verkauft wurden als während des ganzen Jahres 2012. Im ersten Quartal dieses Jahres wiederum wurden 75 Prozent mehr Elektroautos verkauft als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Mit Blick auf Europa ist Deutschland der mit Abstand größte Markt für elektrische Fahrzeuge: Hierzulande fährt bereits jeder vierte Wagen mit Strom.

54 Millionen batteriebetriebene Fahrzeuge bis zum Jahr 2030

Das Beratungsunternehmen Deloitte geht davon aus, dass Autos mit alternativen Antrieben die bestehende Verbrennungstechnologie in Deutschland bis 2040 ersetzt haben werden. Gleichwohl ist der Verbrenner noch längst kein Auslaufmodell. Auch in zehn Jahren werden diese Fahrzeuge die Zulassungen laut Deloitte mit einem Anteil von gut 60 Prozent dominieren.

Die weltweit führenden Automobilhersteller planen, bis 2030 rund 1,2 Billionen Dollar für die Entwicklung und Produktion von Millionen von Elektrofahrzeugen auszugeben. Dies geht aus einer Reuters-Analyse von Ende Oktober hervor. Die auf öffentlichen Daten und Prognosen der Unternehmen basierende Auswertung ist mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Der Untersuchung von Reuters zufolge planen die Automobilhersteller den Bau von 54 Millionen batteriebetriebenen Fahrzeugen im Jahr 2030, was mehr als 50 Prozent der gesamten Produktion entspricht.

 

Breit gestreut die Branche erschließen

In den aktuellen Kursen scheint bereits viel Skepsis eingepreist. BMW etwa ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 2,8 auf Basis der Gewinne in den abgelaufenen vier Quartalen die am niedrigsten bewertete Aktie im Dax. Mit anderen Worten: Die Münchner benötigen weniger als 2,8 Jahre, um ihren gesamten Börsenwert netto zu erwirtschaften. Mit rund 15 Milliarden Euro dürfte der Münchener Premiumhersteller in diesem Jahr netto so viel verdienen wie noch nie. Gemäß der Analystenprognosen für die nächsten vier Quartale steigt das KGV angesichts der zu erwartenden schwierigeren Bedingungen leicht auf 4,7.

Für Volkswagen prognostizieren Analysten steigende und anhaltend hohe Gewinne, sodass die Bewertung zuletzt von 4,9 auf 3,6 gesunken ist. Anleger, die an eine zukünftig gute Entwicklung von Aktien aus der Autoindustrie glauben, empfiehlt sich eine breite Streuung. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts etwa bündelt 13 europäische Automobilhersteller und Zulieferer.

Autor: ING-DiBa AG
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