Wer zählt zur Mittelschicht?
Mit diesen Nettoeinkommen sind Sie dabei
Fühlen Sie sich auch der Mittelschicht zugehörig? Falls Sie jetzt Ja sagen, zählen Sie laut Ifo-Institut zu den mehr als 80 % der Menschen in Deutschland, die davon ausgehen. Doch stimmt die subjektive Wahrnehmung zur eigenen Schichtzugehörigkeit immer mit der Realität überein? Studien zufolge ist dies nicht der Fall. Aber wer gehört nun zur Mittelschicht in Deutschland?
„Eine einheitliche Definition von Mittelschicht gibt es nicht“, merkt Judith Niehues vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln an. Oft gilt als Bezugspunkt das mittlere Einkommen der Gesellschaft, also der sogenannte Median.
Gut zu wissen: Oft wird der Begriff „Mittelschicht“ mit dem Begriff „Mittelstand“ verwechselt. „Mittelstand“ ist aber die Bezeichnung für kleine und mittlere Unternehmen.
Verschiedene Definitionen von Mittelschicht
Nach einer IW-Definition gehört eine Person zur Mittelschicht im engeren Sinne, wenn ihr bedarfsgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen zwischen 80 % und 150 % des Medians liegt. Dabei haben Forschende des IW die Summe aller Erwerbs-, Kapital-, Renten- und Transfereinkommen berücksichtigt sowie Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. Das daraus resultierende Haushaltsnettoeinkommen verteilten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bedarfsgerecht auf die Haushaltsmitglieder.
Mit der Bedarfsgewichtung wird laut IW berücksichtigt, dass das Leben günstiger wird, wenn mehrere Menschen zusammenleben, und dass Kinder weniger benötigen als Erwachsene. „Ob ein Haushalt zur Mittelschicht zählt oder nicht, hängt somit auch von seiner Größe und Zusammensetzung ab“, so das IW.
Definition Mittelschicht der OECD: Nach einer Definition der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), auf die das Münchner ifo Institut verweist, steht Haushalten der unteren Mitte zwischen 75 % und 100 % des mittleren Einkommens zur Verfügung, Haushalten der mittleren Mitte zwischen 100 % und 150 % sowie Haushalten der oberen Mitte zwischen 150 % und 200 % zur Verfügung.
Ab welchem Einkommen Sie zur Mittelschicht gehören
Nach der EU-Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) betrug das Medianeinkommen im Jahr 2022 insgesamt 2.312 Euro monatlich. Beim Bestimmen dieses Betrags flossen auch Mietvorteile bei selbstgenutztem Wohneigentum ein. Laut IW zählt man zur (Einkommens-)Mittelschicht im engeren Sinne, wenn man netto im Monat als
- Alleinlebender zwischen 1.850 Euro und 3.470 Euro,
- Alleinerziehender mit einem Kind unter 14 Jahren zwischen 2.400 und 4.510 Euro,
- Paarhaushalt ohne Kinder zwischen 2.770 und 5.200 Euro,
- Paarhaushalt mit einem Kind unter 14 Jahren zwischen 3.330 und 6.240 Euro und als
- Paarhaushalt mit zwei Kindern unter 14 Jahren zwischen 3.880 Euro und 7.280 Euro netto zur Verfügung hat.
Im Jahr 2022 zählten dem IW zufolge knapp 48 %, also etwa jeder Zweite, zur eng definierten Einkommensmittelschicht.
Wer zur oberen Mittelschicht zählt
„Zur oberen Mittelschicht gehören diejenigen, deren Nettoeinkommen deutlich über dem mittleren Einkommen liegen“, sagt Niehues. Das ist der Fall, wenn das Haushaltsnettoeinkommen etwa 150 bis 250 % des deutschen Medianeinkommens entspricht.
Das heißt: Um zur oberen Mittelschicht zu zählen, müssen Alleinlebende über mehr als 3.470 Euro netto monatlich verfügen, ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren über mehr als 7.280 Euro netto.
Ab welchem Einkommen man zur Oberschicht gehört
Ab einem Nettoeinkommen von etwa 5.780 Euro gilt im Jahr 2022 ein Single als „relativ einkommensreich“ und gehört zur Oberschicht. Dies ist bei Paaren mit zwei Kindern unter 14 Jahren der Fall, wenn das Nettoeinkommen bei 12.140 Euro liegt. Ein Paarhaushalt ohne Kinder muss über 8.670 Euro netto im Monat verfügen, um als „relativ einkommensreich“ zu gelten.
„Viele Deutsche überschätzen den Anteil der Reichen in der Bevölkerung“, sagt Niehues. Nach Schätzungen gingen die meisten davon aus, dass mehr als 20 % der Deutschen als reich bezeichnet werden könnten. Zur Oberschicht zählten aber nur etwa 4 %.
Übrigens: In Sachen Reichtum gibt es zwei Ebenen: Reichtum an Einkommen und Reichtum an Vermögen. Fachleuten zufolge ist dabei die Frage zu bedenken, ob jemand, der ein hohes Einkommen, aber dafür kein eigenes Haus hat, als reich gelten kann. Und umgekehrt: Warum sollte jemand mit einem vergleichsweise geringen Einkommen arm sein oder gar eine schlechtere Lebensqualität haben, wenn sie oder er eine eigene Immobilie vorweisen kann? Mehr zum Thema Einkommensreichtum können Sie in diesem Beitrag lesen.
Und zu welcher Schicht gehöre ich?
Sie möchten wissen, zu welcher Schicht Sie gehören und wie wohlhabend Sie im Vergleich sind? Das können Sie mithilfe eines Rechners des IW einfach und bequem feststellen. Los geht’s!