Mentale Buchführung – was ist das?
Warum es mit dem Sparen oft nicht klappt
Viele Verbraucherinnen und Verbraucher nehmen sich fest vor, regelmäßig Geld zurückzulegen. Für eine große Reise, für mehr finanzielle Sicherheit oder für die eigene Altersvorsorge. Und doch bleibt am Monatsende oft weniger übrig als geplant. Der Grund dafür liegt häufig nicht im Einkommen, sondern in einem psychologischen Mechanismus: der mentalen Buchführung.
Unter mentaler Buchführung versteht man die Art und Weise, wie Menschen Geld im Kopf in verschiedene Töpfe einteilen. In der Wissenschaft wird dieses Verhalten auch als „mental accounting“ bezeichnet. Geprägt wurde das Konzept vom US-Wirtschaftsnobelpreisträger Richard Thaler.
„Mentale Buchführung ist ein Instrument zur Organisation und Kontrolle finanzieller Aktivitäten, das im Alltag von Menschen universell verbreitet ist, weil es schnelle Entscheidungsfindungen ermöglicht. Es beruht ausschließlich auf kognitiven Vorgängen und kommt ohne schriftliche beziehungsweise digitale Dokumentation aus“, heißt es im Handbuch für die Budgetberatung der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft (dgh). Eine mentale Buchführung liefert jedoch weder vollständige noch objektiv richtige Informationen über die Haushaltsfinanzen. Diese Denkweise hilft zwar im Alltag, kann aber Sparziele unbewusst sabotieren. Wer hingegen die typischen Denkfehler kennt, kann sie gezielt nutzen und so selbstbestimmter mit Geld umgehen.
Was mentale Buchführung mit unserem Sparverhalten macht
Unser Gehirn behandelt Geld nicht immer gleich. Ein Gehalt fühlt sich anders an als ein Bonus oder ein Geldgeschenk. Obwohl jeder Euro denselben Wert hat, ordnen wir ihn unterschiedlich ein. Diese Denkweise ist eng mit der Prospekttheorie (Prospect Theory) verbunden. Sie beschreibt, dass Menschen Verluste stärker empfinden als Gewinne und Entscheidungen daher nicht rein rational treffen. Auch sogenannte Bias, also systematische Denkverzerrungen, spielen eine Rolle. Sie beeinflussen, wie wir sparen, ausgeben und Risiken einschätzen.
Fünf typische Fehler beim Sparen durch mentale Buchführung
Viele Sparziele scheitern an denselben Denkfehlern. Die gute Nachricht: Sie können diese erkennen und aktiv gegensteuern.
- Geldgeschenke werden schneller ausgegeben: Zusätzliches Geld wird oft als Spielgeld betrachtet und nicht gespart.
- Der Impulskauf aus dem Spaßtopf: Geld, das für Freizeit gedacht ist, wird häufiger spontan ausgegeben.
- Zu viele getrennte Geldtöpfe: Wer den Überblick verliert, spart oft weniger effektiv.
- Kleine Beträge werden unterschätzt: Regelmäßige Kleinausgaben summieren sich, werden aber mental ausgeblendet.
- Sparen ohne klares Ziel: Ohne emotionales Ziel fehlt die Motivation, konsequent dranzubleiben.
Wie Nudging beim Sparen helfen kann
Nudging bedeutet, Entscheidungen durch kleine Anstöße zu erleichtern, ohne die Freiheit einzuschränken. „Nudges sind ‚Anstupser‘ oder Denkhilfen. Ein guter politischer Nudge ist – kurz gefasst – ein Programm zur Verhaltensänderung im alltäglichen Bereich: zur Abfallvermeidung, Verringerung der Energieverschwendung, zur gesünderen Ernährung etc.“, heißt es bei der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).
Auch beim Sparen kann Nudging wirkungsvoll sein. Ein Dauerauftrag direkt nach dem Gehaltseingang oder ein separates Sparkonto mit klarem Zweck helfen, Geld automatisch richtig einzuordnen. So nutzen Sie mentale Buchführung bewusst für Ihre Ziele.
Mentale Buchführung bewusst nutzen statt gegen sie kämpfen
Anstatt Ihre Denkweise ändern zu wollen, können Sie sie gezielt einsetzen. Geben Sie jedem Sparziel eine Bedeutung. Ein Konto für Freizeit, ein Konto für Altersvorsorge oder ein Konto für regelmäßige Rechnungen. So wird Sparen emotional greifbar und motivierend.
Machen Sie sich außerdem bewusst, wie Sie Geld mental einsortieren. Hinterfragen Sie alte Denkmuster und gestalten Sie neue. Jeder kleine Schritt zählt. Denn mentale Buchführung ist kein Fehler, sondern ein Werkzeug: Wenn Sie es richtig einsetzen, arbeitet es für Sie und nicht gegen Sie.