Klimagerecht bauen oder sanieren – und Geld sparen

Für mehr Nachhaltigkeit das „Gesamtsystem Haus“ im Blick behalten

Was hat Bauen mit dem Philosophen Kant zu tun? Nach Ansicht von Ulrich Wischnath, dem Chef des Vereins Bauwende, sollte ein kategorischer Imperativ des Bauens die Leitlinie sein: „Baue so, dass du wollen kannst, dass alle Menschen so bauen wie du es tust”, zitiert die Bundesstiftung Baukultur ihn. Um dem gerecht zu werden, müsse einerseits die Frage gestellt werden, warum so viel gebaut werde, wie es derzeit der Fall sei. Und es müsse andererseits eine am Klima- und Ressourcenschutz orientierte Bauweise zum Standard werden.

Modernisierung zu klimagerechten Häusern

„Selbstverständlich ist es auch möglich, den Gebäudebestand zu verbessern und zu klimagerechten Häusern zu modernisieren”, sagt Klaus-Jürgen Edelhäuser, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Im Grunde sei das dann sogar besonders klimagerecht. „Die Rohstruktur des Bauwerks ist ja schon da.” So erhalte man die im Bestand gebundene „graue Energie”. Diese umfasst zum Beispiel die Energie, die benötigt wird, um aus Rohstoffen fertige Baumaterialien herzustellen.

Im Einzelfall müsse die Qualität des Bestandsgebäudes durch einen qualifizierten Planer geprüft werden, rät Edelhäuser. „Es ist aber im Regelfall möglich, auch aus Bestandsgebäuden ‘klimagerechte Häuser’ zu machen, die auch die Anforderungen des Gesetzgebers voll erfüllen, sogar übererfüllen.“

Sind alle Neubauten per Gesetz sowieso öko?

Um den Klimawandel zu bremsen, hat die Bundesregierung in den vergangenen Jahren verschiedene Gesetze aufgelegt, auch das im November 2020 in Kraft getretene Gebäudeenergiegesetz (GEG). „Durch die aktuell gültigen gesetzlichen Vorgaben, namentlich dem GEG, wurde festgelegt, dass, wer ein Gebäude errichtet, dies als Niedrigstenergiegebäude zu errichten hat”, erklärt Marc Förderer, Fachingenieur für Energieeffizienz beim Bauherrenschutzbund. „Demnach haben wir im Moment per gesetzlicher Definition im Neubau bereits ein Niedrigstenergiegebäude.“

Die Regierung habe Förderprogramme aufgesetzt, um Anreize zu schaffen, energieeffizient und klimagerecht zu bauen. Denn wie man die gesetzlichen Vorgaben konkret erreiche, sei jedem selbst überlassen, sagt Förderer. „Aus diesem Aspekt heraus ergibt sich aber die Möglichkeit, klimagerechtere Techniken und Baustoffe zu verwenden.”

Was bedeutet klimagerechtes Bauen?

Nach Ansicht des Verbands Privater Bauherren (VPB) sollten jene, die nachhaltig bauen wollen, das Ganze vom Ende her denken. Das Gebäude müsse gewissermaßen als Zwischenlager für Baustoffe gesehen werden: „Das wirklich nachhaltige Haus lässt sich nämlich zum Schluss komplett in seine sortenreinen Bestandteile zerlegen und in den natürlichen Kreislauf integrieren”, heißt es beim VPB. Der Verband hat dazu einen Leitfaden aufgelegt: „Nachhaltig bauen – für die Zukunft planen”. Denn nachhaltig zu bauen, sei leichter gesagt als getan.

„Beim Hausbau sind neben Klimaschutz auch Wohnqualität und Behaglichkeit wichtige Kriterien”, sagt Förderer. Man solle sich bereits in der frühen Planungsphase darüber im Klaren sein, was man sich für seinen Neubau wünscht. „Und wie groß das Budget dafür ist.” Um nicht in finanzielle Bedrängnis zu kommen, sollte ein Energieberater zu Rate gezogen werden, empfiehlt Edelhäuser.

Gesamtsystem Haus im Blick

„Besonders wichtig ist eine produktneutrale und gewerkeunabhängige Beratung durch einen entsprechend qualifizierten und erfahrenen Planer”, sagt Edelhäuser. Der Planer sollte bestenfalls auch Erfahrungen als Energieberater haben. Eine Übersicht bietet etwa die Planersuche der Bayerischen Ingenieurkammer-Bau.

Wollen Sie ein klimaschonendes Haus bauen, empfehlen die Experten, zum Beispiel auf folgende Punkte zu achten:

  • Fassade: Wandelemente aus Holz sind laut Edelhäuser die bessere Alternative zum energieintensiv erzeugten Beton. Sie sind mit Zellulose und Holzfasern gefüllt und können so später auch komplett recycelt werden.
  • Dämmung der Fassade: Auch hier können Sie auf Naturmaterialien zurückgreifen, etwa Holz, Wolle oder Kork. Doch Vorsicht: „Es gibt Dämmmaterialien auf Erdölbasis mit einer guten Wirksamkeit, die aber leider bei der Herstellung einen hohen Energieverbrauch haben”, sagt Förderer.
  • Innenraum: Für den Innenbereich rät Edelhäuser zu einem Lehmputz. Der Vorteil: Der Lehmputz steuert dank seiner natürlichen Eigenschaften den Feuchtigkeitsaustausch in den Räumen.
  • Dach: Auf dem Haus können Sie mit Photovoltaik- sowie Solarthermie-Anlagen sowohl Strom als auch Warmwasser zum Verbrauch und zum Heizen erzeugen.

Wie bei einem guten Wertpapier

Bei der Planung sollte das „Gesamtsystem Haus” betrachtet werden. „Genau das ist auch der Punkt, über den man letztendlich so richtig Geld sparen kann”, sagt Edelhäuser. Eine gute Planung koste zwar zunächst Geld. Aber: „Das spart man sich dann aber letztendlich durch entsprechend durchdachte, clevere und wirtschaftliche Lösungen bei der baulichen Umsetzung wieder ein.” Das sei wie bei einem guten Wertpapier: „Wenn die Investition am Anfang richtig gewählt ist, bekommt man den besten Ertrag.”

Autor: ING
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